Sport für alle – Der inklusive Verein All Inclusion Sports
Inga Drews · 06.05.2026
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Bei All Inclusion Sports trainieren Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam – ohne Leistungsdruck, aber mit viel Teamgeist. © Tobias Gemein
Ein Junge dribbelt den Fußball Richtung Tor. Kurz vor dem Tor stoppt er und wartet auf seinen Mitspieler, ein Kind mit Down-Syndrom. Er legt den Ball zu seinem Teamkollegen rüber und der schießt das Tor. Die beiden Jungen liegen sich jubelnd in den Armen. „Das ist so ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist“, erzählt Tobias Gemein. „Das sind Momente, da weiß ich, hier bin ich genau richtig und wir machen hier was richtig Gutes.“

Tobias Gemein gründete All Inclusion Sports, um Kindern mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsame Sporterlebnisse zu ermöglichen. © Tobias Gemein
Tobias Gemein ist Gründer des Vereins All Inclusion Sports, des ersten inklusiven Indoor- Sportvereins in Köln-Bonn. Das Ziel: Kindern mit und ohne Einschränkungen einen Zugang zum Sport bieten, der individuell auf sie abgestimmt ist. Tobias Gemein und sein Team luden im Juli 2025 zu den ersten Trainingseinheiten im Soccer Center Bonn ein. Kurze Zeit später fiel auch der Startschuss in der SoccerWorld Köln. Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren mit und ohne Handicap können in Bonn heute Fußball und Tennis spielen, bald auch Basketball und Badminton. In Köln steht bisher Fußball auf dem Programm.
Ein sicherer Ort für alle Kinder
Die Motivation, diesen besonderen Verein auf die Beine zu stellen, ist mit einer persönlichen Geschichte verbunden. Tobias Gemeins Schwester wurde mit einer geistigen Behinderung geboren. „Ich habe gemerkt, dass ihr im Kinder- und Jugendbereich viele Sportarten verwehrt geblieben sind.“ Während Tobias selbst die Türen offenstanden, wurde seine Schwester oft ausgegrenzt oder diskriminiert. „Das tat mir im Herzen weh.“ Der Garten des Elternhauses, in dem die beiden zusammen Fußball spielten, wurde zu ihrem Safe Space, ihrem sicheren Ort – einem Ort, wie Tobias ihn mit All Inclusion Sports auch für andere Kinder schaffen möchte.
Rund 80 Mitglieder kann All Inclusion Sports e.V. inzwischen verzeichnen. Davon sind 70 Prozent Kinder mit Beeinträchtigung, 30 Prozent ohne. „Das ist uns wichtig“, sagt Tobias Gemein. „Inklusion lebt davon, dass es nicht nur eine Mannschaft von Menschen mit Beeinträchtigung ist, die wieder nur unter sich sind.“ Darum sprechen Tobias und sein Team auch gezielt Kinder und Jugendliche ohne Handicap an. Für sie bedeutet Inklusion, dass Teams und Gruppen gemischt sind. „Wenn Kinder mit und ohne Beeinträchtigung zusammen Sport machen, nehmen beide Seiten viel mit. Kinder mit Beeinträchtigung wissen: Hier bin ich sicher. Kinder ohne Beeinträchtigung bauen Berührungsängste ab.“ Das bezieht sich auch auf das Trainerteam. Hier engagieren sich Menschen mit Down-Syndrom, mit Sehbehinderung oder mit Asperger-Syndrom. „Wer bei uns Verantwortung übernehmen möchte, soll das tun können“, erklärt Tobias.

Koordination, Bewegung und Teamgeist: Das inklusive Training soll vor allem Spaß machen und Selbstvertrauen stärken. © Tobias Gemein
Das Trainerteam von All Inclusion Sports ist inzwischen so groß, dass oft acht Trainer:innen – darunter auch Übungsleiter:innen und pädagogische Fachkräfte – etwa 20 Kinder betreuen. Dieser Betreuungsschlüssel ermöglicht es, dass auf das individuelle Tempo der Kinder eingegangen werden kann und sie Sport ganz ohne Druck erleben. Dies entspricht ganz dem Motto des Vereins: Erlebnis statt Ergebnis. „Sport sollte für alle Kinder da sein. Wenn sie wegen fehlender Leistung abgelehnt werden, verlieren sie oft für immer die Lust am Sport“, meint Tobias, der für sein Engagement bei der Kölschen Sportnacht als „Person des Kölner Sports 2025“ ausgezeichnet wurde.
Gemeinsam trainieren ohne Leistungsdruck
Das Angebot des Vereins wächst stetig, denn die Nachfrage ist groß. Neben den regelmäßigen Trainings stehen auch Feriencamps auf dem Programm, in denen alle Teilnehmer: innen fünf Tage Fußball, Badminton und Handball spielen können. Sowohl in Bonn als auch in Köln haben sich inklusive Mädchenteams gegründet, die wöchentlich trainieren. Der Mitgliedsbeitrag für All Inclusion Sports liegt bewusst niedrig bei 10 Euro im Monat. „Sport ist für mich der Ort für Inklusion schlechthin“, betont Tobias und lädt alle interessierten Kinder und Jugendlichen zu einem Schnuppertraining ein, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, ob mit oder ohne Sprachbarriere. „Auf dem Platz sprechen wir alle die gleiche Sprache.“

Beim Training probieren die Kinder unterschiedliche Sportarten aus – immer angepasst an ihr individuelles Tempo. © Tobias Gemein
Sommercamps 2026:
17. bis 21. August (5. Ferienwoche) in Bonn
24. bis 28. August (6. Ferienwoche) in Köln
Die Termine der wöchentlichen Trainings findet ihr auf der Website.
