Wir brauchen deine Unterstützung, jeder Cookie zählt!

Wir verwenden Cookies, um die Nutzung unserer Webseite zu verbessern, bestimmte Funktionen zu ermöglichen und vor allem, um unsere Arbeit zu finanzieren. Du kannst dem jederzeit in unserer Datenschutzerklärung widersprechen.

Akzeptieren
Essenziell

Diese Technologien sind erforderlich, um die Funktionalität der Webseite zu ermöglichen.

Statistik

Mit diesen Technologien analysieren wir die Nutzung der Webseite, mit dem Ziel, unsere Arbeit zu verbessern.

Marketing

Diese Cookies sind Grundlage für unsere Einnahmen. Wir nutzen Google Adsense, um Anzeigen unserer Werbekunden auf der Webseite einzustellen. Hier erfährst Du, wie personenbezogene Daten zur Personalisierung von Anzeigen verwendet werden.

Komfort/Externe Medien

Diese Technologien werden verwendet, um dir ein besseres Nutzungserlebnis zu ermöglichen.

Demokratie und Bewegung in der Zirkusfabrik Köln

Lisa Böttcher · 29.04.2026

zurück zur Übersicht
Die 11-jährige Marlene trainiert am Vertikaltuch. ©Lisa Böttcher

Die 11-jährige Marlene trainiert am Vertikaltuch. ©Lisa Böttcher

In der Kölner Zirkusfabrik lernen Kinder weit mehr als nur Kunststücke. Unter dem Motto „Demokratie fängt klein an“ fördert das Team um Sven und Sabine Nitsch Teamgeist, Selbstbewusstsein und ein inklusives Miteinander – denn starke Kinder bilden eine starke Gesellschaft.

Wenn Sven und Sabine Nitsch morgens ihren Arbeitsplatz betreten, tun sie das mit einem klaren Auftrag. „Wir haben ein demokratisches Leitbild. Wir möchten hier kleine Geister für ihre eigene Stimme sensibilisieren, für ihr eigenes Ja und Nein“, erklärt der Zirkus- und Sonderpädagoge, der gemeinsam mit seiner Frau die Zirkusfabrik leitet. „Das ist seit hunderten Jahren die Grundidee von Zirkus. Man muss zusammenarbeiten, einander zuhören und respektieren. Sonst gibt es keine Show.“ Und seit 15 Jahren übertragen die Nitschs und ihr Team diese Idee auf dutzende Kurse und Workshops, an denen in der Woche um die 400 Kinder teilnehmen.

Dass es bei dem Projekt „Zirkusfabrik“ um mehr als nur Bewegung geht, erkennt man bereits beim Betreten der Trainingsräume in Köln-Dellbrück. In dem großen Foyer verteilte Aufsteller und Plakate erinnern die Kinder an ihre Rechte. Der Slogan hier lautet: „Demokratie fängt klein an.“

Klamauk mit Konzept

Während sich ein Ferienkurs in einem der Trainingsräume gerade an verschiedenen artistischen Disziplinen probiert, sitzt eine Gruppe Mädchen beim Mittagessen an einer Bierzeltgarnitur und lacht. Diese Mädchen bilden den Kinder- und Jugendzirkus Klamauk und verbringen einen Großteil ihrer freien Zeit mit Training, Konzeption und Einstudieren einer neuen Zirkusshow. „Das sind alles Kinder aus unseren Kursen, die ihr Können auf ein höheres Level bringen wollten“, erklärt Sven Nitsch. Denn die Konzeption der Klamauk Show findet zusätzlich zum regulär stattfindenden Training statt und ist nicht nur artistisch herausfordernd. „Die Klamauk-Kinder arbeiten ein ganzes Jahr an ihrer Show. Und im Training gibt es keinen Applaus. Das kann zwischendurch ganz schön hart sein.“

„Mir macht es am meisten Spaß, neue Tricks zu lernen“, erzählt die 11-jährige Marlene. Sie ist bereits seit sechs Jahren bei der Zirkusfabrik und hängt am liebsten im Vertikaltuch. „Natürlich bin ich auch enttäuscht, wenn etwas nicht klappt. Aber dann trainiere ich so lange, bis ich es schaffe.“ Die14-jährige Mirja fing mit der Zirkusakrobatik an, um ihre Körperspannung zu verbessern. „Aber heute finde ich vor allem schön, dass wir hier gemeinschaftlich etwas aufbauen. Man wächst selbst und auch als Gruppe.“


Einmal im Jahr präsentiert der Kinder- und Jugendzirkus Klamauk eine neue, eigens entworfene Show. ©Natalie Weiss/die ZIKRUSfabrik

Mit Mut und Selbstvertrauen

Wenn mal etwas nicht funktioniert, machen die Mädchen sich gegenseitig Mut und unterstützen sich. Sie lernen, nicht sofort aufzugeben und aus verschiedenen Ideen eine gemeinsame Show zu entwickeln. Diese Fähigkeiten helfen ihnen auch im Alltag weiter. Und genau das will die Zirkusfabrik von Gründung an schaffen. „Die Kinder machen mit der Zeit meist eine extreme Veränderung durch. Sie entwickeln nicht nur eine verbesserte Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein, sondern auch Teamgeist.“

Besonders wichtig ist Sven Nitsch, dass sich alle Teilnehmenden – ob Erwachsene oder Kinder, ob Menschen mit oder ohne Behinderung – stets auf Augenhöhe begegnen. „Der Zirkus ist seit jeher ein Ort für besondere Menschen. Hier sollen sich alle wohl und gesehen fühlen, ohne Einschränkungen oder Eitelkeiten.“ Bei diesem Vorhaben wird das Team der Zirkusfabrik auch tatkräftig von den Therapiehunden Bruno und Elvis unterstützt. „Die beiden sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit und eine große Hilfe“, erklärt der Zirkuspädagoge.

Ein Zuhause für alle

Mit Förderprogrammen und Kooperationen soll auch Kindern aus ökonomisch schwächeren Familien die Teilhabe ermöglicht werden. Ebenso wie Kindern, die vor Krieg und Leid fliehen mussten und Kindern, die lebensverkürzend erkrankt sind. „Wir leisten hier sehr wichtige Präventivarbeit. Wenn all die Menschen nach der Teilnahme an unseren Kursen mit einem demokratischen und inklusiven Weltbild durchs Leben gehen, tragen wir in großem Maße zu einer friedlichen Gesellschaft bei.

Um das demokratiebildende Potenzial der Zirkusfabrik ausschöpfen zu können, brauche es aber mehr Mittel, als das Projekt zurzeit eigenständig leisten könne. „Wir haben gespürt, wie groß das gesellschaftliche Interesse an uns ist. In der Pandemie wurden wir mit so viel Unterstützung und Liebe überhäuft. Um diese Sichtbarkeit zu bewahren und auszubauen, gehen wir ab diesem Jahr den Weg in die Gemeinnützigkeit“, berichtet Sven Nitsch. Durch den Vereinsstatus werde nicht nur das Weiterbestehen der Zirkusfabrik unabhängig von der jetzigen Projektleitung gesichert, sondern auch ihre politische Wahrnehmung und Relevanz gestärkt.

„Die Kinder kommen alle mit verschiedenen Vorgeschichten zu uns. Und wir haben durch unsere inhaltliche Bandbreite die Chance, allen etwas anzubieten“, erklärt Sven Nitsch. „Wir sind ein Zuhause für Kinder und Jugendliche, die sich ohne Leistungsdruck bewegen wollen. Bei uns sollen sich alle psychisch und motorisch sicher fühlen.“

Die Zirkusfabrik ist eine zirkuspädagogische Bildungseinrichtung in Köln-Dellbrück. In Kursen, Workshops und bei Kindergeburtstagen können sich Kinder ab 3 Jahren in klassischen Zirkusdisziplinen ausprobieren. Darunter Luft- und Bodenartistik, Jonglage, Balance sowie Theater, Tanz, Clownerie und Zauberei. Das Angebot ist inklusiv und wird von einem professionellen Team aus Sonder- und Zirkuspädagog:innen sowie ausgebildeten Trainer:innen begleitet.

Tags: