Wildpferde beobachten bei Köln: Ausflug zur Sophienhöhe
Sven von Loga · 11.06.2026
zurück zur Übersicht
Die Konik-Ponys auf der Sophienhöhe leben ganzjährig im Freien. Seit Frühjahr 2026 gehört auch ein Fohlen zur kleinen Herde. © Sven von Loga
Sophienhöhe: Wie aus dem Tagebau eine neue Naturlandschaft entstand
Im Grunde ist die Landschaft des Niederrheins vollkommen platt. Keine Höhen, keine Berge, die Ville als leichter Höhenzug zieht sich noch zwischen Köln und Düren hindurch, die Eifel aber ist längst geendet und die Landschaft ist in die Niederrheinische Bucht übergegangen. Der Rhein hat diese Landschaft geschaffen – seit einigen hunderttausend Jahren schüttet er Rheinkiesel in diese Region, die er aus den Mittelgebirgen mitbringt. Aber es gibt einen Berg zwischen Bedburg und Jülich, der zum großen Teil aus solchen Rheinkieseln besteht und die flache Landschaft um 200 Meter überragt. Es ist die Sophienhöhe, die Abraumhalde des Braunkohlentagebaus Hambach. 1978 begannen die Schaufelradbagger, sich in die Erde zu graben, 1984 wurde aus etwa 300 Metern Tiefe die erste Braunkohle gefördert. Ein gewaltiges Loch entstand, der Abraum musste irgendwo hin.
Um die Fläche wieder zu einer nutzbaren Landschaft zu machen, schuf der Tagebaubetreiber Rheinbraun die Forschungsstelle Rekultivierung. Geograf:innen, Biolog:innen und Landschaftsplaner:innen arbeiten hier zusammen und überlegen genau, welche Pflanzen auf welche Böden gesetzt und welche Lebensräume für Tiere geschaffen werden sollen. Überall auf der Halde finden sich kleine Weiher. In Steinhaufen und Holzstapeln siedeln Eidechsen, in den Löchern seltsamer Baumstämme hausen Spechte.
Wildpferde auf der Sophienhöhe: Konik-Ponys in freier Natur erleben

Die Koniks helfen dabei, die offenen Wiesenflächen der Goldenen Aue als wertvollen Lebensraum zu erhalten. © Sven von Loga
Ein Highlight ist der Rekultivierungsstelle mit der „Goldenen Aue“ gelungen, einer großen Mulde mit zwei kleinen Seen auf dem höchsten Punkt der Halde. Im Frühjahr blüht hier ein gelbes Meer aus Ginster und dem goldgelben Klappertopf. Seit ein paar Jahren lebt in der Goldenen Aue eine kleine Wildpferdeherde. Es handelt sich um Koniks, eine sehr robuste Ponyrasse aus dem osteuropäischen Raum, die vielfach in Naturschutzgebieten eingesetzt wird, um Wiesenflächen offenzuhalten. Dies ist auch auf der Sophienhöhe ihre Aufgabe. So richtig wild sind sie also nicht – obwohl sie Tag und Nacht ohne Stall auf der Weide verbringen. Diese kleine Pferdeherde zu beobachten ist eine echte Freude, und die Bilder der Pferde in der scheinbar freien Natur bleiben lange in Erinnerung.
Wanderung zur Goldenen Aue: Naturerlebnis für Familien
Also machen wir uns auf den Weg nach oben. Auf den Gipfel geht es nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad, glücklicherweise dürfen auf der Sophienhöhe kaum Autos fahren. Am besten starten wir am „Wanderparkplatz Sophienhöhe“ bei Stetternich, der Weg zur Goldenen Aue ist ausgeschildert, die Schilder zeigen kleine Pferdchen. Unterwegs kommen wir am Inselsee vorbei. Auf der namensgebenden Insel in seiner Mitte brütet eine Reiherkolonie und zieht ihre Jungen auf. Glücklich ist, wer jetzt ein Fernglas dabeihat. Auf den zahlreichen Seerosenblättern im See sitzen oftmals grüne Frösche – Bilder wie aus dem Märchenbuch.

Die große Holzbank auf der Sophienhöhe bietet einen beeindruckenden Blick über die Rekultivierungslandschaft und den Tagebau Hambach. © Sven von Loga
Angekommen in der Goldenen Aue sind nicht nur die Pferde dekorativ, denn in den beiden kleinen Seen leben sehr viele Wasservögel. Oben am Hang sehen wir eine gewaltige Bank, die aus einem einzigen Baumstamm zurechtgesägt wurde – ein wunderbarer Pausenplatz mit einem Ausblick, der scheinbar bis nach Amerika reichen könnte. Wer den Weg zurück in der Dunkelheit nicht scheut, kann hier oben Sonnenuntergänge vom Feinsten erleben.
Wildpferde und Aussicht auf den Tagebau Hambach

Fast wie in freier Wildbahn: Die Konik-Ponys streifen durch die weitläufige Landschaft auf dem höchsten Punkt der Sophienhöhe. © Sven von Loga
Bevor es aber dunkel wird, werfen wir in jedem Fall einen Blick in den Tagebau Hambach, das größte Loch Europas. Ganz unten sehen wir Schaufelradbagger auf einer Braunkohleschicht. Das Loch ist heute 400 Meter tief, das Braunkohleflöz beginnt 360 Meter unter der Pferdeweide. Und darüber grast nun die kleine Herde. Angeleitet von einem dunklen Hengst ziehen sie meist gemächlich umher. Es gibt Stunden, da sind sie im Wald verschwunden, manchmal sehen wir sie nur weit entfernt auf ihrer Weide. Manchmal stehen sie aber auch mitten im Weg.
Meist sind sie an den Besucher:innen vollkommen desinteressiert. Sie werden auch nicht lästig, denn Füttern und Anfassen sind streng verboten. Nur das im April 2026 geborene Fohlen ist doch recht neugierig den Menschen gegenüber – ein Erlebnis, das den Aufstieg auf diesen Berg lohnt. Sehr lange möchten wir dort oben auf der Bank sitzen und die Pferde beobachten, die so anders sind als jene auf einem Reiterhof. Ein wirklich seltener Anblick.

Besonders junge Fohlen sorgt bei Besucher:innen für Begeisterung und macht die Beobachtung der Herde zu einem besonderen Erlebnis. © Sven von Loga
Ausflugstipp: Terra Nova mit Spielplatz und Tagebau-Blick
Wer schon in der Gegend ist, macht nach der Wanderung auf die Sophienhöhe noch einen Ausflug zum Terra Nova, einem Aussichtsplateau bei Elsdorf mit Restaurant, Abenteuerspielplatz und bestem Blick in den Tagebau.
Sophienhöhe, Parkplatz Sophienhöhe, Inselsee, Goldene Aue und Terra Nova sind auf Google Maps eingetragen und sowohl an den umgebenden Straßen als auch auf der Halde ausgeschildert.
An wichtigen Punkten auf der Halde stehen Tafeln mit dem Wanderwegeverzeichnis.
