Vom Mittelalter in die Gegenwart: Ein Familienausflug nach Siegburg
Anna Oberste · 28.10.2026
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Auf dem Michaelsberg angekommen, könnt ihr die Aussicht genießen. ©Anna Oberste
Unsere Tour startet am Marktplatz in Siegburg, auf dem seit über 1.000 Jahren Markt gehalten wird. Heute ist er autofrei – und bietet uns gleich den ersten Blick auf unser höchstes Ziel: den Michaelsberg mit seiner Abteikirche.
Schritt für Schritt ins Mittelalter
Mit einem Rucksack im Gepäck verlassen wir die Fußgängerzone und folgen der Bergstraße. Bereits nach wenigen Minuten taucht links der märchenhafte Hänsel-und-Gretel-Spielplatz auf. Für uns heißt es erst einmal: weitergehen! Zum Klettern und Toben ist später noch Zeit. Doch bevor wir den Michaelsberg hinaufsteigen, machen wir einen Abstecher zum Hexenturm.
Dafür verlassen wir den direkten Weg zur Abtei und folgen der Bergstraße noch ein kurzes Stück, bis eine kleine Treppe zum mittelalterlichen Turm führt. Seinen geheimnisvollen Namen erhielt der ehemalige Wachturm erst später – mit den Hexenprozessen hatte er ursprünglich nichts zu tun.

Anzeigetafeln helfen euch, den Weg zu finden. ©Anna Oberste
Vom Hexenturm aus finden wir zurück auf unseren Weg zum Michaelsberg. Dabei kommen wir am Rosengarten vorbei, der auf dem ehemaligen Holzlager der Benediktiner angelegt wurde, bevor wir die letzten Höhenmeter zur Abtei in Angriff nehmen.
Durch den steinernen Torbogen gelangen wir auf das Gelände der ehemaligen Benediktinerabtei. Sie wurde 1064 von Erzbischof Anno II. gegründet und prägt seit fast 1.000 Jahren die Geschichte Siegburgs. Wir schauen uns auf dem Gelände um, werfen einen Blick in die Abteikirche und suchen uns schließlich ein Plätzchen für ein Picknick mit Blick über das herbstliche Siegburg. Kaum zu glauben: Am Michaelsberg sind heute sogar Uhus zu Hause – mit etwas Glück lässt sich vielleicht sogar einer der lautlosen Nachtjäger entdecken.
Märchenhaftes Spielvergnügen
Nach der Stärkung geht es mit schnellen Schritten wieder bergab – schließlich wartet unten der Spielplatz auf uns. Wir verlassen die Bergstraße vor dem Rosengarten und folgen den Stufen durch das raschelnde Kastanienlaub bis zum Spielplatz. Der naturnah gestaltete Abenteuerspielplatz greift mit viel Holz, Waldmotiven und niedlichen Hütten die Märchenwelt von Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf. Der Komponist selbst war ein Sohn der Stadt.

Ein schöner Spielplatz ist immer ein gutes Argument für einen Ausflug. ©Anna Oberste
Auf dem Spielareal gibt es schnell kein Halten mehr: Kleinere Kinder können im Sand- und Spielbereich erste Kletterversuche wagen, größere sich beim Klettern und Balancieren ausprobieren. Rutschen und Bewegungselemente laden zusätzlich zum Toben ein. Für uns heißt es deshalb Kletterspaß und Rutschvergnügen in Dauerschleife.
Auf Zeitreise ins Museum
Wer nach dem Spielplatzabenteuer Lust hat, noch mehr über die Geschichte Siegburgs zu erfahren, ist im Stadtmuseum am Markt genau richtig. Bereits das Gebäude selbst ist geschichtsträchtig: Es wurde im 19. Jahrhundert als Schule erbaut und steht auf den Überresten des ehemaligen Rathauses. 1854 wurde hier Engelbert Humperdinck geboren.
Im Inneren des Museums wird die Geschichte Siegburgs und seiner Umgebung lebendig – von der Frühzeit bis in die Gegenwart, von Paläontologie und Geologie über die Abteigeschichte bis zur Entwicklung von Stadt und Wirtschaft. Auch Siegburger Keramik und zeitgenössische Kunst finden ihren Platz.

Das Stadtmuseum ist von innen wie von außen spannend. ©Anna Oberste
Neugierige Spürnasen können dabei auch gleich selbst aktiv werden. Mit dem Audio-Guide für Kinder geistern sie zusammen mit Hausgeist Sieglinde und dem Maskottchen Lottchen durch das Museum. Das Stadtmodell von 1910 zeigt, wie Siegburg vor mehr als 100 Jahren ausgesehen hat. An interaktiven Stationen können kleine und große Besucher:innen noch mehr über die Geschichte der Stadt erfahren. Und wer weiß, vielleicht stößt man beim Museumsbesuch auch auf einen Alligator?
Zwischen Büchern, Piratenschiffen und Lesehöhlen
Nach so viel Geschichte bietet sich eine Verschnaufpause in der direkt nebenan gelegenen Stadtbibliothek an. Sie wurde 2025 sogar als „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen“ ausgezeichnet. Kein Wunder, denn neben zahlreichen Büchern und Medien gibt es gemütliche Leseplätze, ein großes Piratenschiff und sogar unterirdische Lesehöhlen. Im Literaturcafé sorgen Kaffeespezialitäten, Kuchen und herzhafte Snacks für eine Auszeit.
Ob kleine Geschichtsfans, begeisterte Kletterer oder Bücherwürmer – in Siegburg kommt so schnell keine Langeweile auf. Und genau das macht die Kreisstadt zu einem schönen Ziel für einen abwechslungsreichen Familientag – vom ersten Schritt auf dem Marktplatz bis zur letzten Buchseite.
Anreise: Gut mit Auto und Zug erreichbar. Der Bahnhof liegt wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Parkmöglichkeiten gibt es zentrumsnah.
Routenlänge: circa 1,5 bis 2 km mit Anstieg
Kinderwagen-Tipp: Die Route ist kinderwagengeeignet. Für Treppen gibt es alternative Wege.
Besuch Museum und Bibliothek:
Öffnungszeiten und Informationen unter
stadtmuseum-siegburg.de
stadtbibliothek-siegburg.de
