Ausflug

Schlossleuchten auf Schloss Drachenburg

Janina Mogendorf · 20.01.2020

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Schloss Drachenburg © Janina Mogendorf

Schloss Drachenburg © Janina Mogendorf

Die Weihnachtssachen liegen wieder wohlverstaut auf dem Dachboden und irgendwie wirkt das Wohnzimmer jetzt kahl. Der Blick nach draußen machte es auch nicht besser: Der Frühling scheint genauso weit entfernt wie die nächste Schneeflocke. Alles braun-grau-trist! Es fehlt definitiv an Farbe.

Da kommt der Hinweis auf das Schlossleuchten in Königswinter wie gerufen: Zum sechsten Mal taucht der Lichtkünstler Wolfgang Flammersfeld das Schloss Drachenburg in leuchtende Farben. Schnell ist klar, da müssen wir hin.

Viele Wege führen auf den Drachenfels. Der bequemste mit der Drachenfelsbahn vom Rande der Altstadt aus und der spannendste durch den dunklen Wald. Die Aussicht auf eine Nachtwanderung, ließ Malia die zweite Variante wählen. Um 18 Uhr an diesem Freitagabend parkten wir auf dem stockdusteren Parkplatz des Lemmerzfreibades und steckten zwei Euro in den Parkautomaten. Dann ging es bergan in Richtung Schloss und wir waren froh über unser Handylicht.


Die Nibelungenhalle © Janina Mogendorf

Schon bald schimmerte es hell zwischen den kahlen Ästen der Bäume hervor und kurz darauf standen wir vor der Nibelungenhalle, die sich in leuchtendem Blau-Gelb-Rot vor dem schwarzen Abendhimmel erhob. Eine halbe Drehung um die eigene Achse und wir erspähten das prachtvolle Schloss Drachenburg hinter einem hohen schmiedeeisernen Zaun. Schon bei Tag betrachtet, wirkt es wie aus einem Märchen gefallen und man erwartet jeden Moment Dornenranken an seinen Zinnen entlangwachsen zu sehen, bevor die Belegschaft in einen hundertjährigen Schlaf fällt.

Farben und Lichter

Bei Nacht und kunstvoll illuminiert wirkt das Ganze noch beeindruckender. Von mehr als 400 farbigen Lampen und 12 Projektoren angestrahlt, offenbaren sich Details, wie Erker, Türmchen und Friese in voller Pracht und die umgebenden Bäume schimmern in allen Farben des Regenbogens. Wir betreten den Park durch die eindrucksvolle Vorburg. Lichtinstallationen entlang der Wege und in den Beeten führen Besucher bis zum Hauptportal. Schon hier ist das Motto der diesjährigen Schau zu erkennen. Anlässlich des Bonner Beethovenjahres, leuchtet uns die bekannte Silhouette seiner wilden Frisur den Weg und er wird uns heute noch oft begegnen.


Der Weg durch den Park © Janina Mogendorf

Ein Countdown, der groß auf die Front des Schlosses projiziert ist, macht nicht nur uns neugierig. Kleine Grüppchen sammeln sich am Hauptportal, den Blick gebannt auf die Zahlen gerichtet. „10, 9, 8…“, zählt Malia laut und dann fegt ein riesiges Lichtspektakel über die Fassade hinweg. Minutenlang ändern sich Formen und Farben. Große Videoprojektionen lassen gleich mehrere Beethovens gleichzeitig in den Fensternischen auferstehen, bevor das Gebäude im Finale schließlich ins sich zusammenzufallen scheint.

Die Zuschauer sind baff und lösen sich nur langsam aus ihrer Position. Über das Handyradio hätte man passende Musik zur Vorstellung empfangen können, aber auch und vielleicht gerade in Stille hat diese Lichtershow großen Eindruck gemacht. Nun sind wir noch neugieriger geworden: Was wird uns im Schloss empfangen? „Bestimmt wieder der Beethoven“, meint Malia und soll Recht behalten. Gemeinsam schlendern wir durch die bekannten Räume, die nun im Dunklen einen ganz besonderen Charme ausstrahlen. Beleuchtete Beethoven-Statuen in Lebensgröße, Lasershows und wechselnde Installationen warten hier auf die Besucher.

Stufe für Stufe

Über eine schmale Treppe geht es bis ganz hoch unters Dach des Schlosses. Hier waren wir noch nie. Fahles Licht beleuchtet eine Art Tanzboden. „Hier versammeln sich um Mitternacht die Schlossgeister zum Ball“, versuche ich es mit ein bisschen Gruselstimmung. Auch der zweite Turm wird heute noch von uns erklommen und da man hier den Gegenverkehr abwarten muss, sind wir froh, dass der befürchtete Besucheransturm sich an diesem Abend noch in Grenzen hält. Belohnt werden wir mit einem unglaublichen Blick auf die abendlichen Lichter Bonns.


Der Blick auf Bonn © Janina Mogendorf

Ein leckerer Duft weht uns dort oben in die Nase und der Blick auf den nördlichen Schlosshof zeigt, dort gibt es etwas Warmes: Neben Suppe und Pommes-Bratwurst zum Beispiel auch Bratapfel-Glühwein. Gemächlich schlendern wir anschließend durch den Park wieder zum Ausgang, um uns die Nibelungenhalle anzuschauen. „Ich bin gespannt, welche Projektionen dort an der Gewölbedecke zu sehen sind“, sagt mein Mann. Doch tatsächlich leuchtet diese nur Blau. Deshalb widmen wir uns Siegfried und Kriemhild und erfahren, dass das Nibelungenlied 2.400 (!) Strophen umfasst.

Mit einem Rundgang durch den Reptilienzoo, der uns mit seinen 29 Grad am Ende tatsächlich noch leise Sommergefühle beschert, endet unser Ausflug ins Meer der Farbe und wir treten den Rückweg durch den Wald an, der nach diesem Augenschmaus sogar noch ein wenig dunkler wirkt. „Hier im Siebengebirge sollen ja mittlerweile drei Wölfe leben“, gebe ich den Dorfklatsch an meine Familie weiter und plötzlich sind wir ganz froh, als das Auto in Sicht kommt.

Schloss Drachenburg
Drachenfelsstraße 118
53639 Königswinter
Tel. 02223 - 901 97-0
mail@schloss-drachenburg.de

Parkplatz Lemmerzfreibad

Oberweingartenweg
53639 Königswinter

Parkplatz Drachenfelsbahn

Winzerstraße 1
53639 Königswinter

Termine:

  1. Januar bis 23. Februar 2020 jeweils Freitag, Samstag und Sonntag von 18 bis 22 Uhr

Preise:

Eintritt Schlossleuchten Fußgänger (Schloss Drachenburg und Nibelungenhalle).

  • Erwachsene 9 Euro
  • Kinder ab 6 Jahren 4 Euro

Tickets für Fußgänger gibt es vor Ort an der Schlosskasse oder im Onlineshop.

Kombiticket Schlossleuchten (inkl. Fahrt mit der Drachenfelsbahn, Schloss Drachenburg und Nibelungenhalle):

  • Erwachsene 15 Euro
  • Kinder ab 6 Jahren 9 Euro

Kombitickets können an den jeweiligen Terminen vor Ort an der Talstation der Drachenfelsbahn erworben werden oder im Onlineshop.

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