Ausflug

Kraxelnd macht es mehr Spaß

Christoph Schrahe · 24.03.2019

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Frühlingserwachen im Siebengebirge / alle Fotos von Christoph Schrahe

Frühlingserwachen im Siebengebirge / alle Fotos von Christoph Schrahe

Wandern boomt. Weil wir gesundheitsbewusster werden, weil Natur im Trend liegt und weil es neue Wege gibt, die spannende Touren statt langweiliger Spaziergänge versprechen. Kommen Felsen ins Spiel, entdecken auch Digital Natives ihre natürliche Bewegungsfreude wieder. Ein guter Grund, sich mit Kindern zu Quarzithärtlingen, Trachyten, Sandsteinen und Blockschutthalden aufzumachen. Wir stellen vier alles andere als alltägliche Ziele im Rheinland vor.

Das Siebengebirge

Wenn der Wald allein mit seinen Käfern, Blättern und Stöcken keinen ausreichenden Faszinationsgrad mehr entwickelt, um sich selbst und die seinen zur ja grundsätzlich schon als wohltuend begriffenen Bewegung in der Natur zu motivieren, dann können stärkere Reize helfen. Südlich der Kölner Bucht gibt es sie. Das Rheinische Schiefergebirge, zu dem unter anderem Eifel und Siebengebirge zählen, hat zwar bei weitem keine alpinen Dimensionen. Aber hier und da beschert es ähnlich dem für einen Tagesausflug zu weit entfernten Hochgebirge doch erhabene Gefühle, grandiose Ausblicke und technische Herausforderungen. Am schönsten ist es dort, wo die Millionen Jahre alten Felsen zu Tage treten und erstaunliche landschaftliche Kleinode geschaffen haben.

Im Siebengebirge hat der Mensch dabei etwas nachgeholfen. Bevor es 1922 zu einem der ersten deutschen Naturschutzgebiete wurde, setzten den Bergen zahlreiche Steinbrüche zu. Die bilden heute eine malerische, teils verwunschene Kulisse für spannende Wander- und Kraxelpartien. Die vielleicht aufregendste Route startet am Parkplatz Im Mantel, der an der Straße zwischen Oberdollendorf und Heisterbach liegt. Von hier aus gelangt man zum Stenzelberg, früher ein beliebtes Kletterrevier des Alpenvereins. Heute sind die Felsen aus naturschutzgründen für das Sportklettern gesperrt.

Doch man kann entlang zahlreicher Pfade durch und über die Felsformationen wandern und kraxeln. Immer wieder öffnen sich dabei Blicke hinunter zum Rhein, nach Bonn und bis nach Köln. Es gibt herrliche aussichtsreiche Felssimse auf denen sitzend man umrahmt von krüppeligen Eichen mit über dem Abgrund baumelnden Beinen sein Picknick zu sich nehmen kann. Mit ganz kleinen Kindern ist das eine Spur zu gefährlich. Mit ihnen kann man am Grund der dunklen Schluchten zwischen den Felsriegeln bleiben, kleine Höhlen erkunden und Felstürme, die wie Pfeiler in den Himmel ragen von unten bewundern.

Länge der Strecke: je nach gewählter Route 2-3 km (Abstecher zum Einkehrhaus 0,5 km)

Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel

Download der GPS-Daten

Infos: www.siebengebirge.com

 

Das Ahrgebirge


Rast an der Hütte im Ahrgebirge

Noch stärker als im Siebengebirge fällt der Kontrast zur Ebene der Kölner Bucht im Ahrgebirge aus. Mehr als 400 Meter tief hat sich das kleine Flüsschen, das man im Sommer zu Fuß durchwaten kann, durch die verschiedenen Gesteinsschichten aus Tonschiefer, Kalkstein, Quarzit und Sandstein gesägt. Dabei sind gewaltige, senkrechte Felswände entstanden. Eine davon, die Nordwand der Engelsley, ragt direkt über dem Ausgangspunkt der Höhenwanderung rund um das Langfigtal auf: dem Parkplatz Tunnelstraße in Altenahr.

Das Langfigtal ist eine Ahrschleife, die von Erschließung verschont blieb, denn die Ahrtalstraße schneidet die Schleife durch einen kurzen Tunnel ab. Durch den muss man zunächst hindurch. Dahinter überquert man die Ahr auf einer kleinen Brücke und steigt schon bald durch alte Obstgärten in steilen, schmalen Kehren bergan und fort vom teils lärmigen Tal und dem Trubel auf der Wanderautobahn des Rotweinwanderwegs auf der anderen Talseite. Auf dem ersten Plateau öffnet sich eine sonnige, schütter bewaldete Wiese von der aus man einen prächtigen Blick zur Burg Are hat, die eine Felsspitze oberhalb von Altenahr krönt.

Die erste echte Kletterpartie bietet der 405 Meter hohen Schrock, sie ist aber kein Muss, auch ein Weg führt zu der auf der Anhöhe gelegenen, altersschwachen Schutzhütte, die man in Italien sicher Bellavista getauft hätte. Das Panorama ist überwältigend: Weinberge, Waldgebirge, Eifeldörfer, Felsmassive. Wer im Frühjahr oder Herbst hier hochsteigt, bekommt das alles in üppiger Farbenpracht präsentiert. Für Wanderer mit Kondition lohnt anschließend der Abstecher zum 531 Meter hohen Steinerberg (Einkehr!). Die dortige Ginster- und Wacholderheide hat einen ganz eigenen Charakter. Ein weiterer kraxeliger Höhepunkt wartet kurz vor Schluss: das Teufelsloch. Nur einer Legende nach hatte der Teufel bei der Entstehung dieses Lochs im Fels seine Finger im Spiel, ein ganz besonderer Ort ist es trotzdem.

Länge der Strecke: 7 km (mit Steinerberg 10 km)

Schwierigkeitsgrad: leicht

Download der GPS-Daten

Infos: www.altenahr.de

 

Klettersteig am Mittelrhein


Klettersteig bei Boppard am Mittelrhein

Sehr besonders ist bei Tour Nummer drei der Weg an sich. Es ist die einzige Via Ferrata des Rheinlands, ja sogar nördlich der Alpen. Den Begriff Via Ferrata verbindet man eigentlich mit den Dolomiten. Dort dienten die eisernen Steige im 1. Weltkrieg den Soldaten als Nachschubwege. Heute eröffnen sie Bergwanderern spektakuläre Routen und atemberaubende Ausblicke in ansonsten unzugänglichen Welten aus Fels und Stein.

Seit Sommer 2006 gibt es einen solchen Klettersteig auch am Mittelrhein. Er führt bei Boppard durch die Schieferfelsen oberhalb der Weinberge und der berühmten Rheinschleife. Insgesamt elf Kletterpassagen an steilen Felswänden, 300 Höhenmeter, 10 Leitern, 130 Trittbügel, herrliche Tiefblicke und vor allem bei Anfängern ziemlich viel Herzklopfen warten zwischen dem Einstieg an der Ripp und dem Ende an der Engelseiche. Zur Sicherung sind 180 Meter Drahtseil in den Felsen verbaut. Geübten dienen diese als Handlauf, Neulinge und Kinder sichern sich an diesen mittels Klettersteigset gegen Abstürze. Die schwierigsten Stellen können zur Not jeweils über Wanderwege umgangen werden.

Die Gesamtgehzeit beträgt zweieinhalb bis drei Stunden. Am Ende der Tour warten hoch über dem Rheintal zwei Ausflugsgaststätten, die erste am sogenannten Vierseenblick, einer herrlichen Aussichtskanzel. Der Abstieg nach Boppard ist auch per Sesselbahn möglich. Das Begehen des Klettersteigs ist kostenlos. Klettersteigsets mietet man für fünf Euro in der Aral-Tankstelle an der Koblenzer Straße (zzgl. 20 Euro Pfand).

Länge der Strecke: 5,4 km (mit Sesselbahn 4,5 km)

Schwierigkeitsgrad: schwer

Download der GPS-Daten

Infos: www.boppard-tourismus.de

 

Müllerthal in Luxemburg


Das Müllerthal in Luxemburg

Vollends in eine andere, geradezu märchenhafte Welt eintauchen kann man in der Kleinen Luxemburger Schweiz. Die liegt tatsächlich auch in einem anderen Land und damit streng genommen außerhalb des Rheinlandes. Aber die deutsche Grenze ist gerade mal einen guten Kilometer entfernt, man ist von Köln in zwei Stunden dort und geologisch ist man immer noch im Rheinischen Schiefergebirge. Und weil man ansonsten ungefähr bis Arizona reisen müsste, um eine solche Vielzahl derart bizarr geformter, teils vom Wind ausgehöhlter Felsformationen auf so engem Raum bewundern zu können, gehört der schönste Flecken unseres kleinsten Nachbarlandes sowieso in diese Liste felsiger Wanderrouten.

Am Start in Berdorf, einem auf einer Hochfläche gelegenen und von Äckern umgebenen Dorf, ahnt man davon nichts. Doch sobald man auf dem Weg in das unten im Tal gelegene Örtchen Müllerthal den Wald betritt, sind sie da: Felsen, viele Felsen. Sie ziehen sich entlang der Hangkanten der in die Hochfläche eingeschnittenen Bachtäler und je weiter man den Bächen nach unten folgt, desto höher werden sie. Der Mullerthal-Trail führt entlang der schönsten Formationen und das auf ganz besondere Weise. Entweder ganz dicht am Fuß der Massive entlang oder durch enge, teils vollkommen dunkle Felsspalten (Taschenlampe mitnehmen) mitten durch das Gestein, mal über Treppen und Stege hinauf, meist aber dem natürlichen Gelände folgend.

Mal stehen die Felsen dicht ringsum, mal in weitem Halbkreis wie in einem Amphitheater, mal ragen hohe, glatte Wände auf, mal säumen Sedimentgesteine den Weg, deren weichere Schichten löchrig wie ein Schweizer Käse sind. Höhlen gibt es zuhauf, unten bei Müllerthal einen Wasserfall und am Ende des Weges bei Altrier dann als krönenden Abschluss noch eine 1000 Jahre alte Eiche. Mit einem auch am Wochenende regelmäßig verkehrenden Bus gelangt man zurück zum Ausgangspunkt in Berdorf. Je kleiner die Kinder, desto kürzer sollte man die Strecke planen. Nicht wegen möglicherweise mangelnder Kondition sondern schlicht, weil es so viele verwunschene Nischen, geheimnisvolle Tiefen und verlockende Ansitze zu erkunden gibt. Steine zum Umdrehen und Käfer zum Ärgern hält der Wald in der Luxemburger Schweiz natürlich auch bereit.

 

Länge der Strecke: 15 km (bis Consdorf 12 km, Bus auch von hier)

Schwierigkeitsgrad: mittel

Download der GPS-Daten

Infos: www.mullerthal-trail.lu/de