Ausflug

Ein Spaziergang durch Neuehrenfeld

Sue Herrmann · 15.03.2021

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Lenauplatz, Neuehrenfeld © Sue Herrmann

Lenauplatz, Neuehrenfeld © Sue Herrmann

Auf Schusters Rappen – eine Stunde zu Fuß durchs Veedel! Per Schlenderschritt lässt sich herrlich Neues entdecken, selbst im eigenen Viertel. Und in anderen sowieso. Das gemächliche Tempo bietet sich gerade zu an, zum Hier-und-Da-mal-Stehenbleiben, zum Gucken, zum Hakenschlagen und zum Entdecken, ob in der Mittagspause, am Feierabend oder am Wochenende ... viel Freude dabei!

Unser Spaziergang durchs Stadtviertel Neuehrenfeld startet an der für mich schönsten Kirche Ehrenfelds, an St. Peter auf dem Simarplatz an der Subbelrather Straße. Nicht umsonst wird sie von vielen auch der Ehrenfelder Dom genannt. Nahezu mystisch ist die Atmosphäre im dreischiffigen Innenraum, sobald die Sonnenstrahlen durch die bunten Fenster fallen.


An St. Peter © Sue Herrmann

Wer statt Seelenheil, lieber seinem Magen etwas Gutes tun möchte, beziehungsweise vor dem Spaziergang noch einer Stärkung oder Motivationsspritze bedarf, der ist sicherlich bei meiner Lieblingseisdiele Liliana gleich vis-à-vis gut aufgehoben oder ein paar Schritte weiter die Subbelrather Straße stadteinwärts bei meinem Lieblings-Mittagstisch, dem Speisemeister.

Frisch gestärkt, jetzt aber los: St. Peter rechterhand, verlassen wir die viel befahrene Subbelrather Straße rechts hinter der Bushaltestelle Lessingstraße und folgen dem Trampelpfad in die kleine Grünanlage. Links halten, vorbei an Schlössers Kleingärten, stoßen wir beim meterhohen Hauswand-Graffiti – Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht – auf den alteingesessenen Schießstand der St. Sebastianus Schützengilde auf der Takustraße.


Takustraße © Sue Herrmann

Rechts entlang geht es auf Höhe der Dechenstraße links ins Takufeld, dem größten Park im Viertel. Wir biegen allerdings beim „Eichhörnchen" auf Höhe der Hausnummer 68 rechts in die Lansstraße ab und fühlen uns in diesem verkehrsberuhigten, nach einem schweren Dachstuhlbrand im September 2012 renovierten Sträßchen gleich nochmal mehr, wie auf dem Dorf. Idylle pur!


Lansstraße © Sue Herrmann

Am Ende der Lansstraße geht’s hinter dem Torbogen auf der Iltisstraße weiter nach links bis wir auf den Takuplatz stoßen. Gleich links an der Häuserwand erinnert Station 23 des Ehrenfelder Geschichtspfads sowie die Plaketten der Karnevalsfreunde „Ihrefelder Chinese“ an den Boxeraufstand in Fernost und damit an die Namensgebung der Straßen im Chinese-Veedel. Der Takuplatz, ehemals Wendeschleife der Straßenbahnlinie 5 – vor dem Ausbau bis zum Butzweiler Hof – dient heute hauptsächlich dem Ehrenfelder Boule Club als Spielstätte. Tischtennisplatte, Bänke, schattenspendende Robinien sowie ein Kiosk sorgen aber auch sonst für ein reges Platz-Leben.


Takuplatz/Iltistraße © Sue Herrmann

Über die Gravensteinerstraße gelangen wir zum Ansgarplatz, werfen einen Blick auf die eher schlichte Kirche St. Barbara und biegen dann rechts in die Hellewatterstraße ein. Überqueren die Heidemannstraße und gelangen durch den Torbogen in die Ennenstraße und zum Ennenplätzchen mit dem Barbara-Brunnen von 1928. Ein weiterer ruhiger Platz umgeben von Wohnhäusern der Ehrenfelder Genossenschaft, umsäumt von Bänken und Rosenrabatten.


St. Barbara – Kirche und Brunnen © Sue Herrmann

Am Ende der Ennenstraße biegen wir rechts ab in die Gottfried-Daniels-Straße, überqueren die Nußbaumerstraße und gelangen über die Chamissostraße auf die Eichendorffstraße, eine der schönsten Straßen des Viertels.


Eichendorff/Chamisso Straße © Sue Herrmann

Wem nach einer Pause verlangt, der wendet sich nach rechts und holt sich bei Bensons Coffee selbigen oder beim Obst- und Gemüsehändler an der Ecke Hauffstraße einen frisch gepressten Granatapfel- oder Möhren-/Apfel-/Selleriesaft und lässt sich dann auf einer der Bänke am Lenauplatz nieder um dem Treiben ein bisschen zuzuschauen ...


Lenauplatz © Sue Herrmann

Wer allerdings noch Elan hat, der wendet sich nach links und bewundert die prachtvollen Bauten, viele davon mit Jugendstilelementen und Stuckfassaden. Über den Ehrenfeldgürtel hinaus führt die Eichendorffstraße bis zur Anna Kirche. Von Götterbäumen gesäumt entsteht in Verbindung mit den Vorgärten der Eindruck einer großzügigen Allee – naja, zumindest wenn man sich die ganzen parkenden Autos wegdenkt.


Eichendorffstraße © Sue Herrmann

Auch die angrenzenden Straßenzüge – Schadow-, Otto-, Röntgen-, Nußbaumer-, Förster- und Fridolinstraße – sind einen Spaziergang wert, gibt es auch dort – wenn auch nicht so durchgängig wie in der Eichendorffstraße – viele schöne Gründerzeithäuser. Bekannt ist das Gebiet um St. Anna auch als das Tinte-Veedel, denn ehemals wohnte hier eine wohlhabende Klientel, die ihr Geld üblicherweise am Schreibtisch mit dem Füllfederhalter verdiente. Leider zählen auch heute noch die Mieten hier eher zu den Happigen.

Hier, an St. Anna endet nun unser 2,2 Kilometer langer Spaziergang durchs Veedel. Verlängert ihn, je nach Gusto, oder sucht eine der tollen Kneipen, Cafés oder Restaurants auf – die hoffentlich bald alle wieder öffnen dürfen! – und stoßt an: Auf ming Veedel!

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Liebe geht bekanntlich – auch im Veedel – durch den Magen

Hier eine kleine, feine, subjektive Auswahl meiner Lieblingsgastronomien:

  • Beste Eisdiele: Eiscafé Liliana – Benvenuti bei Giuseppe! Traditions-Eisdiele, seit 1968, über 30 hausgemachte Eissorten, guter Cappuccino, Simarplatz/Ecke Subbelratherstraße
  • Bester Mittagstisch: Speisemeister – immer frisch, immer lecker, auch vegetarisch und vegan, persönliches Highlight: geschmorter Chicorée auf karamellisiertem Sauerkraut, Subbelratherstr. 270
  • Bester Imbiss: Iltis-Grill – Griechische Spezialitäten, Gyros vom Feinsten, Iltisstr. 162
  • Bestes Café: Café Franck – seit 1938, schöne Außenterrasse, originelles Interieur und nach wie vor leckerer Kuchen, mein Favorit: die Zitronen-Tarte. Und mehrmals im Monat bebt die Alte Backstube und öffnet sich der Clubszene Ehrenfelds, Eichendorffstr./Ecke Ehrenfeldgürtel
    Leckeren Kuchen gibt’s auch im Cafe Tapku, Nußbaumerstr. 80 und im Wallczka, Subbelrather Str. 295.
  • Bester Italiener: Pane e cioccolata – Mamma Anna öffnet schnell ihr großes Herz, leckere Pizza, die Außenterrasse und Spielplätze in der Nähe tun ihr übriges, Jessestr./Ecke Ottostraße
  • Beste Eckkneipe: Försterstube – Elke und Lothar sind eine Institution: leckere Bratkartoffeln, frisch gezapftes Kölsch, Frikadelle zum FC und ein gemischtes Publikum aus Jung und Alt, Immis und Urkölsche, Försterstr./Ecke Ehrenfeldgürtel
  • Beste gehobene Küche: Carls Restaurant – stilvolles Ambiente, drinnen hohe Decken, draußen ein schöner Garten, versierter Service und immer lecker, Eichendorffstr./Ecke Ehrenfeldgürtel
  • Bester Neuzugang: café soleil – strahlt Wärme aus, leckere Pide und selbstgemachter Kuchen, Fridolinstr./Ecke Ottostraße
    Gasthaus Stollenwerk – schöner Biergarten, mein Highlight: Kalbsleber oder doch Himmel & Ääd und für den Nachwuchs Currywurst, Chamissostr./Ecke Eichendorffstraße
  • Bester Kaffeeröster: Benson Coffee – Kaffeespezialitäten vom amtierenden deutschen Röstmeister, Eichendorffstr. 49
  • Bester Außenbereich: Traubenzeit – fernab vom Autolärm sitzt man mitten im grünen Hofgarten und isst auch noch lecker, Hauffstr. 1
  • Bestes Familiencafé: Fräulein Frida – leckere Waffeln am Stiel, Kinderecke drinnen und draußen mit Sandkiste, schöne Geschenkartikel und Kaffee von Schamong, Subbelratherstr. 179
    Café Lukha & Herr Landmann – mit Spielecke, kostenfreies WLAN, Snacks und leckerer Kuchen und Kaffee von Van Dyck, Landmannstr. 4
  • Bester Österreicher: Essers Gasthaus – Österreichische Gastfreundschaft, leckere Krautfleckerl und mit Iris eine Wirtin, die sich mit Wein bestens auskennt und zudem auch weiß wie man Fastelovend fiere dät ..., Ottostr./Ecke Nußbaumerstraße

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