Ausflug

Besuch auf dem Post Tower

Janina Mogendorf · 17.05.2019

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© Janina Mogendorf

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162,5 Meter hoch, 41 Meter breit und 82 Meter lang. Das sind die Maße des Post Towers, der die Skyline von Bonn seit 2002 so nachhaltig prägt. Wenn die Bezeichnung „filigraner Koloss“ irgendeinen Sinn ergeben würde, würde ich sie vielleicht wählen, um dieses futuristische Bauwerk aus Stahl, Glas und Beton zu beschreiben.

Schon immer habe ich davon geträumt, von dort oben einmal die Aussicht zu genießen. Ich habe früher regelmäßig in der Kantine gegessen, die Postfiliale im Untergeschoss genutzt, im Schatten der Türme gepicknickt und bin bei einer Veranstaltung sogar mal bis in den zweiten Stock vorgedrungen. Aber ich wollte höher hinaus, Fahrten mit den legendären Aufzügen erleben und Malia natürlich mitnehmen. Als ich eine Post Tower-Führung im Programm der VHS Siebengebirge entdeckte, meldete ich uns kurzerhand an.

Nun kann man als Besucherin nicht einfach so in den Post Tower reinmarschieren. Also, man kann schon, kommt dann aber nicht weiter als bis zur Anmeldung. Ohne Ausweise läuft hier nichts. Malias Kinderausweis fand ich nach langem Suchen in der Seitentasche eines Koffers und auch ihr Freund Till hatte seinen vom letzten Urlaub parat. Ausgerüstet mit unseren Papieren und ein wenig Wegzehrung, fanden wir uns pünktlich im Erdgeschoss des Towers ein und bekamen unsere Besucherausweise.


© Janina Mogendorf

Die Führung übernahm eine sehr nette Mitarbeiterin, die schon seit 2009 in diesem Gebäude arbeitet und es in- und auswendig kennt. Zumindest konnte sie keine Frage aus dem Konzept bringen und man spürte ihre Verbundenheit mit dem Haus. Da an diesem Nachmittag sämtliche Meeting- und Konferenzräume belegt waren – übrigens alle nach Städten benannt – entging uns leider der einführende Film. Aber es gab auch so mehr als genug zu sehen.

Gläserner Aufstieg

Unser erster Weg führte uns aus dem Post Tower heraus ins angrenzende Konferenzzentrum mit Kantine und Lounge. Hier fuhren wir mit einem langsamen Aufzug (drei Meter pro Sekunde) in den zweiten Stock, um dort auf dem Balkon den freien Blick über die Rheinauen zu genießen und die Galerie eines kunstvoll gestalteten Treppenhauses aus Glas zu betreten. „Abends, wenn hier die Lichter angehen, funkelt der Glasschacht wie ein Diamant“, schwärmte unsere Begleiterin.

Die Beleuchtung des Towers ist ein großes Thema. 1.925 dimmbare Lampen in den Farben Rot, Gelb und Blau illuminieren den Turm, wenn es dunkel wird und ermöglichen sogar gegenständliche Darstellungen wie fliegende Vögel, einen Pokal zur Fußball Weltmeisterschaft oder ein Porträt von Ludwig van Beethoven. Jetzt am Tag interessieren wir uns aber vor allem für eines: Die Aussicht von möglichst hoch oben.

Hoch hinaus

Über eine Glasbrücke wechselten wir zurück ins Post Tower-Gebäude. Eigentlich hatte ich gedacht, wir würden bis aufs Dach fahren, wo es im 41 Stock einen Garten und ein Penthouse gibt. Dort befindet man sich weiter oben, als auf der Spitze des Kölner Doms, der mit seinen 157 Metern viereinhalb Meter darunterbleibt. Aber die obersten Stockwerke sind dem Vorstand und seinen Besuchern vorbehalten. Und so wurde es schließlich die dreißigste Etage, die wir mit einem der zwölf Hochgeschwindigkeits-Aufzüge erreichten.

Bei sechs Metern pro Sekunde, fliegen die Stockwerke nur so an der verglasten Aufzugwand vorbei. Während ich das sehr genießen konnte, blieb Malias Magen ein wenig auf der Strecke und Till hatte ein bisschen mit der Höhe zu kämpfen. Während er das nervöse Kribbeln gleichzeitig auch richtig cool fand, wurde Malia mit der grandiosen Aussicht über die Stadt Bonn bis weit in die Kölner Bucht hinein entschädigt. Zudem gibt es hier auf der Besucheretage einiges zu entdecken. Eine Ausstellung zeigt anschaulich die verschiedenen Postdienstleistungen und ein Schwarz-Weiß-Film macht deutlich, mit welchem Elan und Wurfgeschick Briefe früher von Hand sortiert wurden.

Ein Ausblick zum Genießen


© Janina Mogendorf

Mein persönlicher Lieblingsmoment ergab sich beim Blick aus den Süd-Ost-Fenstern auf den Rhein, die Hügel des Siebengebirges und die Rheinauen. Von hier oben erkennt man sehr gut, wie wunderschön der sattgrüne Park mit dem Rheinauensee angelegt ist. „Wenn ich hier arbeiten würde, würde ich nie fertig werden, weil ich ständig aus dem Fenster schauen müsste“, sagt ein Besucher und die anderen nicken einhellig. Wahrscheinlich sind die 2.000 Post und DHL-Mitarbeiter aber schon lange daran gewöhnt.

Ebenso wie an die Aufzüge und das ewige Glas, aus dem hier fast alles besteht – Böden, Decken, Wände, Fassade ... „Am Anfang sind die Mitarbeiter immer wieder gegen Glaswände und Türen gelaufen und mussten dann dort unten behandelt werden“, erzählt unsere Begleiterin und weist auf das nahegelegene Gebäude des Johanniter Krankenhauses. „Deshalb sprachen die Klinikmitarbeiter irgendwann nur noch vom Beulen-Tower“, schmunzelt sie. Eine von vielen Geschichten, die sich tagtäglich rund um die beiden Türme abspielen. Im Post Tower, dem höchsten Gebäude von NRW.

Der Post Tower und die Umwelt

Der Post Tower ist nicht nur große Architekturkunst, sondern auch nachhaltig. Statt einer energiefressenden Klimaanlage gibt es hier ein besonderes Luftaustausch-System durch kleine Belüftungsklappen. Geheizt und gekühlt wird mit dem Wasser des Rheins, das über eine Pumpstation in das Gebäude hineingelangt. Über ein Rohrsystem verteilt es sich in den Glasdecken und sorgt mit Hilfe von Wärmetauschern für angenehme Temperaturen in den Büros. Das Wasser wird über einen Teich zurück in den Rhein geführt. Ein Teil speist den Rheinauensee mit Frischwasser.

Gut zu wissen

Post Tower
Charles-de-Gaulle-Straße 20
53113 Bonn

Führung

Der Post Tower ist in erster Linie ein nichtöffentliches Bürogebäude. Es besteht die Möglichkeit, Gruppen für eine Führung im Post Tower anzumelden. Diese dauern ca. 1,5 Stunden und sind kostenlos.

Rückfragen an posttowertour@dpdhl.com oder telefonisch unter Tel. 0228 – 182-80 39.

Weitere Möglichkeiten bestehen an gelegentlichen Besuchertagen, die aber erst kurzfristig bekannt gegeben werden oder an Besucher-Terminen der Volkshochschulen.

Für ältere Kinder geeignet.

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