Ausflug

Being Peer Gynt – oder: Wer bin ich eigentlich und wer könnte ich sein?

Hannah Süsterhenn, Praktikantin · 17.01.2018

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© c.t.201

© c.t.201

Das Ensemble Familie Rangarang setzt sich in seinem zweiten Stück mit der eigenen Identität auseinander.

„Entschuldigung, ich bin zu spät! Dabei wollte ich gar nicht zu spät kommen, aber dann war da auf einmal ein Bär!“. So oder so ähnlich kommen nacheinander alle 15 Schauspieler des Familie Rangarang Ensembles auf die Bühne des Comedia Theaters gestürmt. Sie erzählen wild durcheinander, erfinden die abenteuerlichsten Geschichten um ihre Verspätung zu erklären. Es wird immer lauter und unübersichtlicher bis... einer sie unterbricht: „Ich bin Peer Gynt“ sagt ein Junge, der eine Kette mit dem Namen Peer um den Hals hängen hat. Und alle schweigen.

Alter Stoff neu adaptiert

Diese rasante Szene ist der Einstieg in das Stück „Being Peer Gynt“, das seit dem 9. Januar im Comedia Theater gespielt wird. Peer Gynt ist eine Figur aus Henrik Ibsens gleichnamigem Gedicht von 1867. Der junge Peer ist ein armer Bauernsohn, der sich in seine eigene Fantasiewelt träumt. Er wird Bezwinger von Trollen und Königen, Sklavenhändler, Kaiser und Menschheitsforscher. „Being Peer Gynt“ ist eine sehr lose Adaption dieses alten Stoffes, denn vielmehr geht es darum, wie die jungen Schauspieler mit oder ohne Fluchthintergrund sich mit dieser Figur auseinander setzten. Ganz frei nach dem Motto: „Wenn ich, wie Peer, einfach jeder sein kann, wer will ich denn dann überhaupt sein?“

Ständiger Wechsel

Das Stück ist ein ständiger Wechsel zwischen Szenen aus dem original Gedicht und Szenen in denen diese reflektiert und auseinandergenommen werden. Szenen, in denen die Schauspieler sich kritisch mit dem auseinandersetzten, was sie sind und was sie sein könnten. „Soll ich Vegetarier sein oder Fleisch essen? Diesel oder Elektroauto fahren? Rechts oder links?“

So entstehen bild- und wortgewaltige Szenen mit Nebel, Lichteffekten, Musik, Gesang, Tanz, Konfetti und Kostümen. Die teilweise sehr ernsten Überlegungen und Themen werden immer wieder mit einer guten Portion Witz aufgelockert. Die tolle schauspielerische Leistung macht es wirklich leicht, dem Stück die etwa 60 Minuten Laufzeit zu folgen.

Ein bisschen Peer Gynt

Leider ist es ohne das Vorwissen um den „original Peer Gynt“ etwas schwierig. Die einzelnen Abschnitte, die in sich selbst alle schlüssig und unheimlich aussagekräftig sind, scheinen einfach keinem roten Faden zu folgen. Wenn man weiß, worauf das Stück basiert, ist das allerdings kein Problem mehr. Das Stück wird empfohlen für Zuschauer ab 14 Jahren, was absolut angemessen ist.

„Being Peer Gynt“ ist ein spannendes und lustiges Stück, das zum Nachdenken anregt und auch das Publikum dazu führt zu hinterfragen, wer man eigentlich ist. Irgendwo sind wir schließlich alle ein bisschen Peer Gynt.

Comedia Theater Köln
Vondelstraße 4–8
50677 Köln
Tel: 0221/ 888 77 222

Eine Produktion des Ensembles Familie Rangarang mit c.t.201, Flüchtlingshilfe Weitmar, Zeche 1 Bochum, Theaterkohlenpott Herne. Unterstützt von Interkultur Ruhr.

Die letzten Termine:

Zusatz-Termin im Comedia Theater, Köln:

Mittwoch, 31. Januar, 20 Uhr

Flottmannhallen, Herne:

Freitag, 23.Februar, 19 Uhr
Sonntag, 25. Februar, 18 Uhr
Montag, 26. Februar, 11 Uhr

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