Ausflug

Ausflüge aus der Antriebslosigkeit

Christoph Schrahe · 08.01.2019

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© Jochen Sand/iStockphoto.com

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Am 21. Dezember um 23.23 Uhr ist Wintersonnenwende und die Tage werden wieder länger. Aber bis unser aller Energiespender wieder richtig Kraft entfaltet, dauert es danach noch etliche Wochen. Der Mangel an Licht und Wärme schlägt vielen aufs Gemüt. Hier kommen Ideen für Ausflüge aus der Antriebslosigkeit.

Die dunkle Jahreszeit hat viele Gesichter: Nebel, Nieseln, feuchte Kälte und Tage, an denen es gar nicht richtig hell wird, zählen ebenso zum Repertoire wie stahlblauer Himmel bei klirrendem Frost und grandiose Sonnenuntergänge in epischer Länge. Was der diesjährige Winter davon zeigen wird, steht noch in den Sternen. Insofern ist man gut beraten, sich für alle Eventualitäten zu wappnen. Auch hinsichtlich der allgemeinen familiären Stimmungslage. Ist die Familie des nasskalten Elends schlicht überdrüssig, dann hilft:

Strategie 1 – Ausblenden!

Das geht natürlich am besten dort, wo man nicht mehr mitbekommt, wie es draußen aussieht. Zu den fensterlosen Freizeitzielen, die diesen Luxus Kraft ihrer Architektur bieten, zählen Aquarien (z. B. das des Kölner Zoos oder das Sea-Life in Königswinter) ebenso wie Adventure- oder Escape-Rooms. Von denen gibt in der Region mehr als ein Dutzend. Allen gemein ist, dass man sich als Gruppe durch das Lösen von Rätseln innerhalb von 60 Minuten aus einem Raum befreien muss. Gut geeignet als Aktivität mit einer befreundeten Familie, da die Spiele meist auf rund sechs Teilnehmer ausgelegt sind.

Weit länger als eine Stunde kann man sich im Science Center Odysseum vor den Gräueln des Winters in Sicherheit bringen. Und nebenbei an den 150 Mitmachstationen in den Themenwelten Leben und Erde vielleicht die ein oder andere Erkenntnis mitnehmen (etwa, was es mit der Sonnenwende auf sich hat). In inszenierte Welten lässt es sich auch beim Schwarzlichtminigolf, Laser-Tag oder bei einem Kinofilm abtauchen (am besten einem mit Überlänge). Kleiner Haken der Ausblende-Strategie: Sie macht kaum immun gegen schnelle Rückf.lle in die Trübsal nach Verlassen der fensterlosen Räumlichkeiten. Das leistet schon eher die:

Strategie 2 – Entgegenwirken

Was die Sonne im Winter nicht ausreichend in uns produzieren kann, das lässt sich nämlich alternativ durch Bewegung erzeugen: Glückshormone. Wenn man die sportliche Aktivität dann noch nach drinnen verlegt, entzieht man dem Winterblues gleich doppelt den Boden. In diversen Kletter- und Trampolinhallen kann man kraxeln, hüpfen, springen und Geschicklichkeit beweisen. Sommergefühle lassen sich im Erlebnisbad heraufbeschwören.

Die an Samstagen auch für Familien mit Kindern unter 16 Jahren zugängliche Badewelt Euskirchen lockt mit 500 echten Südsee-Palmen, Wasser, Licht und Wärme. Der Hallenspielplatz als Klassiker für kleinere Kinder entfaltet seine bewegende Wirkung in der Regel freilich nur auf den Nachwuchs. Man kann die lichtarme, kalte Jahreszeit indes auch zelebrieren und zwar mit der:

Strategie 3 – Konfrontieren

Warum nicht bewusst Orte aufsuchen, die ihren morbiden Charme im fahlen Winterlicht erst voll und ganz entfalten können? Die Moorlandschaft des Hohen Venn ist so ein Ort und in so mancher Burg wird die Vorstellung vom finsteren Mittelalter erst im Winter so richtig begreifbar. Schon allein wegen der Kälte, die einem in den unbeheizten Gemäuern in die Glieder kriecht. Garnierende Schauergeschichten wirken ohnehin besser, wenn man seinen Atemnebel sehen kann. Die Marksburg bei Braubach, die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein, ist auch im Winter täglich geöffnet.

Burgen: Marksburg, Burg Olbrück

Schnee-Webcams: Löwenburger Hof (Siebengebirge), Weißer Stein (Eifel), Hamig (Oberberg)

Natürlich ist es am Rhein auch im Sommer schön, es gibt allerdings Dinge, die kann man nur im Winter machen. Warum ihn also nicht bei dieser Gelegenheit instrumentalisieren? Und zwar mit Strategie 4: Nutzen.

Strategie 4 – Nutzen

Das geht besonders gut, wenn der Winter seinem Namen Ehre macht und mit Frost und Schnee aufwartet. Dann sind die Möglichkeiten vor allem für Kinder schier unbegrenzt. Kann man vor der eigenen Haustür weder Schneemänner bauen, schlittern noch rodeln, dann geht das vielleicht im Siebengebirge, in der Eifel, im Bergischen Land oder im Sauerland. Per Webcam lässt sich das leicht prüfen. Und Eislaufen kann man zur Not auch in der Halle. In Olpe-Fahlenscheid hilft man dem Winter mit Schneekanonen auf die Sprünge. Neben Rodeln und Snowtubing an einem eigens dafür errichteten Förderband bietet das Areal auch zwei Skilifte und ab diesem Winter eine neues Restaurant samt Verleih und Skischule direkt an der Piste.

Besondere Qualitäten hat der Winter auch ohne Minusgrade. Das frühe (und tiefe) Dunkeln sowie der geringe Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre machen ihn zur perfekten Zeit für Sternbeobachtungen – auch für Kinder, die früher ins Bett müssen. Im Sternenpark Nationalpark Eifel kann man die Milchstraße noch mit bloßem Auge sehen – das geht anderswo in Nordrhein-Westfalen kaum noch. Bei einer geführten Sternenwanderung sieht man dank der Hilfe leistungsstarker Teleskope noch eine ganze Menge mehr.

Ferngläser kommen auch bei einem anderen ausschließlich winterlichen Naturschauspiel zum Einsatz: dem Einfallen tausender Blässgänse, die am Niederrhein mit lautem Geschnatter ihre Keilformation im Anfl ug auf grünes Weideland aufl ösen. Noch bis Mitte Februar bietet die NABU-Station in Kleve Gänsesafaris an, bei denen es bequem per Bus zu den besten Sichtplätzen geht.


© Aleksandar Nakic/iStockphoto.com

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