Ausflug

20 Jahre „Nulli und Priesemut"

Svenja Kretschmer · 11.02.2020

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© Jana Lienig

© Jana Lienig

Grüne Girlanden und orange Luftballons schmücken das Foyer des frisch renovierten Freien Werkstatt Theaters. „Wo ist denn jetzt der Priesemut?“, fragt Leon aufgeregt. Er wird sich heute zusammen mit seinen Eltern das Theaterstück „Nulli und Priesemut: Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ ansehen.

Das etwa 45-minütige Schauspiel richtet sich an Kinder ab vier Jahren und wurde von den beiden Puppenspielern Iris Schleuss und Günter Ottemeier ins Leben gerufen. Seit zwanzig Jahren stehen sie mit ihrem Stück auf der Bühne des Freien Werkstatt Theaters in der Kölner Südstadt. Alles habe mit Günter Ottemeiers Tochter begonnen, zu deren sechstem Geburtstag sie recht spontan ein Puppentheaterstück gespielt hatten, erzählen die beiden Schauspieler. Das habe so viel Spaß gemacht und so gut funktioniert, dass sie damit weitermachen wollten. Iris Schleuss arbeitete damals bereits als Puppenspielerin unter anderem für die Sendung „Käpt’n Blaubär“ und auch Günter Ottemeier war als Mitbegründer und Ensemble-Mitglied der Kölner „Stunksitzung“ nicht nur für seine Pantomime bekannt.

Es geht um Freundschaft und ums Streiten

Dass das Kinderbuch „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“ von Matthias Sodtke, dem „Vater“ von Nulli und Priesemut, die Vorlage für ihr Vorhaben sein sollte, war schnell klar: „Es ist eine leichte Erzählung mit einem kleinen Inhalt, aber einer großen Geschichte“, bringt Günter Ottemeier den Inhalt der Buchvorlage auf den Punkt. „Es geht darin um Freundschaft und auch ums Streiten und somit um ein Thema, das für alle Generationen und jede Art von Freundschaft elementar ist“, ergänzt seine Partnerin. „Es gibt Sachen, die kann man einfach nicht zusammen machen und trotzdem sind wir die besten Freunde“, ist die Quintessenz der Erzählung.

„Die Geschichte ist so lustig“, flüstert ein Mädchen und stößt dabei ihre Sitznachbarin an. Sie scheint die Figuren bereits aus den Büchern oder der Zeichentrickserie im Kinderkanal des WDR zu kennen. Doch bevor es mit der Geschichte von Nulli und Priesemut losgeht, stellen sich die Puppenspieler Iris Schleuss und Günter Ottemeier dem Publikum vor. Die Spieler stellen den Kindern Fragen, schenken auch den Erwachsenen ein Augenzwinkern und brechen so schon vor Beginn des Puppenspiels jede Form von Distanz. „In allererster Linie sind wir Freunde“, erzählen die beiden schließlich und finden so den Einstieg in das Thema des heutigen Stückes: Freundschaft.


Puppenspieler Günter Ottemeier © Jana Lienig

Ausverkaufte Jubiläumsaufführung

Dass die Jubiläumsaufführung restlos ausverkauft ist, verdeutlicht, wie sehr die Spieler, die Figuren und die Geschichte sich im Laufe der Zeit in die Herzen der Zuschauer gespielt haben: 164 Zuschauer sind gekommen, um die beliebten Freunde zu feiern. „Mittlerweile gibt es Zuschauer, die bei den ersten Aufführungen selbst als Kind dabei waren und nun mit ihren eigenen Kindern herkommen“, berichtet Nadia Walter-Rafëi, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Theaters, die das Publikum durch den heutigen Abend führt.

Das Bühnenbild, gebaut von Torsten Wolber und Monika Odenthal, besteht aus einer Berglandschaft, überzogen von einer saftigen Wiese. Auf der Malerei im Hintergrund kann man auf einem fernen Hügel eine kleine Hütte entdecken. Die ursprüngliche Idee sei gewesen, mit einer Art „Koffertheater“ für Kindergeburtstage möglichst beweglich zu sein. „Und das ist daraus geworden“, sagt Iris Schleuss und zeigt nicht ohne Stolz auf das beeindruckende Bühnenbild.

Müssen Freunde alles gemeinsam machen?

Als die Kinder es vor Spannung fast nicht mehr aushalten können, kommen endlich die eigentlichen Stars zum Vorschein: der Hase Nulli und der Frosch Priesemut. Und das Warten hat sich gelohnt. Die Freunde spielen den ganzen Tag. Sie erzählen sich Witze, tanzen zu ihrem eigenen Rap und essen gemeinsam. Die Kinder lachen besonders laut, als Priesemut beim Topfschlagen seinen Freund mit dem Kochlöffel erwischt, prusten gemeinsam mit Nulli, wenn dieser wieder einmal einen Lachanfall bekommt, und als Priesemut einen seiner heißgeliebten „Brummer“ mit der Käseglocke zu fangen versucht, ihn aber einfach nicht sieht, helfen ihm die Kinder und rufen lautstark: „Hinter dir!“, bis er ihn schließlich fängt.

„Wir haben schon alles zusammen gemacht“, stellt der Hase nach all den Spielen schließlich fest, „aber wir haben noch nie zusammen Möhren gegessen.“ Doch als Frosch ist es für Priesemut gar nicht so leicht, eine Möhre zu essen. Er schluckt die “vorgeratzelte“ Möhre zwar herunter, spuckt sie jedoch prompt wieder aus. Die Kinder prusten los, als er dabei das Publikum mit Wasser nassspritzt. Und auch als Priesemut sich darauf vor Schmerzen den Bauch hält, sind die Kinder voll dabei. „Können wir dir helfen?“, fragen sie den Frosch. Doch es ist Nulli, der seinen Freund am Ende aufmuntern kann: „Morgen essen wir zusammen dicke, fette Brummer“, sagt er.


Puppenspielerin Iris Schleuss © Jana Lienig

Jedoch ist es umgekehrt auch für Nulli eine Herausforderung, die Lieblingsmahlzeit des Frosches zu essen. Gespannt beobachten die kleinen und großen Zuschauer, wie der Frosch die Fliegen mit seiner langen, roten Zunge voller Leichtigkeit fängt, und lachen, wenn Nulli versucht es ihm gleichzutun. Erst mit dem „Super-Fliegen- Fang-Saug-Apparat“, einem Strohhalm, saugt er den „Brummer“ in sein Maul. Es summt und brummt in Nullis Kopf, das Licht flackert, es folgt eine gespannte, fast gruselige Stille im Publikum.

Doch am Ende spuckt auch Nulli das fremde Essen wieder aus. Traurig stellen die Freunde fest, dass sie wohl gar keine Freun de sein können, wenn sie nicht das Gleiche mögen. Aber natürlich bleibt es nicht dabei. Die beiden Puppenspieler, die im Stück immer mal wieder selbst in Aktion treten, bevor sie für ihr sehr differenziertes und virtuoses Puppenspiel nahezu unsichtbar werden, helfen den beiden Freunden und so gibt sich Priesemut schließlich einen Ruck und kehrt zu seinem besten Freund zurück. „Es gibt Sachen, die kann man einfach nicht zusammen machen, und trotzdem sind wir die besten Freunde“, sind die beiden sich nun einig.

Eine besondere Atmosphäre

Gerhard Seidel, Theaterleiter des Freien Werkstatt Theaters, ist zufrieden mit dem Programm. „Es entfacht jedes Mal eine große Begeisterung bei Kindern und Erwachsenen. Das Stück ist super inszeniert und gespielt. Die beiden schaffen eine besondere Atmosphäre – wie eine kleine Gemeinschaft auf Zeit“, erzählt er. Und er behält Recht: Nach der Aufführung sprechen die Zuschauer, Erwachsene wie Kinder, ausgelassen mit den Puppenspielern und lassen sich von Nulli und Priesemuts „Vater“ Matthias Sodtke eine Widmung mit liebevoller Zeichnung in ihre Bücher malen. Es ist eine schöne Atmosphäre. Bei Möhrensaft und „Brummerkuchen“ feiern alle gemeinsam das Stück, die Schauspieler, den Autor und vor allem, so scheint es, den Wert, der hinter alldem steckt: die Freundschaft.


V.l.n.r. Autor Matthias Sodtke und die Puppenspieler Günter Ottemeier und Iris Schleuss © Jana Lienig

„Nulli und Priesemut"

ab 4 Jahren

9./16.2., 1.3., 16 Uhr,

Freies Werkstatt Theater
Zugweg 10
50677 Köln
Tel. 0221 – 32 78 17

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