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Geduld und Ausdauer: Steinbildhauerin im Berufe-Check

Hanka Meves-Fricke · 14.10.2019

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Steinbildhauerin Uta Tröger bei der Arbeit. Fotos: Sonja Hoffmann

Steinbildhauerin Uta Tröger bei der Arbeit. Fotos: Sonja Hoffmann

„Geduld und Ausdauer brauchen wir“, erklärt Uta. Die Steinbildhauerin zeigt uns die vielen Figuren am Michaelportal des Kölner Domes, die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurden. „Schaut euch doch mal diese kleinen Bestien an. Jeder dieser Zierwasserspeier unterscheidet sich von den anderen. Dennoch haben sie etwas Einheitliches. Diese Vielfalt innerhalb einer gemeinsamen Formensprache zu erhalten ist eine besondere Herausforderung.“

Als ich vor zwei Jahren an einem Wochenend-Bildhauerkurs teilgenommen habe, bemerkte ich schnell, dass die Arbeit Muskelkater an Stellen hervorruft, an denen ich gar keine Muskeln vermutet hatte. Deshalb war ich auf die Begegnung mit einer Steinbildhauerin besonders neugierig.

In der berühmten Dombauhütte arbeiten

Aufgeregt warten Fotografin Sonja und ich auf Uta Tröger. Seit fünf Jahren ist die 32-Jährige als Bildhauerin am Dom beschäftigt. Unsere Blicke gehen zu den Türmen des Doms. Zu gern möchten wir aufs Dach fahren und den Blick über die Stadt genießen. Und dann kommt sie, gar nicht muskelbepackt, und nimmt uns mit an ihre derzeitige Arbeitsstelle, das Michaelportal. Versteckt zwischen einem Fotogeschäft und der Schatzkammer liegt die Eingangstür. Und zum Glück hat sie die Schlüssel für die Türen und Fahrstühle dabei, die in und auf den Dom führen.

Die Arbeit ist nach wie vor Handarbeit

Die Reliefs des Michaelportals bestehen aus Hunderten kleinen Figuren und Ornamenten. Dombildhauer Peter Fuchs, der sie mit seiner Werkstatt im 19. Jahrhundert schuf, hat sich selbst in einer Figur verewigt. Die vier heutigen Bildhauerinnen und Bildhauer der Dombauhütte ersetzen die fehlenden Stücke und stellen die Schönheit des Portals wieder her. „Wir bilden die zerstörten Elemente möglichst originalgetreu nach. Das ist nur mit den ursprünglichen Techniken des Handwerks möglich. So kann die Arbeit an einer kleinen Figur schnell mehrere Wochen dauern,“ berichtet Uta. Handarbeit ist bei den Steinbildhauern nach wie vor gefragt. Natürlich gibt es Maschinen für Steinmetze, doch hier, in einer Dombauhütte, kommt vor allem Handwerk und Können zum Einsatz.

Uta nimmt die Feile in die Hand und bearbeitet den weichen Kalkstein. „Das ist eine kleine Vierung, so nennt man eine Steinergänzung. Die bearbeite ich direkt hier vor Ort und passe sie ein. Zumeist nehmen wir gemeinsam mit einem Kollegen Abgüsse der beschädigten Elemente aus Gips und fertigen auf dieser Grundlage vollständige Modelle, die wir dann in unserer Werkstatt in Stein arbeiten. Das Schöne am Michaelportal ist, dass wir die Originalmodelle aus dem 19. Jahrhundert haben. Das ist nicht bei allen Figuren am Dom der Fall.“

Wir sehen, mit wie viel Liebe und Begeisterung Uta am Relief arbeitet. „Seid umsichtig und stoßt nicht mit der Schulter an die Steine. Sie können brechen“, ermahnt sie uns. Um bei Wind und Wetter arbeiten zu können, wurde das Gerüst am Portal eingehaust, also umbaut. Vorsichtig treten wir von Brett zu Brett, Uta geht sicheren Schritts. Trittsicherheit, Fitness und keine Angst vor Höhen sind weitere Eigenschaften, die eine Steinbildhauerin hier haben sollte. Durch Spenden, unter anderem von einer Engländerin, die explizit Kriegsschäden beseitigen lassen wollte, finanziert die Dombauhütte diese Arbeiten.

Ein großes Team für einen großen Bau

Uta Tröger genießt es, dass die Arbeit in der Dombauhütte nicht so stark unter Zeitdruck steht wie in anderen Steinmetzbetrieben. Hier geht es stattdessen um höchste Qualität. Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten auf der unter Kölnern „sichersten Arbeitsstelle“ der Stadt. Denn kaum ist an einer Ecke des Domes etwas erneuert, geht die Arbeit an der nächsten Stelle weiter. In der Dombauhütte arbeiten viele verschiedene Handwerker: Gerüstbauer, Steinmetze, Kunstglaser, Goldschmiede und Installateure, um nur einige zu nennen. In der Verwaltung wirken unter anderem Architekten, ein Bauingenieur, Archäologen und Kunsthistoriker. Es ist ein großes Team für einen großen Bau.

Flexible Arbeits- und Elternzeit möglich

Nach vier Jahren hat Uta einen unbefristeten Vertrag bekommen und arbeitet in Gleitzeit. Das heißt, dass sie ihre Arbeitszeiten mitbestimmen kann. Der Beruf des Steinbildhauers und Steinmetzes wird vorwiegend von Männern ausgeübt. In der Dombauhütte arbeiten zurzeit vier Frauen in den steinbearbeitenden Gewerken, eine von ihnen ist in Elternzeit. In kleinen Steinmetzbetrieben sind die Arbeitszeiten oft nicht so geregelt.

Die Ausbildung hat Uta Tröger in Dresden an der Zwingerbauhütte absolviert. Nach zwei Jahren, die sie gemeinsam mit den Steinmetzen gelernt hat, hat sie sich für die Bildhauerei entschieden. Sie liebt es zu zeichnen, interessiert sich für Kunstgeschichte und arbeitet gern figürlich. „Steinmetze legen die Ornamente und Stücke, an denen sie arbeiten, über Flächen fest. Wir Bildhauer lösen uns von diesen Flächen, damit unsere Arbeiten nicht statisch aussehen.

Inzwischen sind ihre Hände staubig von der Arbeit. „Das gehört dazu“, lacht sie und fährt mit uns mit dem Bauaufzug auf 45 Meter Höhe. Stolz zeigt sie uns den Dom und wir können ihr den Spaß bei der Arbeit ansehen.

Ausbildung: Steinbildhauerin/-bildhauer

Voraussetzung:

  • Fingerspitzengefühl
  • Kreativität
  • Interesse am Umgang mit Technik
  • handwerkliche Begabung
  • Kraft
  • räumliches Denken
  • gute geometrische Kenntnisse
  • Real- oder Hauptschulabschlus

Ausbildung:

Zur Ausbildung gehören die Steinbearbeitung, Planung und Gestaltung, Fachtheorie sowie Wirtschaft- und Sozialkunde und seit Neuestem auch eine Einführung in die CAD/CNC-Technik, Einführungen in die Kundenorientierung. Die Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, in der innerhalb von 52 Stunden ein mit dem Ausbilder gemeinsam entschiedenes Gesellenstück gefertigt und präsentiert wird.

Weiterbildungsmöglichkeiten:

Spezialisierung auf ein bestimmtes Gebiet des Handwerks (z. B. Restaurator, Betriebswirt), Steintechniker, Steingestalter und die Meisterausbildung durch die HWK oder IHK, sowie Seminare für Kalkulation, Grabmalgestaltung u.v.m.

Vergütung:

Im 1. Ausbildungsjahr  530 €
Im 2. Ausbildungsjahr  620 €
Im 3. Ausbildungsjahr  720 €

Infos:

www.hwk-koeln.de

Weitere Ausbildungsberufe findet ihr in unserer Berufe-Check-Übersicht.

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