Teenager

Auslandsaufenthalt für Jugendliche

Ursula Katthöfer / KÄNGURUplus · 02.04.2019

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© Oleksandr Pivalnyi / Pexels

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Summercamp oder Work and Travel, Freiwilligendienst oder Au-pair, Sprachreise oder Auslandspraktikum: Als Teenager allein in ein fremdes Land zu reisen, erfordert Mut, Neugier und Kraft. Viele kehren nach der Reise gereift zurück. Sie zehren noch Jahre später von ihren positiven Erfahrungen.

In einem Schutzhaus für schwangere Teenager in Ecuador kümmerte Sophie Jenter sich unter anderem um einen zweijährigen Jungen. Oft wirkte der Kleine unruhig und wütend. Sophie nahm sich Zeit für ihn. Ihre Zuwendung wirkte, der Kleine entspannte in ihrer Gegenwart. „Ich habe gemerkt, dass ich gerne mit Kindern arbeite“, sagt die 21-Jährige heute, drei Jahre später. „Kinder bauen schnell ein gutes Verhältnis zu mir auf.“

Eine Erfahrung, die für ihren nächsten Lebensschritt entscheidend war: „Direkt nach dem Abi hätte ich nicht gewusst, was ich machen sollte. Ich hatte lange gedacht, Psychologie zu studieren, doch der NC war zu hoch. Durch die Auslandserfahrung habe ich einen anderen Weg gesucht, ich habe an mich geglaubt.“ Nach ihrer Rückkehr schrieb Sophie sich im niederländischen Maastricht als PsychologieStudentin ein. Ein Semester studierte sie in der spanischen Stadt Salamanca.

Selbstständigkeit und kultureller Austausch

„Wenn Jugendliche ins Ausland gehen, k.nnen sie im Alltag nicht mehr die Mama bitten, ihnen zu helfen. Sie sind gezwungen, selbst zu entscheiden und selbst zu bestimmen. Das fördert die Reifung der Persönlichkeit“, sagt Dipl.Psychologe Ralph Schliewenz, Leiter der Fachgruppe Kinderund Jugendlichenpsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Er empfiehlt den Auslandsaufenthalt schon wegen des kulturellen Austauschs: „Sich auf eine andere Kultur und Sprache einzulassen, heißt, Verständnis zu entwickeln. Im Ausland sind Jugendliche erst einmal selbst die Außerirdischen. Zurück in Deutschland sind sie eher bereit, Fremde willkommen zu heißen.“

Persönlichkeitsreifung hin, Selbstständigkeit her – ein Aufenthalt in Kanada oder den USA, Australien oder Neuseeland eignet sich nicht für jeden Teenager. Es müssen schon einige positive Faktoren zusammenkommen, damit die Reise gelingt. Wichtigster Faktor: Der Teenager muss dafür brennen. Wenn Eltern die Idee unterstützen, eine professionelle Auslandsorganisation beauftragt und eine fürsorgliche Gastfamilie gefunden wurde, stehen die Zeichen gut. Allerdings empfiehlt Schliewenz, ein Kind nur reisen zu lassen, wenn die Eltern dabei ein gutes Bauchgefühl haben: „Wenn das Kind gegen das eigene Gefühl fährt, sitzt man zuhause st.ndig auf heißen Kohlen. Damit tut man sich keinen Gefallen.“

Auslandsaufenthalt und Erziehung

Kann ein längerer Auslandsaufenthalt auch schaden? Immerhin wird die Bindung zwischen Eltern und Kind lockerer. Den eigenen Sohn oder die eigene Tochter über mehrere tausend Kilometer hinweg zu erziehen, ist unmöglich. Ein Satz wie „Um zehn bist du zuhause“ – geschenkt.

Schliewenz hält es für unwahrscheinlich, dass eine gute Eltern-Kind-Beziehung unter einem längeren Auslandsaufenthalt leidet. „Wenn es nach der Rückkehr zu Problemen kommt, dann muss vorher schon etwas im Argen gewesen sein. Dann verdeutlicht die Auslandsreise nur, was bereits da war.“ Er rät davon ab, Jugendliche, die zuhause nicht gut in der Spur sind, ins Ausland zu schicken: „Der Versuch, dass sich jemand im Ausland die Hörner abstößt, kann eher schiefgehen. Das Kind könnte sich abgeschoben fühlen.“

Dieser Text ist erstmalig in KÄNGURUplus Juni 2019 erschienen.
KÄNGURUplus ist unser Stadtmagazin für Eltern mit Teenagern.

Tipps für den Auslandsaufenthalt

Wie findet man den richtigen Anbeiter?

Freiwilligendienst in Südafrika, Praktikum in Vietnam oder Aupair in Kanada – bevor Jugendliche nach einer Reiseorganisation suchen, sollten sie herausfinden, was zu ihnen passt. Da hilft der Test des Portals der Initiative Auslandszeit.

Weltwärts

Weltwärts heißt der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 30.000 Freiwillige zwischen 18 und 28 Jahren nahmen bisher an dessen Programmen teil.

Last-Minute-Markt

Die IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. bietet Reisehinweise zu über fünfzig Ländern. Über den Last-Minute-Markt finden Kurzentschlossene freie Plätze in Auslandsprojekten.

Im Ausland arbeiten

Work and Travel ist inzwischen zu einem großen Markt geworden. Arbeitsaufenthalte lassen sich auch selbst organisieren – am besten mit einer Checkliste, um Themen wie Impfungen, Visum, Flug, Auslandsführerschein und Sprachkurs einfach abzuhaken. Eine Orientierung bietet Auslandsjob.