Rund ums Baby

Hilfe holen erwünscht

Hanka Meves-Fricke · 09.10.2017

zurück zur Übersicht
Foto: Pexels

Foto: Pexels

Wenn Babys ständig schreien, liegen die Nerven der Eltern irgendwann blank.

Neun Monate haben Eltern Zeit, sich auf ihr Baby vorzubereiten und zu freuen. Beim ersten Kind ist alles fremd, spannend, schön. Das neue Leben macht aber auch manchmal Angst.

Erste Wochen

Schauen sich die jungen Eltern nach der Geburt ihr neues Familienmitglied an, stellen sie schnell fest, wie zerbrechlich ihr Neugeborenes wirkt. Physiologisch betrachtet ist der Mensch eine Frühgeburt. Säuglinge sind in allem auf Hilfe angewiesen, können ihr Köpfchen nicht selbst halten. Die Schädelplatten sind noch verschiebbar, was die Geburt erleichtert hat. Die Darmflora ist nicht fertig ausgebildet und viele Babys haben darum anfangs starke Blähungen. Stillkinder haben alle zwei bis drei Stunden Hunger und schlafen zwischendurch. Schreien ist ihr stärkstes Mittel, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Sich gegenseitig kennenlernen

Für Mutter und Vater beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt mit ihrem Baby. Konnten sie bis zu ihrem ersten Kind ihren Lebensrhythmus selbstbestimmt wählen, bestimmt jetzt das neue Familienmitglied. Doch Eltern und Kind müssen sich erst gegenseitig kennenlernen. Steht das Schreien für Hunger, Müdigkeit, dem Bedürfnis nach Nähe? Zuerst hört sich alles gleich an, erst mit der Zeit lernen Mütter und Vätern, das Schreien dem richtigen Bedürfnis zuzuordnen. Das erste Lächeln und ein erstes „erre“ im Alter von circa sechs Wochen erleichtern die Kommunikation.

Und wenn das Baby oft schreit

Jedoch gibt es tatsächlich Kinder, die besonders häufig schreien und Probleme beim Trinken und Essen, Verdauen und Stuhlgang haben. Experten sprechen heute von Regulationsstörungen, früher wurden sie oft „Dreimonatskoliken“ genannt. Doch was ist normal und wann sollten sich Mütter und Väter Hilfe holen? Die Sozialpädagogin und Transaktionsanalytikerin Mechtild Weiler-Pelka kennt die Schwierigkeiten, die junge Eltern haben, wenn ein Säugling viel schreit. Sie begleitet seit 18 Jahren Familien und ist selber Mutter von drei Kindern. „Ein Drittel des Tages können Babys unzufrieden erscheinen. Sie quengeln und brauchen Aufmerksamkeit für ihre Grundbedürfnisse,“ erklärt sie. „Das ist ganz normal und ihre Art, sich uns mitzuteilen. Doch Eltern empfinden dieses Quengeln sehr unterschiedlich.

Manche belaste dies mehr als andere und manche Kinder wirkten unruhiger als andere. In jedem Fall spiele es eine große Rolle, dass es eine Umstellung im Zusammenleben als Paar hin zum Zusammenwachsen als Familie mit Kind gegeben habe. „Nach der Geburt haben Mütter zumeist Unterstützung von Hebammen,“ so Pelka. Diese fingen viele der Probleme zwischen Mutter oder Vater und Baby auf. Bei sogenannten Schreibabys reiche das aber nicht. „Sie schreien bis zu drei Stunden am Tag, drei Tage pro Woche und über drei Wochen lang. Eltern fühlen sich überfordert, isoliert und nicht verstanden,“ ergänzt die Therapeutin. „Sie sollten nicht zu lange warten und unbedingt Hilfe holen, wenn sie merken, dass sie Kraft verlieren, müde und gereizt auf ihr Baby reagieren.“

Unterstützung von Familie, Freunden, Hebammen, Ärzten ...

Neben Familie und Freunden können verschiedene Stellen den Eltern zur Seite stehen: Kinderärzte, Frauen- und Hausärzte, spezialisierte psychotherapeutische Praxen, das Netzwerk Frühe Hilfen, die Kinder- und Jugendhilfe. Viele Eltern wissen nicht, dass sie bei Krankheit eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse bezahlt bekommen können. Der Aufbau eines Netzwerks mit anderen Müttern und Vätern kann ebenso gut entlasten. Eltern, die bereits vor der Entbindung psychotherapeutische Hilfe angenommen haben, sollten nicht vergessen, dass sie auf diese Unterstützung zurückgreifen können. Ein guter Tipp für werdende Eltern ist, bereits vor der Entbindung über die Organisation des neuen Alltags zu sprechen.

„Das erste Jahr mit einem Baby ist besonders schön, aber auch besonders anstrengend“, ergänzt Mechtild Weiler-Pelka. „Eltern sollten sich Hilfe holen können, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.“

Alle Infos zum Thema mit wichtigen Tipps und Adressen findet ihr auch in unserem Artikel: Mein Baby schreit ständig.