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Interview: Stadt-Bienen in Köln

Redaktion · 23.06.2016

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Stadtbienen bei der Arbeit © Pexels

Stadtbienen bei der Arbeit © Pexels

Bienen haben es schwer auf dem Land – die moderne Landwirtschaft arbeitet mit Monokulturen, Pestiziden und Düngern, die den Bienen das Leben schwer machen. Anders in der Stadt: Hier locken Dachterrassen voller Blütenpracht, bunte Blumenwiesen, Kleingärten, Brachflächen: Irgendwas blüht immer. In Köln gibt es 120 bis 150 Imker, die die Bienenzucht als Hobby für sich entdeckt haben. Einer davon ist Stefan Rudig aus Brauweiler.

KÄNGURU: Wie muss ich mir denn eine Imkerei in Köln vorstellen?

Stefan Rudig: In den letzten Jahren ist das Interesse an Bienen stark gestiegen und wurde für einige Kölner zum Hobby, zum Ausgleich zum Berufsleben. Sie besitzen dann vielleicht nur zwei Beuten, so nennt man den Bienenschwarm, statt wie früher 14 und mehr. Die meisten der Imker davon sind einem Imkerverein angeschlossen: Es gibt hierbei den Kölner Imkerverein und den Porzer Imkerverein auf Gut Leidenhausen. Er fängt meist damit an, das er sich ein oder zwei Bienenvölker in einer trachtreichen Gegend aufstellt, also zum Beispiel in Lövenich. Nun benötigt er noch eine Schleuder und entsprechende Abfüllbehälter. Natürlich muss er die Bienenvölker über das Jahr hegen und pflegen und kann dafür Sorge tragen, dass er sich weitere Bienenvölker aufzieht. Es gibt wenige hauptberufliche Imker. Für Köln fällt mir nur einer ein.

Und wie kamen Sie auf die Idee, Imker zu werden?

Ich wollte, nachdem die Kinder groß geworden sind, etwas für mich tun. Etwas, bei dem ich draußen an der Natur sein kann, etwas entwickeln kann, es wachsen sehen und gestaltet kann. Dabei aber auch mal langsam zu arbeiten. Die Quittung kommt, wenn man zu schnell ist: Man wird gestochen!

Wohin fliegen die Bienen?

Bienen fliegen maximal in einem Radius von drei Kilometern. Jedoch denken auch sie wirtschaftlich. Sobald sich in nächster Nähe eine interessante Tracht (Nektarquelle) befindet, bleiben Sie dort und informieren Ihre Bienen-Kollegienen. Dies hat auch den Vorteil, dass jede Biene selbst weniger Energie verbraucht und somit mehr Honig in den Bienenstock bringen kann. Auch der Pollen, den Bienen für die Aufzucht ihrer Brut brauchen, kommt aus der unmittelbaren Umgebung. Es wird empfohlen, den Honig aus seinem Wohnort zu beziehen, da dieser Spuren von Pollen beinhaltet, die übers Jahr verteilt zu einer Immunisierung gegen Heuschnupfen führen kann.

Hat jeder Stadtteil „seinen" Imker?

Ich denke mittlerweile ja. Sogar in der Innenstadt. Und die Kunden schmecken auf jeden Fall den Unterschied dieser feinen Honige zum Massenprodukt. Dürfen Kinder Sie besuchen, gibt es Führungen? Aber ja, das tun Sie auch schon.

Wünschen Sie sich etwas von Kölner Familien?

Das allgemeine Bewusstsein für unsere Honigbienen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Glücklicherweise informieren Zeitungen darüber, wie wichtig die Bienen zur Bestäubung der Fruchtpflanzen sind und auch, wie sehr die Varroamilbe den Bienen zusetzt. Wir Hobbyimker nehmen das gerne auf. Einerseits, indem wir mit Sorgfalt die Bienen hüten und besondere Produkte herstellen. Und andererseits im Dialog mit den Kölnern, denen wir das gerne zeigen. Wenn wir uns etwas wünschen, dann, dass Kölner Familien besonders auf die Auswahl von Pflanzen achten, die Bienen helfen, und auch bei Spritzmitteln auf Bienenfreundlichkeit achten. Nicht nur für unsere Honigbienen, sondern insbesondere auch für die Wildbienen.

Herr Rudig, vielen Dank für das Interview.

Honig aus der Region

Die Honige von Stefan Rudig und einigen seiner Kollegen kann man online kaufen. Sein Tipp: Probiert den „Kölner Starter“: ein feiner, milder, cremiger Honig. Er ist besonders für Familien mit kleinen Kindern geeignet, da der Honig nicht vom Brötchen läuft.

Ein paar der Stadtteil-Honige:

Lövenich: Blumen, Obstbäume, Lindenbäume sind die „Lieferanten" für den Honig von Stefan Rudig

Urbach (Köln-Porz): alter Baumbestand von den frühblühenden Obstbäumen über Linden bis hin zur Rosskastanie. Blühende Gärten der Einfamilienhäuser. Honig gibt es bei Imker Armin Behrens

Klettenberg: große Kleingartenanlage: liebevoll angepflanzten Nutz- und Zierpflanzen. Honig gibt es bei Imker Armin Behrens

Zündorf: Lindenbäume, Akazien und Kastanien. Honig gibt es bei Imker Sven Kadlubek

Wahner Heide, Porz-Grengel: Akazie und Kastanie. Honig gibt es bei Imker Hassan Sarbar

Sülz, Klettenberg und Eifel: Frühblüher: Kirschblüten, Löwenzahn, Raps. Spätblüher: Linde, Akazie, Brombeere. Honig gibts bei Imker Klaus Sauer

Südstadt, Friedenspark und Koster auf der Brühler Str., ein privater Garten in Poll, im Café Törtchen auf der Apostelnstr., beim Kardinal Wölki in der Kardinal-Frings-Str., eine Kleingartenanlage in Bickendorf, und auf einem Teil der Universität an der Luxemburger. Obstbäume, Akazie/Robinie, Kastanie und Linde ergeben zusammen den Honig von Bienwerk.

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