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Max & Moritz

Sue Herrmann · 26.11.2018

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Max & Moritz © Actors Photography

Max & Moritz © Actors Photography

Kinderoper, komponiert von Esther Hilsberg für Kinder ab 5 Jahren nach dem Klassiker von Wilhelm Busch.

„Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
welche Max und Moritz hießen ...“

Wie meinte Anton (6 Jahre), wie immer meine Premierenbegleitung, doch gleich nach dem Auftakt: „Mama, dass sind ja gar keine Jungs!“
Richtig, die Lausbuben Max & Moritz wurden von zwei Frauen (Meera Varghese & Manon Blanc-Delsalle) gespielt und gesungen, was deren Coolness und Abgebrühtheit aber keinen Abbruch tat. Auf die Frage „Kinder, wie viel Streiche gab’s eigentlich noch mal?“ kam von ganz hinten, mit glasklarem, aus der Pistole geschossenem Kinderstimmchen „Es sind genau sieben Streiche!“ Jawoll – und damit auch keiner sich vertut, wurde natürlich nach jedem Streich lautstark mitgezählt: Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!

Alle Streiche wurden aufgegriffen – ging ja auch nicht anders, wurde ja feste mitgezählt. Zum Teil leicht modifiziert und an heutige Gegebenheiten angepasst – so landete der Schneider Böck, ein wunderbar eitler Christian Kaltenhäußer, nicht im Wasser vor dem Hause, sondern wurde zur Freude der Kinder im Saal, mit Pump-Guns mal so richtig nass gemacht. Und die Hühner im ersten Streich wurden auch nicht mit Brot sondern mit Mäusespeck angelockt. Ihrer Hühner zwar nicht drei, „doch ein stolzer Hahn dabei.“ Selten so eine tolle Tierparodie gesehen wie das Federvieh der Witwe Bolte. Ich weiß gar nicht, wie lange Andreas Post & Christian Kaltenhäußer die Tiere in freier Wildbahn studiert haben müssen, um so erstklassig und naturgetreu daherzugockeln - herrlich!

Und die Musik?

Leichte, meist eingängliche Melodien, dargeboten von einer Pianistin, die ihrem Klavier (oder war es gar ein Flügel?) nicht nur die musikalische Untermalung der Sänger und Sängerinnen entlockte, sondern auch die Geräusch-Kulisse aufpeppte, wie etwa bei der Explosion von Lehrer Lämpels Pfeifchen. „Rumps!! - Da geht die Pfeife los, mit Getöse schrecklich groß!“ Und damit die Oper als solches nicht zu kurz kommt, wurde kurzerhand im fünften Streich Onkel Fritze durch eine schillernde Operndiva ersetzt (Kathrin Sander), der man mittels Maikäfern unterm Kleid noch ein paar klassische Extra-Töne entlocken konnte.

„Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!“ Ein bißchen Schiss hatte ich schon vor dem Ende des Stücks. Also, um genau zu sein vor den Fragen meines Sohnes - ob die Gans Max & Moritz jetzt wirklich aufgefressen hat und ob die in echt „Rickeracke … mit Geknacke“ in der Mühle geschrotet worden sind … Zum Glück aber trat die Gans ganz zum Schluss noch mal vor das Publikum und klärte uns auf: „Wie sagte stets mein Gänsevater: Das war alles nur … Theater!“ Und schwups fuhren Max und Moritz wieder in wilder Fahrt mit ihren Rollern über die Bühne - quicklebendig!

Schade drum!
„Nun ist’s vorbei!
Mit der Übeltäterei!“

Auch wenn einem beim Vorlesen der Busch’schen Originalreime, der ein oder andere schier im Halse stecken bleibt - da pädagogisch aus heutiger Sicht höchst fragwürdig - so hat mich dass als Kind überhaupt nicht tangiert. Ich hatte immer nur Spaß an den Streichen und daran, dass sich alles so prima reimte. Vielleicht lag’s aber auch an meinem Opa Franz, der mit größter Inbrunst vorzulesen verstand.

Aber genau diese Freude und Lust am bloßen Ungehorsam sein, am Quatsch machen, am über die Strenge schlagen, am Gemein sein, die wird hier kolportiert und wenn es denn einen erhobenen Zeigefinger gibt bei dieser Inszenierung von Anja Schöne, dann den, dass die Erwachsenen bitte nicht vergessen sollen, dass sie selber als Kinder völlig abgefahren sind auf verbotene und gefährliche Dinge! Apropos, in diesem Zusammenhang fällt mir ein, wie ich als 6- oder 7-Jährige, mal einer 4-Jährigen eine Rosendorne in den Oberarm gepiekst habe, um dann anschließend mit scheinheiliger Miene zu behaupten, dass sei eine Biene gewesen - was für ein Aas!

Nun, soviel zu meiner Lebens-Beichte - zurück zum Stück! Der Veranstalter verspricht: „Eine kurzweilige und freche Geschichte - ein Vergnügen für die ganze Familie!“ Ein Versprechen, welches gehalten wird!
Darauf ein dreifaches „Schneider, Schneider, meck, meck, meck!!“

Sue Herrmann, Nov 2013

Kammeroper Köln
Im Walzwerk Pulheim

Rommerskirchener Str. 21
50259 Pulheim

Kartenreservierung unter 02238 - 956 03-03

www.kammeroper-koeln.de