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Heimat A.T.

Hanka Meves-Fricke · 08.10.2018

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Foto: Monika Nonnenmacher

Foto: Monika Nonnenmacher

Das Stück Heimat A.T. für Menschen ab 10 Jahren vom CASAMAX Theater kommt in die Schulen

Azmi und Enno sind zwei Jungen gleichen Alters. Der eine kommt als Flüchtling nach Deutschland, der andere ist hier zu Hause. Azmi ist geflohen und kann darüber nicht so einfach reden. Hier ist er sicher. Das hat er von diesem Land gehört. Sicherheit, das ist das, was er verloren hat – neben seinem Vater, seiner Mutter, seinen beiden Brüdern, seinem Haus, seinem Hund ... Enno jedoch fragt sich, wie das werden soll, wenn immer mehr Flüchtlinge in seine Heimat kommen. Also spricht Enno in der Schulklasse aus, was er denkt: „Sie müssen wieder gehen, alle." Das ist Azmi zu viel. Warum soll er gehen? Wohin soll er denn gehen? Wütend rennt er aus dem Klassenzimmer. Nur hinaus will er.

Eine One-Woman-Show für Franziska Schmid

Die junge Kölner Schauspielstudentin Franziska Schmid schlüpft in die Rollen von Azmi und Enno. Sie spielt Azmis Baskettballtrainer, den Lehrer der beiden Jungen, einen Unbeteiligten, der seine Meinung kundtut. Als Azmi erzählt sie von seinen Ängsten, als er zum ersten Mal mit seinem Vater von einer Klippe ins Meer springt. Als Enno erzählt sie von dessen Ängsten, als er mit seinem Vater auf einer Kirmesbahn fährt und beinahe herausgeschleudert wird. Wir gewinnen beide Jungen lieb. Wir hören, wie Azmis Baskettballtrainer erzählt, dass er sein Bestes gibt, aber auch nicht alle Probleme seiner Schützlinge, ein Team von Geflüchteten, lösen kann. Wir schütteln den Kopf über den Lehrer von Azmi und Enno, dem Fachwissen wichtiger ist als das Vermitteln der Fähigkeit, miteinander zu leben. Wir hören einen Unbeteiligten, der sich fragt, wem er Recht geben würde: Azmi oder Enno. Soll Azmi wieder zurück in sein Heimatland? Wann könnte er wieder zurück? Kann unser Land alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen? Wie können wir helfen?

Selber Antworten finden

Die Regisseurin Ragna Kirck und die Dramaturgin Karoline Bendig geben keine Antworten in diesem Stück. Sie regen die Zuschauer an, selbst nachzudenken und Vorschläge zu unterbreiten. Diese kommen, zögerlich, aber sie kommen. „Wir sollten alle Flüchtlinge hereinlassen", sagt eine junge Zuschauerin. Sogleich schlagen sich Azmi und Enno. „Azmi und Enno sollen reden", ist ein anderer Vorschlag. Azmi und Enno reden miteinander. Azmi möchte, dass auch seine Tanten und Onkel, Großonkel und Großtanten nachkommen dürfen. Das wird Enno zu viel ... „Sollen wir ihnen Geld gehen, damit sie wieder in ihre Heimat gehen?", lautet ein weiterer Vorschlag.

Im Spiel der jungen Schauspielerin in den fünf Rollen wird klar, dass es keine einfachen Antworten gibt. Während Franziska Schmid als Azmi anfangs mit lauter Stimme die drängenden Fragen herausschreit, wird sie in ihrer Mundart authentisch: „Was ist eigentlich Heimat? Wenn einer ins Allgäu zieht, ist er A Zuagroste – ein Zugereister. Wenn jemand nach Jahren zurückkommt, ist er kein Heimgekommener, sondern a Verloahne – ein Verlorener.

Heimat trägt man im Herzen

Heimat ist das, was man aus seiner Kindheit im Herzen trägt, meinen die Macher des CASAMAX Theaters. Im Programmzettel des Stücks steht: „Ein Flüchtling ist jemand, der auf der Flucht ist. Ein Geflüchteter ist jemand, der angekommen ist." Das A.T. im Titel steht für „Arbeitstitel" und für die Frage, was Heimat ist, ob sie vielleicht vor allem in uns ist und wir sie so auch teilen könnten. Das CASAMAX Theater hat die Ausstattung von „Heimat A.T." auf wenige Details reduziert. Dennoch ist die Schauspielerin in all ihren Rollen gut zu erkennen. Das Theater kommt mit dem Stück in die Schulen, will es so für viele Schüler und Lehrer zugänglich machen. Heimat A.T: Ein Thema, das wichtig ist, ein Stück, das auch dank der talentierten Franziska Schmid sehr sehenswert ist.

CASAMAX Theater
Berrenrather Str. 177
50937 Köln
Tel. 0221 - 44 76 61