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Draußen spielen ist wichtig!

Redaktion · 27.05.2020

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Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland fordert grundlegende Maßnahmen, um das Draußenspielen von Kindern zu erleichtern. Das ergab die repräsentativen Umfrage für den Kinderreport 2020, die im Januar 2020 durchgeführt wurde - also noch vor Corona.

Der jährlich erscheinende Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes berichtet über den aktuellen Zustand der Umsetzung von Kinderrechten aus Sicht von Kindern und Erwachsenen. Die Ergebnisse des Kinderreports liefern Impulse, Optionen und Handlungsvorschläge für politische Gestaltungsprozesse im Interesse von Kindern.
Themenschwerpunkt des diesjährigen Kinderreports ist das Draußenspiel von Kindern in Deutschland. Im Einzelnen wurde abgefragt, wie wichtig es für Kinder ist, draußen zu spielen, und welche Gründe es geben könnte, warum Kinder nicht draußen spielen. Außerdem wurde erhoben, welche Maßnahmen das Draußen-spielen für Kinder und Jugendliche erleichtern könnten und wie die Möglichkeiten von Kindern eingeschätzt werden, bei der Stadt und Freiflächenplanung – die maßgeblich das Draußenspielen von Kindern beeinflusst – mitzubestimmen. Schließlich wurde noch abgefragt, in welchen Bereichen Kindern und Jugendlichen generell mehr Rechte auf Mitbestimmung eingeräumt werden sollten.

Ausgewählte Ergebnisse der repräsentativen Umfrage:

Wichtigkeit des Draußenspielens für Kinder:
Für 39 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen kommt dem Draußenspielen eine sehr große Bedeutung zu, für weitere 31 Prozent ist es wichtig. Die erwachsenen Befragten kommen zu ganz anderen Einschätzungen. Für 89 Prozent kommt dem Draußenspielen eine sehr große Bedeutung zu, für weitere 10 Prozent ist es wichtig.
 
Was Kinder am Draußenspielen hindert:
Hauptgrund für die Kinder und Jugendlichen, nicht draußen zu spielen, ist das Fehlen anderer Kinder zum Spielen. Das gaben 54 Prozent der Befragten an. Für 46 Prozent ist ein weiterer wichtiger Grund, nicht draußen zu spielen, fehlende Zeit. Dass der Straßenverkehr zu gefährlich zum Draußenspielen ist, meinen 35 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen.
Bei den Erwachsenen nimmt bei den Hinderungsgründen das Thema „Angst" eine hervorgehobene Stellung ein. 65 Prozent der Befragten gaben an, dass es andere Kinder und Jugendliche gibt, die Kinder ärgern, belästigen oder ängstigen. 64 Prozent der Erwachsenen halten den Straßenverkehr für zu gefährlich, und 58 Prozent sehen Erwachsene, die meckern, wenn Kinder draußen spielen, als Hinderungsgrund.
 
Was Kindern das Draußenspielen erleichtern würde:
Aus Sicht der Kinder
  • bessere Erreichbarkeit von Orten zum Draußenspielen beispielsweise durch kostenlose Busse und Bahnen, sichere Radwege oder grüne Wegeverbindungen (92 Prozent)
  • mehr Spielorte, die sich ganz in der Nähe der Wohnung befinden, wie ein kleiner Spielplatz, eine Wiese oder eine Spielstraße (88 Prozent)
  • mehr verkehrsberuhigte Bereiche in Wohngebieten, sogenannte Spielstraßen (87 Prozent)
  • Einrichtung von naturbelassenen Flächen im Wohnumfeld, sogenannte Naturerfahrungsräume (86 Prozent)
  • in den Schulalltag integrierte Angebote, die das Spielen im Freien vor allem im Rahmen von Ganztagsschulen ermögliche ( 84 Prozent)
  • ein autofreier Sonntag einmal im Jahr, an dem Kinder überall auf den Straßen spielen können (58 Prozent)
  • Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge (52 Prozent)
Aus Sicht der Erwachsenen
  • bessere Erreichbarkeit von Orten zum Draußenspielen beispielsweise durch kostenlose Busse und Bahnen, sichere Radwege oder grüne Wegeverbindungen (94 Prozent)
  • mehr Spielorte, die sich ganz in der Nähe der Wohnung befinden (94 Prozent)
  • mehr verkehrsberuhigte Bereiche in Wohngebieten (85 Prozent)
  • Einrichtung von naturbelassenen Flächen im Wohnumfeld, sogenannte Naturerfahrungsräume (88 Prozent)
  • Spielen im Freien vor allem im Rahmen von Ganztagsschulen (87 Prozent)
  • ein autofreier Sonntag einmal im Jahr, an dem Kinder überall auf den Straßen spielen können (51 Prozent)
  • Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge (46 Prozent)
Mitbestimmung von Kindern bei der Stadt- und Freiflächenplanung:
22 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen schätzen ihre Möglichkeiten, bei der Stadt- und Freiflächenplanung mitzubestimmen, als sehr gut oder eher gut ein, 69 Prozent als eher schlecht oder sehr schlecht. Die Meinungen der befragten Erwachsenen, wie sie die Möglichkeiten von Kindern einschätzen, bei der Stadt- und Freiflächenplanungen mitzubestimmen, sind insgesamt positiver als die der Kinder und Jugendlichen. Insgesamt 32 Prozent schätzen die Möglichkeiten als sehr gut oder eher gut ein, 65 Prozent als eher schlecht oder sehr schlecht.
 
„Die Ergebnisse des Kinderreports 2020 zeigen die grundsätzliche Einschätzung der Menschen zum Draußenspiel vor der Corona-Pandemie," erklärt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Einschränkungen entfalten sie eine noch viel höhere Relevanz. Sie sind als direkter Handlungsauftrag für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu verstehen, wenn es darum geht das Draußenspiel von Kindern zu erleichtern und zu fördern."

Info

Für den Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerkes führte das Politikforschungsinstitut Kantar Public zwei Umfragen, eine unter Kindern und Jugendlichen (10- bis 17-jährige) und eine unter Erwachsenen (ab 18-jährige), in Deutschland durch. Befragt wurden insgesamt 1.644 Personen, davon 624 Kinder und Jugendliche sowie 1.022 Erwachsene. Der Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerkes, die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage für den Kinderreport 2020 und eine Zusammenfassung des Kinderreports 2020 können unter www.dkhw.de/kinderreport2020 heruntergeladen werden.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. setzt sich seit mehr als 45 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten stehen im Mittelpunkt der Arbeit als Kinderrechtsorganisation.

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