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Die Bilderkriegerin

Petra Hoffmann · 23.04.2019

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Foto aus der Ausstellung

Foto aus der Ausstellung

Ausstellung im Kollwitz Museum

Anja Niedringhaus war bis zu ihrer Ermordung im April 2014 in Afghanistan eine begnadete Fotojournalistin, die mit ihren Fotografien Geschichten aus Kriegsgebieten in der ganzen Welt erzählte. Das Käthe Kollwitz Museum widmet ihr noch bis zum 23. Juni eine beeindruckende Ausstellung, die einfach berührt: Da ist die Frau, die sich während eines Feuergefechts hinter einem Auto zusammenkauert. Die Angst ist ihr ins Gesicht geschrieben. Da steht das kleine Mädchen vor einer schweren Eisentür und hält sich die Ohren zu, während ein bewaffneter Soldat an ihr vorbeigeht. Was sie wohl gerade nicht hören will? Da sind die lachenden afghanischen Jungs, die einen Drachen steigen lassen wollen. Der Soldat, der vor wenigen Minuten erst von Granatsplittern getroffen wurde. Die Straßenmusiker mitten im Krieg ...

Ihnen allen ist Anja Niedringhaus so nah gekommen, dass ich mich als Betrachterin dieser Fotos mit Realitäten konfrontiert sehe, die in meinem behüteten, deutschen Alltag eigentlich keine Rolle spielen. Es herrscht Krieg auf der Welt. Menschen sind grausam. Sie quälen und töten. Sie leiden grenzenlos. Sie kämpfen für ihre Wahrheit. Sie lieben ihre Kinder. Die Fotografin Niedringhaus hatte die Gabe, diese Realitäten darzustellen, ohne voyeuristisch zu wirken. Sie konnte Distanz auflösen, ohne distanzlos zu werden. Eine Wahnsinnsbilderschau ist hier im Kollwitz Museum zu sehen, die unter die Haut geht und die lange nachwirkt.

Aber kann man sich so etwas auch mit Kindern anschauen?

Die Museumspädagoginnen des Hauses haben für junge Besucher eine Rallye entwickelt, die kindgerecht an die Themen der Ausstellung und das Leben von Anja Niedringhaus heranführt – auch wenn der Begriff „Rallye“ in diesem Zusammenhang vielleicht nicht so richtig passen mag. Außerdem gibt es an den ersten Sonntagen im Monat die Führung „Nie wieder Krieg! Bilder für den Frieden“, bei der schon Kinder ab 6 Jahren erfahren, wie die Künstlerin Käthe Kollwitz gegen den Krieg gekämpft hat, wen sie im Krieg verloren hat und was die Werke von Anja Niedringhaus damit zu tun haben. Von daher also: Ja, man kann diese Ausstellung auch mit etwas größeren Kindern besuchen. Aber man muss sich darauf gefasst machen, dass dabei viele Fragen gestellt werden – und dass es vielleicht schwer zu ertragen ist, darauf keine Antworten geben zu können.

Info

Käthe Kollwitz Museum Köln
Neumarkt 18-24
50667 Köln
Tel. 0221 - 227 2899
www.kollwitz.de