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Barbie Experimentierkasten gewinnt den „Goldener Zaunpfahl“ 2018

Agnieszka Pawlowska · 19.04.2018

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Preisverleihung © Anna Sacco

Preisverleihung © Anna Sacco

In Berlin fand die diesjährige Preisverleihung des „Goldener Zaunpfahl“ statt. Die Veranstaltung möchte mit dem Negativpreis auf Produkte aufmerksam machen, die Geschlechterklischees bedienen. Gewonnen hat ein Produkt des Kosmos Verlages, der Barbie Experimentierkasten.

Möchte man Eltern zur Verzweiflung bringen, so stellt man ihnen folgende Aufgabe: Kauft eurem Sprössling eine genderneutrale Kinder-Brotdose. Was sie nämlich längst wissen, wird jetzt endlich auch gebührend publik gemacht: Das Gendermarketing nimmt wieder zu. Die Initiator*innen des Negativpreises „Goldener Zaunpfahl“ kritisieren diese Entwicklung und möchten das öffentliche Bewusstsein dafür schärfen, dass in der Werbung oft unverhohlen sexistische Tendenzen bedient werden. Diese Werbestrategie überdecke den wirtschaftlichen Wunsch, mehr junge Männer für Care-Arbeit, mehr Mädchen für die MINT-Berufe zu gewinnen mit einer Ladung rosa Glitzer, so die Veranstalter*innen.

And the winner is...

Barbie Experimentierkasten: der Gewinner des „Goldener Zaunpfahl“  2018 © Screenshot Webseite goldener-zaunpfahl.de

Und so hat auch folgerichtig ein Produkt den diesjährigen Preis gewonnen, das bei Mädchen das Interesse an Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik und Technik, kurz MINT, wecken soll. Der Barbie Experimentierkasten will Mädchen spielerisch an technische Themen heranführen. Dabei greifen die Entwickler tief in die Geschlechterklischee-Kiste. Denn die kleinen Forscherinnen finden heraus, wie ein Getriebe funktioniert, indem sie einen begehbaren Kleiderschrank zusammenbauen. Weitere Bestandteile dieser rosa Genderfalle sind eine Waschmaschine und ein drehbares Schuhregal.

 

The nominees are...

Die Nominierten des „Goldener Zaunpfahl“ 2018  © Screenshot Webseite goldener-zaunpfahl.de

Über die Webseite goldener Zaunpfahl können das ganze Jahr über Fundstücke eingereicht werden. Alle Zusendungen können dann unter der Kategorie Gruselkabinett bestaunt werden. Diesmal hatte die Jury eine große Auswahl. Aus 150 Einreichungen wurden fünf Produkte nominiert. In die engere Wahl für den Preis kamen ebenfalls:

JAKO-O: Herbstkatalog 2017

Schon letztes Jahr war ein Produkt aus dem Hause JAKO-O nominiert. Dieses Jahr hat es direkt der ganze Katalog in die Top Five geschafft. Die geschlechtliche Trennung von Handarbeit und Werkunterricht, die in der Schule schon seit 40 Jahren aufgehoben ist, wird hier laut den Initator*innen stur weitergelebt: Die Werkbank für Jungs und die Nähmaschine für Mädchen. Tauschen verboten.

Edeka: Werbekampagne, Grillsaison 2017: „Herren des Feuers“

Edeka zementiert in seiner Werbekampagne den Riss, der durch Deutschlands Grilllandschaft geht. NATÜRLICH essen echte Männer nur Fleisch und NATÜRLICH können die Frauen nur vegetarisches „Barbie-Q“. Die Initiator*innen winken mit dem goldenen Zaunpfahl.

Sigikid: Kollektion „Papa & me“

Die Plüsch-Bohrmaschine und Co. sollen dem Vater helfen, Spielzeuge für sein Kind einzukaufen. Die Frage, die sich nicht nur den Veranstalter*innen aufdrängt: Warum brauchen Väter Hilfe und einen besonders „männlichen“ Anreiz, um für ihr Kind ein Spielzeug zu kaufen? Und dürfen AUCH Mädchen mit dem Plüschwerkzeug spielen?

SCM R. Brockhaus-Verlag: Die Bibel für Frauen – Die Bibel für Männer

Hmm... Gibt es da geschlechterspezifische (Auslegungs-)Tipps? Zum Beispiel Beziehungsratschläge für Frauen und das Best-Off der biblischen Plagen als Blockbuster für Männer?

INFO:

Vorschläge können das ganze Jahr auf der Webseite Goldener Zaunpfahl eingereicht werden.

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