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ADFC-Fahrradklima-Test Bonn

Redaktion · 09.04.2019

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Bonn ist mit seinem Ziel, bis 2020 Fahrradhauptstadt in NRW zu werden, krachend gescheitert. Im bundesweiten Fahrradklimatest des ADFC belegt Bonn unter den 39 Großstädten mehr als 200.000 Einwohnern mit der Note 4,22 nur Rang 26.

Bonn hat damit weitere vier Plätze verloren, die Note verschlechterte sich um knapp 0,2 Punkte. Der einzige Pluspunkt, der ein noch stärkeres Abrutschen verhinderte, war die positive Bewertung des neuen Leihradsystems, das die Note 3,4 erhielt. 1664 Radfahrer haben sich am aktuellen Test allein in Bonn beteiligt, doppelt so viele wie 2016. Wirklich positiv bewertet wird in Bonn nur die großflächige Öffnung von Einbahnstraßen (2,4). Mit befriedigend werden nur wenige Punkte wie Wegweisung, Fahrradklima, Leihradsystem und die Erreichbarkeit der Innenstadt bewertet. Alles andere schwankt zwischen vier und vier minus. In drei Kriterien hat sich Bonn erstmals eine Fünf eingehandelt, nämlich für die Führung an Baustellen, die mangelnde Breite der Radwege und Radstreifen sowie die mangelhafte Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen. Der weiter wachsende Fahrraddiebstahl und die mangelhafte Aufklärungsrate der Bonner Polizei wird mit 4,9 ebenfalls als miserabel bewertet.

Es fehlt an Mut zur Verkehrswende

„Das ist ein wirklich blamables Ergebnis für die Stadt Bonn“, so ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg. „Bonn ist in den vergangenen Jahren von Platz 18 auf 26 abgerutscht und bekommt die Quittung dafür, dass die Politik keine unbequemen Entscheidungen fällt.“ Seit 30 Jahren fordert der ADFC ohne Erfolg eine Fahrradunterführung am Kaiserplatz. Es fehlen Radpendlerrouten aus dem Umland in die Stadt. In den viel gerühmten Fahrradstraßen lässt Bonn unverminderten Autoverkehr zu und bremst den Radverkehr durch generelles Rechts-vor-Links. Die Kappung des Cityrings zugunsten des Radverkehr traut sich die Stadt ebenso wenig zu wie die Reduzierung von Autospuren zugunsten von Radspuren. Die Führung des Radverkehrs an Baustellen ist weiterhin ein Skandal wie das Beispiel Viktoriabrücke zeigt, wo der Radverkehr für mehrere Jahre unter miserablen Bedingungen erfolgt. Es gibt keine grünen Wellen für den Radverkehr und auch keine guten und schnellen Querungen der Innenstadt in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung. „Die Bonner Politik bekommt jetzt die Quittung dafür, dass sie nur Sonntagsreden hält und keinen Mumm hat, wirklich eine Verkehrswende einzuleiten. Für eine UN-Stadt, die auf Nachhaltigkeit setzt, ist das ein Armutszeugnis“, so Quaedvlieg.

Schlechte Ergebnisse für den Rhein-Sieg-Kreis

Schwach ist auch das Ergebnis der 14 Städte und Gemeinden aus dem Rhein-Sieg-Kreis. „Die Hoffnung, dass sich die Talfahrt des Kreises durch den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte, Kreise und Gemeinden stoppen oder sogar umkehren lässt, hat sich bisher leider nicht erfüllt“, bedauert Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC im Rhein-Sieg-Kreis. Fast 2100 Radfahrer haben das Fahrradklima in der Region bewertet. Nur Meckenheim, das seit Jahrzehnten gezielt den Radverkehr fördert und über ein durchgehenden Radverkehrsnetz verfügt, hat mit der Note 2,96 ein auch im bundesweiten Vergleich gutes Ergebnis erreicht und landet damit auf Rang 4 der bundesweit 311 Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern. Ebenfalls erfreulich: Trotz seiner ländlichen Lage und vielen Ortsteile schlägt sich Euskirchen mit der Note 3,66 erfreulich gut und kommt auf Platz 15 der 106 Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern. In dieser Kategorie schafft es Troisdorf nur noch auf Platz 65 (Note 4,08) und Sankt Augustin auf Platz 71 (4,12). „Die Entwicklung der einstigen Vorzeigestadt Troisdorf stimmt wirklich traurig. Nachdem das Programm ,Fahrradfreundliches Troisdorf‘ einst so viele Früchte trug, ruht sich die Stadt auf den Lorbeeren aus“, kritisiert Lorscheid.

Ganz schlimm sieht es im bundesweiten Ranking der 331 Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern aus. Neben Meckenheim auf Rang 4 schaffen nur noch Lohmar auf Platz 75 (Note 3,66) und Niederkasse auf Platz 147 (Note 3,87) akzeptable Ergebnisse. Mit Bornheim, Königswinter, Rheinbach und Bad Honnef liegen dagegen vier Städte des Rhein-Sieg-Kreises mit Noten von 4,5 unter den letzten 20. „Wie die Touristenstadt Königswinter den Radverkehr an der Uferpromenade sperren kann, aber den Autoverkehr beibehält, das bleibt ihr Geheimnis“, so Lorscheid. Viele Städte im Kreis versäumen laut ADFC die Möglichkeit, vorhandene Feld- und Wirtschaftswege zu einem Radverkehrsnetz zu verbinden und setzen auch in den Kernstädten vorrangig auf den Autoverkehr, kritisiert Lorscheid. Der Landesbetrieb Straßen.NRW müsste viel mehr Radwege entlang von Landstraßen bauen, auf denen es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt, wie zuletzt in Bornheim und Königswinter.

Der ADFC ist ein Verband von Radlerinnen und Radlern, die gemeinsam das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten.

Über den Tellerrand geschaut: So ist die Situation in Köln.