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30 Jahre Theater Monteure

Sofia Grillo · 12.10.2018

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© Frank Domahs/fotobildner.de

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Die monteure feiern ihr 30-jähriges Jubiläum. Ihre Stücke laden ein zu Assoziationen und Fantasie. Sie werden in den Köpfen der jungen Zuschauerinnen und Zuschauer zu ganz eigenen Geschichten.

Eine weiße Wand, plötzlich der Schatten eines Fußes, dann einer Hand. Nun wird die weiße Wand bunter, mit verschiedenen Farben malt jemand Bilder darauf, die sich ständig verändern. Dem Spektakel schauen Kinder aus dem Kindergarten und der Grundschule zu. Sie raten wild, was dort gemalt wird, und rufen herein, was sie mit den Formen und Schatten assoziieren. Die Kinder schauen sich das Stück „Punkt Punkt Komma Strich“ vom Kölner theater monteure an. Hinter der weißen Wand erschafft Joachim von der Heiden die Schattenbilder und Malereien. Er hat das theater monteure gegründet, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert.

Kinder ernst nehmen

Das Ensemble spielt ausschließlich für Kinder und verfolgt dabei konsequent den Grundsatz, mit dem das Theater vor dreißig Jahren gegründet wurde: „Wir wollen das junge Publikum ernst nehmen und ihm die Möglichkeit geben, selber zu denken und zu fühlen“, beschreibt es Joachim von der Heiden. Das theater monteure erzählt keine klassischen Geschichten, hier geht es um Assoziation und Wahrnehmung. Es arbeitet mit abstrakten Bildern und Klängen, die sich stets verändern – so wie die weiße Wand bei „Punkt Punkt Komma Strich“. Und daher kommt auch der Name: Als Monteure bringen die Schauspieler Montagen auf die Bühne. Für Kinder sind diese Montagen eine Einladung zu einer Fantasiereise. „Wir wollen die Kinder darin bestärken, dass es gut und richtig ist, dass jeder eine andere Geschichte aus dem Gesehenen herausliest“, erklärt Karoline von Lüdinghausen, der zweite Kopf des Ensembles.

Wahrnehmung hat sich verändert

In den dreißig Jahren habe sich in der Wahrnehmung der Kinder etwas verändert. Durch die Digitalisierung und die frühe institutionelle Erziehung sei nicht mehr viel Raum für abstrakte Fantasie, so die beiden Schauspieler. Für Kinder im Kindergarten würden die Stücke noch gut funktionieren. Doch im Grundschulalter seien die Kinder zunehmend unkonzentrierter. Sie seien durch die neuen Medien Filme mit klaren Geschichten und Zuordnungen wie „richtig“ oder „falsch“ gewohnt. Das gibt es beim theater monteure aber seit dreißig Jahren nicht. Dennoch, eine kleine Neuerung als Reaktion auf die veränderte Wahrnehmung der Grundschüler gibt es: Im aktuellen Stück „Raus bist du noch lange nicht“ wird das junge Publikum in einem Viereck um die „Bühne“ und die Schauspieler herumgesetzt. Diese treten mit den Kindern ständig in Kontakt. Sie reagieren auf zappelige, abgelenkte Kinder und integrieren sie in das Stück. So nehmen sie jeden ihrer kleinen Zuschauer in ihre Welt mit.

Die Resonanz der Kinder bei und nach den Stücken bestärke ihn auch nach dreißig Jahren voller Höhen und Tiefen, weiterzumachen, sagt Joachim von der Heiden. Manche Kinder seien wie in Trance, weil sie komplett entschleunigen und träumen dürften. Andere erzählten nach dem Stück ganz aufgeregt, was sie mit dem Gesehenen verbunden hätten. Kinder seien sehr ehrlich.

Das Jubiläum wird zum Neuanfang

Das Ensemble besteht aus den zwei Schauspielern Joachim von der Heiden und Karoline von Lüdinghausen. Dazu kommen immer wieder Gast-Künstler. Lange Jahre gehörten die Tänzerin und Schauspielerin Andrea Lucas und der Musiker Thomas Marey zum theater monteure. Die beiden haben sich nun jedoch davon gelöst und so ist das Jubiläum gleichzeitig auch ein kleiner Neuanfang. „Während wir zwischenzeitlich auch viel Tanz und Musik in die Stücke integriert haben, wollen wir uns jetzt wieder darauf besinnen, die Bildende Kunst mit dem Schauspiel zu verbinden“, sagt Karoline von Lüdinghausen. Also so, wie beim anfangs beschriebenen Stück „Punkt Punkt Komma Strich“, das schon über zehn Jahre alt ist und dennoch zeitlos wirkt.

Gefeiert wird das Jubiläum mit zwei Premieren: „Meins wird deins“ für Kinder von drei bis acht Jahren startet am 11.11.; „Augenblick mal“ für Kinder von drei bis zehn Jahren wird am 16.12. uraufgeführt.

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