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Wir Eltern

Golrokh Esmaili · 14.07.2020

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© W-Film

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Eine unverschämt realistische Familienkomödie - von und mit Familie Bergkraut. Golrokh Esmaili hat sie für euch angeschaut.

„Alles ok?“ fragt die Mutter den Vater, als sie nach Hause kommt. Seine Antwort: „Romeo ist total bekifft heimgekommen und Anton hat eine fünf in Spanisch ... aber sonst ist alles gut.” Also scheinbar alles wie immer.

Zum Inhalt:

wir eltern familie
Die Söhne Romeo (Ruben Bergkraut) und Anton (Elia Bergkraut) werden vom Rest der Familie beobachtet.

Die Eltern Vero und Michi glauben, alles richtig gemacht zu haben. Doch Zug um Zug lassen sie sich ihr Leben von den spätpubertären Zwillingssöhnen lahmlegen. Weder Punktelisten noch Strafen helfen. Romeo und Anton sind kaum aus dem Bett zu kriegen und gehen nur selten zur Schule. Lässig spielen sie die überforderten Eltern gegeneinander aus, kiffen oder zocken stundenlang am Computer. Als sie vom Großvater einen generösen Erbvorschuss als Geburtstagsgeschenk erhalten, verschärft sich das Zusammenleben weiter. Bis die Eltern auf unkonventionelle Weise die Notbremse ziehen.

Erziehungskrise im Hotel Mama und Papa

Wir Eltern – ein herrlicher Film für Eltern und Nicht-Eltern. Für Eltern, weil man viele völlig absurde Situationen wiedererkennt oder sich vorstellen kann, sie (leider) noch kennenzulernen. Und für Nicht-Eltern, um – wem auch immer – schadenfreudig dafür zu danken, niemals Kinder bekommen zu haben. Leicht, locker und kurzweilg hebt er die Laune, trotz der vielen Streitigkeiten und Probleme, die hier auf den Tisch kommen. Fazit: Lohnt sich wirklich!

Das Besondere an diesem Film: Die Familienkomödie wurde vom Schweizer Ehepaar Eric Bergkraut und Ruth Schweikert frei nach eigenen Erlebnissen, in den eigenen vier Wänden mit den eigenen drei Söhnen gedreht. Alle spielen mit. Einzig die Mutter ist mit Elisabeth Niederer außerfamiliär besetzt. Alles andere ist Familie, die Familie spielt. Und das richtig gut und total überzeugend.

wir eltern Remo Largo
Darsteller Orell Bergkraut (Benji) mit Familienforscher Remo Largo

Und was den Film noch einmal mehr auszeichnett: Zwischen Wäschebergen und Pizzakartons geben Experten wie der Familienforscher Remo Largo den überforderten Eltern immer wieder augenzwinkernd Erziehungstipps. So wurde zu meiner Überraschung nach einer Szene das Zitat Remo Largos: „Die Kleinfamilie ist heute hoffnungslos überfordert.” eingeblendet. Und schwupps sitzt der großartige Remo Largo selbst im Badezimmer der Familie und erzählt etwas über die Entwicklung der Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten. Sehr erhellend!

Das Schauspielensemble aka die Familie erzählt, dass die Figuren zwar frei erfunden sind und die Handlung zugespitzt ist, fein gewürzt mit etwas Übermut, Abenteuerlust und einer gehörigen Portion Selbstironie. Und genau das macht den Film so sympathisch: die Selbstironie. Gackernd schaue ich mir den Film an, schwanke zwischen Lachern, Schmunzeln und Selbstreflektion, denke: Alles falsch gemacht. Und: Himmel – wie kann ich jetzt schon die Weichen stellen, damit meine Kinder nicht spätpubertär tun und lassen, was sie wollen? Aber die eigentliche Frage ist ja, ob wir Eltern es überhaupt richtig machen können? Ich fürchte nicht ... aber irgendwann können wir loslassen und uns wieder auf uns besinnen. So wie die Protagonisten. Und die Kinder werden ihren Weg schon gehen. Irgendwie beruhigend.

 

Info

Kinostart ist am 16. Juli 2020 (in Köln im Filmpalast Cineplex) Alle Termine findet ihr hier >>

DVD & VoD ab 23. Oktober 2020 – wer dann online schauen möchte, kann den Film direkt über den Verleih kaufen: https://www.wfilm.de/wir-eltern/dvd-bluray-vod/

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