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Leopeule

Gastbeitrag von Detlef Träbert · 04.03.2020

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© Adobe Stock

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Ein Bilderbuch zum Verlieben für Kinder ab 4 Jahren

Ein seltsames Wort: „Leopeule“ – Titel eines neuen Bilderbuches für Kinder ab vier Jahren. Aber schnell versteht man, dass sich das Wort aus „Leopard“ und „Eule“ zusammensetzt. Die Titelfigur der Geschichte ist nämlich ein frisch geschlüpftes Eulenbaby mit goldgelbem Gefieder und ganz von dunklen Flecken übersät, so wie wir das von der Raubkatze kennen, die in Asien und Afrika zu Hause ist.

Anders sein

Leopeule sieht also anders aus als ihre vier Geschwister. Da hilft kein Bürsten, Waschen und Schrubben – die Flecken bleiben. Außerdem benimmt sich Leopeule anders: Sie traut sich nicht, die Umgebung zu erkunden und bleibt nur still sitzen. Im Kindergarten verhält sich Leopeule ganz schüchtern. Sie kann nicht so hoch hüpfen wie andere Vögel und ihr erster Flugversuch endet mit einem Absturz vom Baum. Nicht einmal das Singen will funktionieren. Doch als bei einem Vogelkindergarten-Ausflug ein Fuchs auftaucht und die Schleiereule als Beute ins Auge fasst, schafft Leopeule es zum ersten Mal zu brüllen. Sie brüllt so laut und unheimlich, dass selbst den Bäumen des Waldes die Äste schlottern. Auch der Fuchs zittert, bittet um sein Leben und flüchtet schließlich in Panik, als Leopeule noch einmal den Schnabel öffnet. Auf diese Weise hat die Heldin der Geschichte „mehr Freunde als Federn“ gewonnen.

Passend zum Welt-Down-Syndrom-Tag

Die übersichtliche Erzählung der Kinderbuchautorin Nina Hundertschnee, von Pe Grigo wunderschön und pointiert illustriert, ist eine herrliche Parabel zum Thema „Down-Syndrom“. Das Buch ist kurz vor dem 21. März veröffentlicht worden, jenem Tag, den die Vereinten Nationen (UN) als Welt-Down-Syndrom-Tag ausweisen. Es passt also genau in die Zeit und kann helfen, unsere Kinder mit Trisomie 21 in Berührung zu bringen. Rund 50.000 Menschen mit Down-Syndrom leben in Deutschland. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt mittlerweile bei über 60 Jahren. Sie sind anders, aber sie sind Teil unserer menschlichen Gemeinschaft und weisen gelegentlich Talente auf, die man ihnen in früheren Zeiten nicht zugetraut hatte. Einzelne erreichen sogar das Abitur und bewältigen eine akademische Berufslaufbahn.

Wenn die Zeichen der Zeit auf Inklusion stehen und Kinder mit Behinderung in Kitas und Schulen mehr und mehr zum Alltag gehören, kommt ein Buch wie „Leopeule“ genau richtig. Ästhetisch wunderschön gestaltet und aussagekräftig bebildert, nimmt es nicht nur die Kleinen mit. Auch Erwachsene haben ihre Freude an ihm. Sie können die Mimik der Tiere in den Bildern mit Bewusstsein lesen und entdecken Details, die Kindern noch nicht gleich deutlich sind: Papa Eule trägt Brille und hat einen gelben Schnabel, während der von Mama Eule pinkfarben ist. Außerdem trägt sie beim Schrubben ihres Sorgenkindes Schürze und Stiefel. Und die Verschlagenheit und Mordlust des Fuchses lässt sich an seinen Augen ablesen, während sein Entsetzen und seine Angst nach Leopeules Gebrüll auch den jüngsten „Leser/-innen“ auffallen.

Man kann sich verlieben in dieses kleine Gesamtkunstwerk – und das nicht nur am Welt-Down-Syndrom-Tag.


Detlef TräbertUnser Gastautor Detlef Träbert ist Diplom-Pädagoge und Autor zahlreicher Elternratgeber. Er hält in ganz Deutschland Elternvorträge in Kitas und Schulen.
 
 

Leopeule

Nina Hundertschnee (Text)
Pe Grigo (Illustrationen)
Hamburg (Dragonfly) 2020
14 Euro

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