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Happy Birthday, liebe Pippi Langstrumpf!

Info: Oetinger Verlag · 20.05.2020

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© Adobe Stock

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Das 75. Jubiläum von Pippi Langstrumpf im Jahr 2020 wird am 21. Mai gefeiert – dem Geburtstag von Astrid Lindgrens Tochter Karin Nyman. Wir verlosen 3 Pippi Langstrumpf-Bücher!

Manchmal hat sogar eine Lungenentzündung ihr Gutes. Es ist 1941, außerhalb von Schweden tobt der Krieg. Und in einem Stockholmer Kinderzimmer liegt Karin Lindgren, gerade sieben Jahr alt, krank im Bett. Dort lauscht sie den Geschichten ihrer Mutter. Diese fragt ihre Tochter, was sie denn erzählen solle. Karin überlegt kurz, denkt sich einen Namen aus – und sagt dann diesen einen Satz: „Erzähl mir von Pippi Langstrumpf.“ Also beginnt Astrid Lindgren zu erzählen. Sie berichtet von dem Mädchen mit den Zöpfen, von ihren Abenteuern. Die roten Haare und die Sommersprossen guckt sich Astrid Lindgren bei einer Schulfreundin ihrer Tochter ab – dem Mädchen, das auf Festen immer am wildesten ist. Ein Pferd auf der Veranda, das keinen Stall hat? Gibt es wirklich, und zwar bei den Nachbarn in der Nähe des Sommerhauses von Familie Lindgren. Die Geschichte könnte hier zu Ende sein. Doch dann schneit es im März 1944 in Stockholm. Astrid Lindgren rutscht auf einer vereisten Stelle im Vasapark aus, verstaucht sich einen Fuß – und muss nun selbst das Bett hüten. Um sich dabei die Zeit zu vertreiben, bringt sie die Geschichten von Pippi Langstrumpf zu Papier, verpackt das Manuskript in ein hübsches Kästchen und verziert alles mit einer handgemalten, winkenden Pippi. Es ist ihr Geschenk zu Karins zehntem Geburtstag.

Pippi © OetingerVon der Sekretärin zur Schriftstellerin

Eine Kopie hat Astrid Lindgren bereits ein paar Tage zuvor an den Bonniers Verlag geschickt – mit der Bitte um Prüfung und darum, auf keinen Fall das Jugendamt einzuschalten! Der Verlag lehnt das Manuskript zwar ab, informiert aber zumindest nicht die Behörden. Mehr Erfolg hat Astrid Lindgren mit einer zweiten Geschichte: Sie reicht das Mädchenbuch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ bei einem Schreibwettbewerb des Verlages Rabén & Sjögren ein und belegt damit den zweiten Platz. So wird aus der gelernten Sekretärin Astrid Lindgren die Schriftstellerin Astrid Lindgren. Ein Jahr später ruft Rabén & Sjögren zu einem weiteren Kinderbuch-Wettbewerb auf. Astrid Lindgren packt die Gelegenheit beim (roten) Schopf und versucht es nun mit einer überarbeiteten Version von Pippi Langstrumpf. Diesmal greift dieser Verlag zu. Kurz vor Weihnachten 1945 erblickt „Pippi Langstrumpf“ das Licht der Öffentlichkeit – und die Lawine beginnt zu rollen ... Die Kinder lieben Pippi. Und die Erwachsenen? Sie sind skeptisch, jedenfalls die Moralapostel unter ihnen. Pippi Langstrumpf gilt ihnen als schlechtes Vorbild. Kinder sollten spuren, so das Credo, nicht die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt.

Pippi © OetingerSchlampig, vulgär und demoralisierend

Zudem sei die Sprache schlampig und vulgär, das Buch demoralisierend. „Kein normales Kind“, schreibt damals der geachtete schwedische Literaturkritiker Professor John Landquist in der Zeitung Aftonbladet, „isst eine ganze Sahnetorte auf oder geht barfuß auf Zucker. Beides erinnert an die Phantasie eines Irren.“ Er bescheinigt Astrid Lindgren, sie sei ohne Talent und unkultiviert und Pippi unnormal und krankhaft. Das Buch erscheine ihm wie „etwas Unangenehmes, das an der Seele kratzt.“ Und so traut sich in Deutschland zunächst niemand an den vermeintlich jugendgefährdenden Stoff heran. Fünf Verlage lehnen ab. Bis Friedrich Oetinger auf den Plan tritt. Der Hamburger Verleger ist eigentlich auf Wissenschaftsbücher spezialisiert, aber so fasziniert von Pippi Langstrumpf, dass er sie im Herbst 1949 nach Deutschland holt.

Heute sind die Abenteuer von Pippi in 77 Sprachen übersetzt, unsere kleine Heldin wird geliebt und verehrt von Japan bis Amerika. Und was ihren vermeintlich negativen Einfluss auf Kinder angeht – den hat ihr bis heute niemand nachweisen können. Das Gegenteil ist der Fall: Heute assoziieren die meisten Eltern positive Aspekte wie Mut, Fantasie und Zusammenhalt mit dem stärksten Mädchen derWir verlosen 3 x Pippi Langstrumpf Band 1 mit den neu erschienenen Original-Illustrationen aus Schweden.

Habt ihr das gewusst?

  • Astrid Lindgren schickte das Pippi Langstrumpf-Manuskript an einen Verlag mit den Worten „In der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren“.
  • Fünf deutsche Verleger lehnten das Buch ab, bevor der Verleger Friedrich Oetinger es veröffentlichte.
  • Übersetzerin von Pippi Langstrumpf ins Deutsche war Cäcilie Heinig, geboren 1882 bei Danzig. Die Jüdin emigrierte 1933 nach Kopenhagen, später nach Stockholm.
  • Am 1. September 1945 erschien Pippi Langstrumpf erstmals als Buch in Schweden. Innerhalb von zwei Wochen verkauften sich mehr als 20.000 Exemplare.
  • Der vollständige Name von Pippi lautet: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf.
  • Der Filmaffe („Herr Nilsson“) riss Hauptdarstellerin Inger Nilsson immer wieder die Perücke vom Kopf und pinkelte ihr auf die Schulter. Er war nicht dressiert.
  • Das Zitat „Sei frech, wild und wunderbar“ wird häufig Pippi Langstrumpf zugeschrieben. Es stammt aber nicht von ihr. Es stammt von einer deutschen Postkarte, auf der sich ein Kind als Pippi verkleidet hat.
  • Der Schimmel hieß eigentlich „Bunting“, seine Punkte wurden mit Haarfärbemittel aufgetragen.
  • Der Name von Kapitän Langstrumpfs Schiff „Hoppetosse“ bedeutet im Schwedischen „widerspenstiges Mädchen“.
  • 1949 wurde Pippi Langstrumpf erstmals verfilmt – aber Astrid Lindgren gefiel das Ergebnis nicht.
  • Die Figur der strengen Fräulein Prysselius kommt nur in den Filmen, nicht in den Büchern vor. Sie wurde mit einer deutschen Schauspielerin besetzt, die ihre Kostüme selber nähte und bei den Dreharbeiten nicht immer ganz nüchtern war. Die Einbrecher wurden ebenfalls von deutschen Schauspielern gespielt.

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