Medien

Französische Familienkomödie

Annika Hoffmann · 08.05.2018

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„Wohne lieber ungewöhnlich" © Neue Visionen

„Wohne lieber ungewöhnlich" © Neue Visionen

Gabriel Julien-Laferrières neuer Film „Wohne lieber ungewöhnlich“ zeigt humorvoll, was passieren kann, wenn die Kinder einer 15-köpfigen Patchworkfamilie eine Wohnung besetzen und fortan den komplizierten Betreuungsplan selber bestimmen.

Der dreizehnjährige Bastien ist Teil einer großen Patchworkfamilie mit insgesamt sechs Halbgeschwistern von noch mehr Elternteilen. Der Zusammenhalt unter den Kids könnte besser nicht sein, die Zusammenarbeit der Eltern lässt allerdings zu wünschen übrig. Der Alltag der Kinder ist geprägt vom ständigen Hin- und Her zwischen den verschiedenen elterlichen Wohnungen. Ankommen, Zuhause fühlen und Familienleben? Fehlanzeige! Also beschließen die Kinder kurzerhand, alle zusammen in die leerstehende Wohnung einer ihrer verstorbenen Großmütter zu ziehen und ab sofort die Eltern zu sich kommen zu lassen. Diese werden vor vollendete Tatsachen gestellt – und tun sich schwer mit der neuen Wohn- und Familiensituation.

Liebevoll-chaotisch entwickelt sich die Handlung weiter und nimmt die egozentrischen Erwachsenen in den Fokus. Jeder einzelne hat mit seinen eigenen kleinen Problemen zu kämpfen, und zwischen Job, Kindern und vor allem der Liebe kreisen die Eltern eigentlich die meiste Zeit nur um sich selbst. Aus Bastiens Sicht ist es die Schuld dieser verflixten Liebe, dass alles immer wieder kaputt geht – Streit, Trennung, Scheidung ... immer wieder aufs Neue. Doch im Laufe des Films wird deutlich, dass es eben diese Liebe ist, die die Familie zu dem gemacht hat, was sie ist und die sie auch in Zukunft zusammenhalten wird. Es kann zwar manchmal Furcht einflößend sein, viel zu riskieren und sich immer wieder kopfüber in sie hineinzustürzen – doch sie ist es immer wert.

Der Film feiert die französische Lebenspohilosophie des savoir-vivre, also die Kunst, das Leben zu genießen – an manchen Stellen mit ein paar Tränen, an anderen mit viel Kitsch, aber immer mit viel Humor ... und Vin. Etwas irreführend fanden wir den Titel „Wohne lieber ungewöhnlich“, denn es geht ja nicht um eine unkonventionelle Wohnung, sondern vielmehr um das familiäre Zusammenleben an sich, was auf eine „ungewöhnliche“ Weise auf die Probe gestellt wird. Der englische Titel „We are family“ passt da schon besser.

Deutscher Kinostart ist der 17. Mai 2018.

 

Spielzeit: 1 Std. 35 Min.

Regie: Gabriel Julien-Laferrière

Darsteller: Julie Gayet, Thierry Neuvic, Julie Depardieu u.a.