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Ein Mädchen und ihr Löwe

Bettina Schaefer · 15.01.2019

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© Studiocanal GmbH / Kevin Richardson

© Studiocanal GmbH / Kevin Richardson

Am 31. Januar 2019 kommt „Mia und der weiße Löwe“ in die deutschen Kinos – ein Familienfilm mit einem besonderen Anliegen, der auf ungewöhnliche Art entstand.

„König der Tiere“ – so nennt man den afrikanischen Löwen. Die Art ist bedroht, ihr Lebensraum hat sich massiv verändert. Zudem werden auf Löwenfarmen gezüchtete Tiere bis heute legal auch an Unternehmen verkauft, die für Trophäensammler Jagden organisieren.

Gilles de Maistre, von Hause aus Dokumentarfilmer, fragte sich, wie man ein breites Publikum erreichen kann, um auf die Situation der Tiere aufmerksam zu machen. Inspiriert durch die Begegnung mit einem Kind auf einer Löwenfarm entstand die Idee zu einem Familienfilm mit einer emotionalen Geschichte.

Die Story

Die in London aufgewachsene elfjährige Mia verschlägt es mit ihrer Familie in den südafrikanischen Busch, wo der Vater die Löwenfarm seiner Eltern übernimmt. Das Mädchen hat zunächst Schwierigkeiten, sich einzuleben. Doch dann erobert ein an Weihnachten geborener weißer Löwe namens Charlie Mias Herz und lässt sie wieder glücklich werden. Während die beiden zusammen heranwachsen, verbindet sie eine innige Freundschaft. Als Charlie drei Jahre alt und ein prächtiger ausgewachsener Löwe ist, entdeckt Mia eine furchtbare Wahrheit über das Schicksal einiger auf der Farm aufgezogener Tiere. In der Sorge, auch Charlies Leben sei in Gefahr, begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch Südafrika, um ihn an einen sicheren Ort zu bringen.

Der Löwenflüsterer

So spannend wie die Geschichte ist auch die Entstehung des Films. Als Gilles de Maistre die Umsetzung in Angriff nahm, fand er in Kevin Richardson den passenden Partner. Der Experte setzt sich für den Schutz der Löwen und die Ausweitung ihres natürlichen Lebensraums ein. Sein besonderes Vorgehen hat ihm den Beinamen „Der Löwenflüsterer“ eingetragen. In den vergangenen 20 Jahren hat er intensiv mit den Tieren gearbeitet. Dabei baute er außerordentlich intime Bindungen zu einzelnen Individuen auf. Seine Empfehlung an Gilles de Maistre war ein für eine Filmproduktion ziemlich ungewöhnliches Vorgehen.

Dreharbeiten über drei Jahre

Die Dreharbeiten wurden auf einen Zeitraum von drei Jahren ausgelegt, während derer ein Löwenjunges namens Thor zu einem ausgewachsenen Löwen heranwuchs – gemeinsam mit zwei Kindern. Daniah de Villiers, die die Hauptfigur Mia verkörpert, und Ryan Mac Lennan, der deren Bruder Mick spielt, beschäftigten sich praktisch täglich mit dem Tier, um sich mit ihm vertraut zu machen. So konnte eine sehr enge, intime Bindung zwischen den Menschenkindern und dem Löwenkind aufgebaut werden – die Voraussetzung für Dreharbeiten ohne jede Art von Tricktechnik und bestmögliche Sicherheit für die Akteure.

Gespräch mit Daniah de Villiers


Mia (Daniah de Villiers) und ihr bester Freund der weiße Löwe Charlie (Thor). © Studiocanal GmbH / Kevin Richardson

Für die heute 15-jährige Hauptdarstellerin Daniah de Villiers war das Projekt ein großes Abenteuer. Wir sprachen mit der heute 15-jährigen Nachwuchsschauspielerin darüber.

KÄNGURU: Daniah, worum geht es in „Mia und der weiße Löwe“?

Daniah: Mia ist elf Jahre alt, als ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt wird, weil ihre Familie von London nach Südafrika zieht, um eine Löwenfarm zu betreiben. Dort wird sie erst glücklich, als ein weißer Löwe geboren wird: Charlie. Im Verlauf von drei Jahren entwickeln die beiden eine einzigartige Freundschaft, während sie zusammen aufwachsen – aus dem Löwenjungen wird ein ausgewachsener Löwe. Mias Leben wird erneut erschüttert, als sie eine unerträgliche Wahrheit über das Schicksal einiger auf der Farm aufgezogener Löwen erfährt. Sie muss mit Charlie fliehen, um ihn zu retten.

Der Film handelt von der Großartigkeit der Löwen. Aber er ist auch ein Familienfilm – die Geschichte einer besonderen Freundschaft, über Liebe und Vertrauen zwischen diesem Mädchen und einem Löwen, wie sie sehr real während der Dreharbeiten auch zwischen mir und Thor existierte. Außerdem geht es darum, für das einzutreten, woran man glaubt. Ich denke, das ist eine wichtige Botschaft des Films.

„Mia und der weiße Löwe“ war keine ganz normale Filmproduktion. War dir die Dimension des Projekts gleich klar?

Nein, definitiv nicht. Ich glaube ich habe geahnt, dass es wegen dieses einzigartigen Konzepts etwas großes, beinahe unglaubliches sein würde. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so magisch werden würde und dass ich eine so große Liebe für Löwen entwickeln würde. Das hat mich einfach umgehauen.

War dir von Anfang an klar, dass die Produktion so lange dauern würde?

Ja, man hatte von Anfang an sehr deutlich gemacht, dass sich die Filmproduktion über drei Jahre erstrecken würde, damit der Löwe mit mir aufwachsen kann. Es war auch klar, dass meine Familie dafür in eine andere Stadt an den Rand des Buschlands ziehen musste, wo die Dreharbeiten stattfanden – keine leichte Entscheidung. Aber ich war vollkommen begeistert von der Möglichkeit, mit Löwen zu arbeiten.


Mia (Daniah de Villiers) und ihr bester Freund Charlie (Thor). © Studiocanal GmbH / Coert Wiechers

Bei diesem Film wurde nicht mit Tricktechnik gearbeitet, und du hattest auch kein Double. Bestimmt war es nicht ganz einfach, deine Eltern von dem Projekt zu überzeugen.

Es war letztendlich eine gemeinsame Entscheidung. Wir als ganze Familie waren damit im Reinen, dass wir uns auf das Abenteuer einlassen wollten. Ich glaube, was meinen Eltern Sicherheit und Zuversicht gegeben hat, war, dass Kevin Richardson die Dreharbeiten begleitete, denn er hat gut 20 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit diesen erstaunlichen Tieren. Auch das Vorgehen, eine sehr intime Beziehung zwischen mir und einem Löwen aufzubauen, hat Vertrauen geschaffen. Meine Eltern haben gesehen, wie sehr Thor mich liebte und wie sehr ich ihn liebte. Nur durch diese ganz besondere Bindung war es überhaupt möglich, ohne Spezialeffekte und Ähnliches zu drehen.

Und was haben deine Freunde gesagt?

Sie waren begeistert und haben mich unterstützt. Einige haben mich für ziemlich verrückt gehalten, weil sie noch nie von so etwas gehört hatten: über längere Zeit mit Löwen zu leben.

Du hast also nicht nur eine Rolle gespielt – zeitintensiv war vor allem, dich mit Thor vertraut zu machen.

Ja, die eigentliche Arbeit war der Umgang mit den Löwen – und das war das allerbeste überhaupt! Dreimal die Woche, zwei Stunden pro Tag gehörte es zu meinen Aufgaben, Gehege zu reinigen, Fleisch zu zerkleinern und zu verfüttern. Am allerwichtigsten aber war es, Zeit insbesondere mit Thor zu verbringen, um diese besondere Bindung aufzubauen. Selbst wenn gedreht wurde und ich gespielt habe, war es nicht wirklich Schauspiel. Im Prinzip wurde mein tägliches Leben gefilmt. Genau das macht den Film so real und authentisch.

Hattest du denn noch genug Zeit für das normale Leben eines Teenagers?

Ja ... na ja, meine Eltern haben aufgepasst, dass ich mich nicht selbst in eine Löwin verwandelt habe. Denn am liebsten hätte ich jede Sekunde jedes Tages mit den Tieren verbracht. Es blieb genug Zeit für Freunde und „normale“ Aktivitäten, aber Thor wurde mein allerbester Freund.

Thor war auch dein Schauspielkollege. Aber natürlich konnte er das Drehbuch nicht lesen. Wie konnte man ihn dazu bringen, das zu tun, was für die einzelnen Szenen gebraucht wurde?

Es war eher so: Alles drehte sich um Thor. Die Szenen wurden an ihn angepasst – an seine Stimmung, daran, wie er drauf war. Oft musste ich nur aufgreifen, was er tat. Manchmal haben wir mit Fleisch als Belohung gearbeitet. Aber wenn er etwas nicht machen wollte, dann musste eben das Drehbuch geändert werden. Wichtig war vor allem, dass er Freude an der Arbeit hatte. Man konnte sehen, dass es so war, denn er liebte es, wenn er ins Fahrzeug geladen wurde und es zum Filmen ging.
Er ist eine neugierige Katze, und er ist schlau. Wenn wir etwas wieder und wieder probierten, konnte man sehen, wie es bei ihm Klick machte: „Ok! Verstanden!“ Es haute uns um, was er alles konnte und wie gut er uns sozusagen zuhörte, und manchmal war es, als hätte er das Drehbuch gelesen. Es war unglaublich, mit ihm als Schauspielkollegen zu arbeiten.


Mia (Daniah de Villiers) spielt mit dem Löwenjungen Charlie (Thor). © Studiocanal GmbH / Coert Wiechers

Ein Filmteam besteht typischerweise aus vielen Dutzend, wenn nicht mehr als 100 Menschen. Wie war das bei diesem Dreh organisiert und wie kam Thor damit klar?

Es gab strikte Regeln, wer sich am Set aufhalten durfte. Nur die Personen, deren Anwesenheit unbedingt erforderlich war, durften vor Ort sein und zum Beispiel filmen – zu ihrer Sicherheit aus Käfigen heraus, denn natürlich hatten sie nicht diese enge Bindung zu Thor. Der Löwe kam jeweils erst dann am Set an, wenn alles bereit war, sodass er nicht warten musste oder ähnliches. Wie gesagt: Es drehte sich alles um ihn.

Die Figur Mia wächst von einem elfjährigen Kind zu einem vergleichsweise reifen 14-jährigen Teenager heran – genauso wie du während der drei Jahre Drehzeit. Du warst also die ganze Zeit sehr nah an der Rolle.

Es war tatsächlich sehr leicht, mich mit Mia zu identifizieren und ihre Situation nachzuempfinden. Ich denke das ist etwas ganz besonderes: mit der Figur, die man spielt, etwas zu teilen – etwa die Liebe für den Löwen und dieses Zutrauen zu ihm.
Mia ist eine starke Persönlichkeit, und das muss sie sein, für all das, was sie durchzustehen hat. Am Anfang ist sie ein kleiner Rebell, selbstsüchtig und streitlustig – sie liebt vor allem sich selbst. Gegen Ende tut sie alles für Charlie. Sie beginnt ein selbstloses Leben, wird immer unabhängiger. Sie streitet nicht mehr, sondern handelt: Sie wird aktiv und kämpft für das, woran sie glaubt.

Genauso eng wie Mias Beziehung zu Charlie im Film ist, musste deine zu Thor sein. Mias Geschichte beziehungsweise die Dreharbeiten sind zu Ende. Geht deine persönliche Geschichte mit Thor weiter?

Thor loszulassen war hart für mich, und das ist noch untertrieben. Ich liebe ihn von ganzem Herzen. Wir sind wieder umgezogen, aber ich besuche ihn, so oft es geht. Wenn ich ihn jetzt sehe, ist es aber durch einen Zaun, und das ist etwas anderes.

Du nennst dich „Schauspielerin, Sängerin und Fürsprecherin der Wildtiere“. Offensichtlich sind das für dich gleichwertige Attribute, die dich allesamt stolz machen. Inwieweit engagierst du dich für Wildtiere beziehungsweise für Löwen?

Ich habe eine so große Liebe für die Tiere entwickelt! Ich möchte meine Erfahrungen teilen und alle aufklären, die nichts von der schwierigen Situation der Löwen wissen. Ich möchte Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und durch Bildung auch junge Menschen erreichen. Für Vorträge und Gesprächsrunden habe ich Schulen besucht. Und ich unterstütze die von Kevin Richardson kürzlich gegründete Stiftung in jeder Hinsicht.

Kevin Richardson wird auch „Löwenflüsterer“ genannt. Was ist sein Anliegen?

Kevin Richardson ist ein Kämpfer, ja ein Krieger für die Tierwelt, würde ich sagen. Er hat in den letzten 20 Jahren unendlich viel Zeit und Anstrengung in die Arbeit mit seinen Löwen investiert. Dadurch war es ihm möglich, ein öffentliches Bewusstsein für die Belange dieser Art zu schaffen, und mit seiner Kampagne „Land for Lions“ die Lebensräume für Löwen zu erhalten und zu erweitern. Es war eine große Ehre, ein Stück weit in seinen Fußstapfen zu gehen.

Zu guter letzt: Magst du einige besonders erinnerungswürdige Momente aus der Drehzeit mit unseren Lesern teilen?

Sehr beeindruckend und vielleicht der erinnerungswürdigste Moment von allen war, als Thor zum allerersten Mal gebrüllt hat – während wir gedreht haben! Ich dachte: „Oh! Mein Baby ist erwachsen geworden!“ Es war unglaublich, das zu erleben. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass sich ein solch mächtiges, starkes Tier entschieden hat, so sanft und liebend mir gegenüber zu sein. Das ist magisch.
Die größte Überraschung war es, als ich beim Reinigen eines Geheges den Milchzahn eines Löwenjungen fand – etwas ganz besonderes. Ich trage ihn an einer Kette, die ich praktisch nie ablege.
Den allerschönsten Moment mit Thor hatte ich beim Dreh dieser Szene: Wir lagen oben auf dem Autodach. Es war sehr kalt. Thor war dabei einzuschlafen. Ich lag auf ihm, und er hielt mich warm. Das war ein ganz besonderer, sehr intimer Moment mit dem Löwen, den man übrigens auch im Trailer sehen kann!

Daniah, herzlichen Dank für dieses Interview!


Familie Owen und der weiße Löwe Charlie: Mias Mutter Alice (Mélanie Laurent), Mias Bruder Mick (Ryan Mac Lennan), Mia (Daniah de Villiers) mit dem Löwen Charlie (Thor) und ihr Vater John (Langley Kirkwood) © Studiocanal GmbH / Coert Wiechers

Mia und der weiße Löwe

Filmstart: 31. Januar 2019
Buch: Prune de Maistre & Gilles de Maistre; Adaption: William Davies
Regie: Gilles de Maistre in enger Zusammenarbeit mit Kevin Richardson
Darsteller: Daniah de Villers (Mia), Mélanie Laurent (Mias Mutter Alice), Langley Kirkwood (Mias Vater John), Ryan Mac Lennan (Mias Bruder Mick), Thor (als der Löwe Charlie) u. w.
Produktion: Galatée Films, Outside Films
Im Verleih von STUDIOCANAL
FSK 6

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