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Deutscher Kinder- und Jugendliteraturpreis

Stefanie Boor · 06.11.2018

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Literaturpädagogin Stefanie Boor

Literaturpädagogin Stefanie Boor

Bundesministerin Dr. Franziska Giffey verlieh im Oktober den jährlichen Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis. Drei junge Vorlesewettbewerbs-Sieger aus NRW, dem Saarland und Hessen unterstützten die Ministerin bei der Übergabe der bronzenen Momos an die Gewinner. Insgesamt war die Frankfurter Buchmesse mit dem Motto „We are all on the same page“ in diesem Jahr politischer denn je.

580 Neuerscheinungen wurden diesmal für den einzigen deutschen Staatspreis für Literatur eingereicht. Die drei ehrenamtlichen Jurys – Kritiker-, Jugend- und Sonderpreisjury – lasen sich durch eine breite Büchervielfalt. Vor allem die jungen Mitglieder der Jugendjury, allesamt aus bundesweiten Leseclubs, fokussierten sich erneut auf Titel mit gesellschaftskritischem Anspruch. Unter ihnen ist derzeit der Leseclub Karigis der Integrierten Gesamtschule Innenstadt und des Schiller-Gymnasiums Köln mit dabei.

Den Nerv der Zeit traf der Siegertitel der jugendlichen Juroren: „The hate U give“ von Angie Thomas (cbj Verlag), übersetzt von Henriette Zeltner, ist ein Appell für mehr Zivilcourage. Das Buch, für Leser ab 14 Jahren, thematisiert rassistische Polizeigewalt in den USA. Die junge schwarze Heldin Starr bietet großes Identifikationspotential und motiviert junge Leser, das eigene Handeln zu hinterfragen.

Norwegisches Märchen und Tierfreundschaft

Die Kritikerjury zeichnete die Sieger in den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch aus. Als bestes Bilderbuch konnte sich „Der siebente Bruder oder Das Herz im Marmeladenglas“ von Øyvind Torseter (Gerstenberg Verlag), übersetzt von Maike Dörries, durchsetzen. Es ist eine Graphic Novel, ein traditionelles norwegisches Märchen in vielen Bildern, das verschiedene Illustrationsstile anspruchsvoll verbindet und sich an Leser ab 10 Jahren richtet.

Das beste Kinderbuch „Viele Grüße, Deine Giraffe“ der japanischen Autorin Megumi Iwasa (Moritz Verlag) mit pointierten Illustrationen von Jörg Mühle richtet sich an Erstleser, bietet sich aber auch wunderbar zum Vorlesen an. Die Freundschaftsgeschichte von Pinguin am Südpol und Giraffe in Afrika mit den vielen Verwicklungen rund um’s Briefeschreiben entfaltet ihre Wirkung nicht zuletzt durch die gelungene Übersetzung von Ursula Gräfe.

Folgen der Wende und Naturgleichgewicht

In der Sparte Jugendbuch setzte sich „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ (Verbrecher Verlag) von Manja Präkel durch. Die Autorin erzählt mit dokumentarischer Genauigkeit vom Aufwachsen in der DDR, der Wende und ihren Folgen. Es geht um eine Generation, die abseits der Großstädte die politische Wende weniger als Befreiung erlebt hat – und wie rechtes Gedankengut dort um sich greifen kann. Die Jury bezeichnete das Buch als erschreckend aktuell.

Ebenso aktuell geht es im Sachbuch zu: „Der Dominoeffekt oder Die unsichtbaren Fäden der Natur“ (Fischer Sauerländer Verlag) von Gianumberto Accinelli hat die bronzene Momo in dieser Sparte erhalten. In der Übersetzung von Ulrike Schimming schildert der Autor, promovierter Ökologe, in 18 Kapiteln die verheerenden Folgen menschlicher Eingriffe in das sensible Gleichgewicht der Natur. Die Illustratorin Serena Viola verleiht dem Buch eine Art Leichtigkeit und macht deutlich, dass alles miteinander in Zusammenhang steht.

Zu guter Letzt verlieh die Sonderpreisjury in Frankfurt noch die Preise für das Gesamtwerk und Neue Talente, 2018 beide im Bereich Übersetzung. Uwe-Michael Gutzschhahn wurde für sein umfangreiches Werk, vor allem als „deutsche Stimme“ des Autors Kevin Brooks, ebenso geehrt wie Gesa Kunter konkret für den Titel „Schreib! Schreib! Scheib!“ (Beltz & Gelberg Verlag).

Jugendjury

Preisträger in der Kategorie Jugendbuch:
„The hate U give“ von Angie Thomas (cbj Verlag), übersetzt von Henriette Zeltner, ab 14, 18,00 €

Kritikerjury (erwachsene Juroren)

Preisträger in der Kategorie Bilderbuch:
„Der siebente Bruder oder Das Herz im Marmeladenglas“ von Øyvind Torseter (Gerstenberg Verlag), übersetzt von Maike Dörries, ab 10, 26,00 €

Preisträger in der Kategorie Kinderbuch:
„Viele Grüße, Deine Giraffe“ von Megumi Iwasa (Moritz Verlag), illustriert von Jörg Mühle, übersetzt von Ursula Gräfe, ab 6, 10,95 €

Preisträger in der Kategorie Jugendbuch:
„Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ (Verbrecher Verlag) von Manja Präkel, ab 16, 20,00 €

Preisträger in der Kategorie Sachbuch:
„Der Dominoeffekt oder Die unsichtbaren Fäden der Natur“ (Fischer Sauerländer Verlag) von Gianumberto Accinelli, illustriert von Serena Viola, übersetzt von Ulrike Schimming, ab 12, 19,99 €

In alle Siegertitel könnt ihr am Literaturabend der VHS Köln am 23. November 2018, von 18 bis 20.15 Uhr, hineinblättern.

Mehr Infos bei der VHS Köln. Alle nominierten Bücher findet ihr übrigens auf der Website des Arbeitskreises für Jugendliteratur.

Stefanie Boor ist Literaturpädagogin auf Textpiraten.de.