Kolumne

Weisheit, die aus Kindern spricht

Frau Karli · 22.03.2018

zurück zur Übersicht
© ThomasVogel/iStockPhoto.com

© ThomasVogel/iStockPhoto.com

Oder: Eigentlich bin ich ganz anders. Unsere Kolumnistin Frau Karli über gesammelte Kindersprüche.

Eltern von heute sind oft gestresst, überfordert und können schon mal das rechte Maß, gesunde Prioritäten und sogar die Himmelsrichtung aus dem Blick verlieren. Ich weiß, das klingt ein bisschen dramatisch – aber manchmal ist es das auch. Nun, zu unserer Verteidigung sei angemerkt, dass der Mensch in Zeiten verstärkter Berieselung und Belastung einfach nicht die coolste, fähigste, lieblichste Version seiner selbst sein kann. Wie sagte der österreichische Schriftsteller Edmund Josef von Horváth so schön (oder war es doch Udo Lindenberg?): „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“

Das Praktische am Elternsein wiederum ist, dass wir ständig von kleinen Spieglein umgeben sind. Meine Kinder jedenfalls sind stets zur Stelle, um mir dezent zu signalisieren, wann ich gerade mal wieder nicht rundlaufe. Wie neulich im Eifer des Familienalltags, als mich unsere Zehnjährige ermahnte: „Pass auf, wie du sprichst, Mama – gleich musst du dich wieder bei mir entschuldigen.“ Oder letzten Monat, als ich total gehetzt und derangiert mit beiden Mädchen im Auto saß – viel zu spät dran eigentlich, um es noch rechtzeitig zum Klavierunterricht zu schaffen. Als die beiden mit ihrem fröhlichen Geplapper meine bröselige Konzentration störten und ich mich gezwungen sah, sie anzuherrschen, belehrten sie mich: „Viel wichtiger als pünktlich ankommen ist lieb zu seinen Kindern zu sein, Mama!“ Auch der Punkt ging an die Kinder.

„Da langte es unserer Großen"

Die allerpeinlichste Zurechtweisung jedoch erfuhr ich kürzlich – und das auch noch vor anderen Leuten, wir hatten Besuch. Peinlich vor allem deshalb, weil der Rüffel so grundsätzlich und so richtig war. Es war so: Da ich in müdem Zustand überhaupt kein Multitasking kann und will, hatte ich jede Kinderfrage abgewürgt und abgeschmettert, um neben dem Smalltalk mit den Gästen endlich, endlich das Abendessen auf den Tisch zu bringen. Und da langte es unserer Großen. Sie ergriff meine Hand, sah mir in die Augen und sprach: „Wenn man Kinder hat, muss man auch mal eine Frage beantworten. So ist das, das muss eine Mama aushalten.“ Oh Mann, irgendwann gebe ich die gesammelten Sprüche als Kalender heraus – als Mahnmal gegen mütterliche Bescheuertheit und reinigende Geste der Demut.

Herzlichst Ihre
Frau Karli

© John Krempl/photocase.com

Tags: