Kolumne

Von Dingen und Undingen

Frau Karli · 09.11.2018

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© Lisa Fotios/Pexels

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Oder: Muckeligkeit für umme ... aus dem Leben der Frau Karli.

Wenn ich mal dazu komme, mache ich mir gerne Gedanken darüber, wie ich meinen Kindern eine Freude machen und sie mit altersgerechten, entwicklungsförderlichen Impulsen versorgen kann. Vor Geburtstagen und anderen feierlichen Anlässen habe ich deshalb schon mehr an Lebenszeit und Penunzen in weitschweifige Internetrecherchen und Käufe investiert, als ich mir selbst eingestehen mag.

Rieseneinhörner und Nailart-Utensilien

So haben schon viele beknackte und nutzlose Spiele und Gegenstände den Weg in unseren Haushalt gefunden: ein Müllauto für den Sandkasten, der so empfindlich und unbespielbar wirkt, dass beide Töchter ihn immer zu schade fanden, um ihm seinen originären Verwendungszweck zuzumuten. Bücher, mit denen außer meinem inneren Kind niemand etwas anfangen kann. Nicht mal ich! Klamotten, deren Anblick spontan Befremden und Belustigung auslösen. Zu meiner Verteidigung: Ich habe auch tolle Evergreens aufgetrieben – das XXL-Einhorn „Elsa“ zum Beispiel wird seit acht Jahren so lebendig in unser Familienleben eingebunden, dass selbst ich manchmal das Wort an sie richte, wenn sonst niemand mit mir spricht. Oder die total tussigen Nailart-Utensilien, die wir für unsere Polymerknete-Projekte verwenden: Unverzichtbar! Dabei braucht man gar nicht in die digitale Ferne zu schweifen – das Glück liegt manchmal vor der eigenen Haustür herum und kostet nicht mal was.

Schätze aus dem Steinkreis

In unserem Viertel, wo alle außer uns wohlhabend sind, wird Aussortiertes gerne im Steinkreis ausgelegt, einem beliebten Treffpunkt für umherstromernde Eltern und Kinder. Und was fand ich da neulich? Ein völlig unbenutztes, entzückend illustriertes französisches Miniatur-Kartenspiel. Was für eine Bereicherung! Statt uns abends in der Dauerschleife über Mathe- und Englischhausaufgaben zu zanken, spielen unsere Große und ich neuerdings Patience und hören dazu unsere wachsende Playlist. Zu den einzelnen Titeln gebe ich keine öffentlichen Kommentare ab. Soviel kann ich preisgeben: Mein Mann verlässt gerne den Raum, sobald unsere Augen glasig werden, weil einem die Songtexte so ans Herz gehen. Hach, die dunklen Winterabende: Sie können kommen.

Herzlichst Ihre
Frau Karli


© John Krempl/photocase.com