Kolumne

Magendarm und Olaf

Frau Karli · 18.10.2017

zurück zur Übersicht
Foto: Pexels

Foto: Pexels

Oder: as zen as possible ...

Wir kennen sie alle, liebe Mamis und Papis: Dicht getaktete Wochen voller Termine und Jobs und Erledigungen. Ein Hauch – und das ganze fragile Zeitgerüst bricht zusammen. Diese Woche ist so eine Woche. Es stehen an: satte zwei Geburtstagspartys (in unseren eigenen vier Wänden), für die Große Musikschule, externe Geburtstage. Ich selbst brauche meine Kraft und meine Synapsen dringend, um Kundentermine und Seminare vorzubereiten - und ausgerechnet in der kostbaren Zeitpufferzone am Abend muss man dann noch zum Elternabend in die Schule eilen. Und der Steuerberater sitzt uns auch im Nacken.

Ein Hauch

Der Hauch ereilte uns dann zu Beginn der Woche in Form einer Magendarm-Attacke unserer Dreijährigen: Zwei Tage vor ihrem Geburtstag wacht das arme Ding mit Übelkeit, heißem Kopf und Bauchweh auf. Und auch mir wurde, nachdem das Kind mit Zwieback, Tee und Liebkosungen versorgt war, kurz übel angesichts der Verschiebungen in meinem sorgfältig ausgetüftelten Planungs-Kontinuum. Autsch!

Was soll ich sagen: Zwei, drei achtsam formulierte Mails mit menschlich-ehrlichem Inhalt später hatte ich von dem ganzen Familienunternehmens-Wahnsinn bereits losgelassen. Passend dazu schauten unsere Kleine und ich (werktags, juchu!) gleich zwei mal hintereinander Eiskönigin und sangen aus voller Kehle „Ich lass los, lass jetzt los!“ – unterbrochen lediglich von Würgereflexen, eiligen Toilettengängen und Aufwallungen im Magenbereich.

Nur eine Darmgrippe von Zen entfernt

Dann lackierten wir unsere Nägel in Bollywood-Gold (auch an den Füßen) und versuchten, unseren Hamster zu dressieren. Als wir von alldem genug hatten, spielten wir auf-dem-Teppich-hin-und-her-rollen-und-ein-dummes-Gesicht-dabei-machen. Und wie es dann so ist an Tagen, an denen man innerlich auf Zen stellt, habe ich dann noch nicht einmal mehr die simpelsten Dinge erledigt, die durchaus machbar gewesen wären: Spülmaschine ausräumen, Briefe frankieren, Geburtstagskerzen besorgen.

Aber hey, dafür haben E. und ich so ausgiebig gekuschelt wie schon lange nicht mehr, seit sie kein Stillbaby mehr ist. Und so bombig abzunehmen wie in den letzten Tagen hätte ich aus reiner Selbstdisziplin nie geschafft. Und wie hieß es noch so schön in Der Teufel trägt Prada: „Ich bin nur noch eine Darmgrippe von meinem Traumgewicht entfernt.“ Also hoch die Fenchelteetassen: Auf die nächste Darmgrippe!

Herzlichst Ihre
Frau Karli

Rote Schuhe

© John Krempl/photocase.com

Tags: