Kolumne

Geschenke, Geschenke

Frau Karli · 28.10.2015

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Foto: Pexels

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Oder: Großzügigkeit beginnt im engsten Kreis.

Als Mutter und überhaupt als Teilnehmerin des Soziallebens kann man mitunter ins Staunen geraten, wie viele Geburtstage und Festivitäten im Laufe des Jahres anfallen. Vermutlich spielt da noch der Zeitraffer-Modus hinein, der sich mit zunehmendem Lebensalter und Familienumfang in unsere Wahrnehmung fräst. Jedenfalls: Ständig sind Geschenke zu besorgen. Für Freunde, für Kinder von Freunden und nicht zu vergessen: für die Freunde der Kinder! Von der Familie ganz zu schweigen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich schenke gern. Aber die Frequenz gibt mir seit geraumer Zeit zu denken. Ständig befasst man sich mit den Wünschen und Bedürfnissen anderer! Wohin soll das führen?

Trüffelbalsamico und Häkelnadeln, die im Dunkeln leuchten

Schon aus Gründen der kosmischen Balance habe ich mich daher kürzlich veranlasst gesehen, einen neuen Brauch zur Welt zu bringen. Der geht so: Wann immer ich ein Geschenk für eine andere Person besorge, kaufe ich etwas für unsere Familie. Und zwar im Schenk-Modus! Das ist ein ganz besonderer Modus, in dem Maß oder Vernunft absolut keine Rolle spielen. Deshalb haben wir neuerdings kleine, sehr stark magnetische Kugeln, aus denen man die unglaublichsten Formen oder geometrische Figuren formen kann. Und goldenen Glitzernagellack. Sehr teuren Trüffelbalsamico (der nur mit Rettich und halbcremigem Käse genießbar ist, dann aber sehr). Häkelnadeln, die im Dunkeln leuchten (unverzichtbar, wenn man heimlich unter der Decke kleine Tierchen häkelt oder einfach nur zum Angeben vor Fremden in halbdunklen Bars). Eine Knoblauchhexe. Selbstklebende Silberkacheln ohne erkennbaren Verwendungszweck.

Was soll ich sagen: Diese bunten Geschenke an uns selbst waren die erfrischendsten Impulse der letzten Monate. Und selten habe ich mit so viel Freude Geld für Krimskrams ausgegeben. Entscheidend ist nämlich nicht, was ich gekauft habe – sondern mit welcher Haltung. Mit wohlwollender Selbstliebe, die in der Dynamik der sozialen Verstrickungen einer Familie manchmal zu kurz kommen kann. Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie demnächst auch noch in die vorweihnachtliche Geschenkebeschaffungs-Stimmung verfallen – und insbesondere die Mütter und Väter dürfen uns das in unserer schönsten Schnörkelschrift ruhig hinter die Ohren schreiben: Gesunde Großzügigkeit beginnt bei uns selbst.

Herzlichst Ihre
Frau Karli


© John Krempl/photocase.com

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