Kolumne

Erst analog, dann digital!

Frau Karli · 14.10.2013

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Foto: Pexels

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ODER: Basisarbeit am Kind ... aus dem Leben der Frau Karli

Ich finde es wichtig, dass sich Kinder in Bücher verlieben, bevor sie den Reizen des Bewegbildes verfallen. Dass sie mit dem Stift (gerne in Schönschrift) vollständige Sätze zu Papier bringen, bevor es für sie zur Selbstverständlichkeit wird, blind Kommunikationsfragmente in die Tastatur zu hacken und nebenbei zu essen und quer über den Erdball Flashmobs zu organisieren. Dass sie wissen, dass es zur neuesten Gitarren-App eine durchaus reizvolle Alternative gibt – nämlich eine Gitarre. Kurz: Dass sie in der analogen Welt Fuß fassen, bevor sie (womöglich für immer) in die digitale abschwirren.

Zettel und Stift vs. IPad

Digital Natives (zu Deutsch: „digitale Eingeborene“) sind Menschen, die mit digitalen Technologien wie Computern, dem Internet, Mobiltelefonen und MP3-Playern aufgewachsen sind. Daneben existiert der Begriff des Digital Immigrant (für „digitaler Einwanderer“) für jemanden, der diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennen gelernt hat. Obwohl ein erheblicher Teil meines privaten und beruflichen Lebens im digitalen Erfahrungsraum stattfindet, gehöre ich gerade noch zur zweiten Kategorie. Erst kürzlich wurde dies wieder deutlich, als ich auf einer Hochzeit versuchte, einen befremdet dreinblickenden Zehnjährigen zu einer spannenden Partie „Käsekästchen“ zu überreden. Das dreidimensionale Spiel „Temple Run“ auf seinem iPad war natürlich um einiges cooler. „Spiele mit Stift und Zettel waren früher ganz normal“, rief ich ihm hinterher, „und wir hatten auch Spaß!“

Fast analoge Spieleabende

Zum Glück ist meine Tochter M. erst fünf. Sie gehört zu jener historisch interessanten Generation digitaler Eingeborener, die von digitalen Immigranten großgezogen werden. Mir ist allzu bewusst, dass dies für M. ein kostbares Zeitfenster ist, in dem wichtige Grundsteine für ihr weiteres Leben gelegt werden. Deshalb genieße ich unsere gemeinsamen Abende, die wir in analoger Unschuld verbringen. Mit Bohnenspielen, unbeholfenem Gitarrengeschrammel und fummeligen Bastelexperimenten. Und doch: Wann immer mir ein Liedtext nicht einfallen will oder wir über Spielregeln streiten, fällt er, der typische Satz: „Ach Mama, guck doch einfach im Internet nach!“  

Herzlichst Ihre
Frau Karli

rote Schuhe

© John Krempl/photocase.com

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