Gesundheit

Sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum

Zartbitter e.V. · 11.01.2016

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Jedes Mädchen und jede Frau hat ein Recht auf Schutz vor sexueller Gewalt! Zartbitter fordert Schutzmaßnahmen für Mädchen und jungen Frauen vor alltäglicher sexueller Gewalt im öffentlichen Raum.

Das große Ausmaß sexueller Gewalt gegen Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof ist schockierend. Die Diskussion über Reaktionsweisen von Polizei und Politik sowie die Planung von Schutzmaßnahmen für zukünftige (Karnevals-)Veranstaltungen ist sicherlich sinnvoll. Allerdings darf auch nicht die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen für jugendliche Mädchen und junge Frauen vor alltäglicher sexueller Gewalt im öffentlichen Raum aus dem Blick geraten.

Im Rahmen des Zartbitter-Modellprojektes „Sichere Orte schaffen – Schutz vor sexueller Gewalt in der Jugendarbeit“ berichten junge Frauen mit und ohne Behinderung immer wieder darüber, dass sie im öffentlichen Raum besonders häufig sexuelle Übergriffe erleben. Als hauptsächliche Tatorte nennen sie neben Discotheken öffentliche Verkehrsmittel (U-Bahn, S-Bahn, Bus).

Eine Erfahrung, die viele teilen

35 Prozent der im Rahmen von 402 Telefoninterviews befragten zufällig ausgewählten Frauen hatten bereits unangenehme Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln erlebt. In 40 Prozent der Fälle blieb es bei verbaler Belästigung, in 16 Prozent der Fälle kam es zu einem tätlichen Angriff. Vier Frauen berichteten von versuchter Vergewaltigung. In einem Fall ging ein Mann dazwischen und schützte eine Frau. Zwei der befragten Frauen wurden Opfer von Vergewaltigungen.

Alarmierend sind ebenso die Ergebnisse einer Umfrage unter Pariser Mädchen und Frauen: 100 Prozent der be- fragten Frauen hatten bereits sexuelle Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln erlebt. 50 Prozent der Opfer waren jünger als 18 Jahre.

Die Öffentlichkeit sensibilisieren

Im Rahmen des Zartbitter-Modellprojektes „Sichere Orte schaffen“ empörten sich in den letzten zwei Jahren wiederholt jugendliche Mädchen und junge Frauen darüber, wie sehr Politik und Gesellschaft bis heute sexuelle Belästigung noch ignoriert und die Opfer alleine lässt. In Bahnen und Bussen würden zwar Aufkleber gegen den Verzehr von Getränken und Nahrungsmitteln hängen, jedoch kein Hinweis auf das Verbot sexueller Belästigung.

Es würde ihre Widerstandskraft sicherlich stärken, wenn in allen Bussen und Bahnen entsprechende Aufkleber hängen würden. Sie könnten zum Beispiel auf einen solchen Aufkleber zeigen, wenn sie vor Schreck über eine sexuelle Grenzverletzung nicht mehr laut NEIN brüllen könnten. Von Aufklebern gegen sexuelle Belästigung in Verkehrsmitteln erhoffen sich jugendliche Mädchen und junge Frauen ebenso, dass andere Fahrgäste mehr Zivilcourage zeigen und bei sexuellen Übergriffen aktiv für sie Partei ergreifen, ihnen helfen. Durchgängig positiv äußerten sich Mädchen und junge Frauen gegenüber Zartbitter über die Reaktionen der Fahrer*innen der Kölner Verkehrsbetriebe, wenn diese über sexuelle Belästigungen informiert würden. Aber leider bekämen diese nur in den wenigsten Fällen sexuelle Belästigungen mit.