Gesellschaft

KÄNGURU-Aktion Dein Verein: Rugby United c/o Rugby Sport Verein Köln e.V.

Jan Lindert · 08.11.2020

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© Rugby United

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„Wir bieten mit Rugby United ein bis heute erfolgreiches Projekt zur Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher.“

KÄNGURU stellt gemeinnützige Vereine und Organisationen aus Köln, Bonn und der Region vor, die sich für Kinder und Familien stark machen und die in der Corona-Krise nicht wie gewohnt arbeiten können. Hier erfahrt ihr, wie ihr unterstützen könnt.

Welche Ziele hat dein Verein?

Der Rugby Sport Verein Köln e.V. ist der einzige Verein der Stadt, in dem Rugby gespielt wird, und ziemlich bunt. So hat man mit den Cologne Crushers das erste gay-inklusive Rugby-Team in Deutschland gestellt. Und dass ausgerechnet die RSV-Frauen als amtierende Deutsche Meisterinnen die bisher größten Erfolge für den Verein gefeiert haben, ist in einer Sportart, die bis vor nicht allzu langer Zeit reine Männerdomäne war, nicht selbstverständlich. Da sich der RSV Köln Diversität auf die Fahnen geschrieben hat, ist es naheliegend, dass man 2016 mit Rugby United ein bis heute erfolgreiches Projekt zur Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher gestartet hat. Viele der Kids, die seitdem Rugby über das Integrationsprojekt kennengelernt haben, sind mittlerweile fester Bestandteil der Kinder- und Jugendabteilung des RSV, die mit über 100 von insgesamt rund 300 Mitgliedern ziemlich stark ist. Rugby in Köln ist bunt. Daher ist der Vereinszweck des RSV nicht nur die Förderung des Sports, sondern auch die Hilfe für Geflüchtete und Menschen, die diskriminiert werden. Das wird mit viel ehrenamtlichen Engagement vom ganzen Verein unterstützt.

Bitte erzähle etwas über die Menschen, die sich in deinem Verein engagieren:

Johanna Wolff-Metternich ist eine der vier Initiatorinnen von Rugby United, einem Integrationsprojekt des RSV, das vor gut vier Jahren ins Leben gerufen worden ist. Seitdem war sie an ganz vielen Dienstagen bei den Rugby-United-Trainings, die speziell für geflüchtete Kids angeboten werden. Denn als ehemalige aktive Rugbyspielerin weiß sie, dass Sport nicht nur Freude macht, sondern auch verbindet und das Selbstbewusstsein stärkt. Johanna findet, dass es besonders für Geflüchtete wichtig ist, sie bei ihrem Start in einem fremden Land zu unterstützen und über den Sport zu integrieren. Die Sportart Rugby ist anfangs für die meisten Kids noch sehr fremd, aber dennoch weckt das Training große Begeisterung, und das gemeinsame Experimentieren mit dem ungewohnten Ball (ein Ei!) fördert das Gemeinschaftsgefühl. Nach dem Training darf natürlich die dritte Halbzeit nicht fehlen. Ausgepowert und matschig wird nach dem Duschen noch bei Snacks und Getränken zusammengesessen. So kommt man noch mal ins Gespräch, lernt neue Kulturen kennen und auch das eine oder andere Wort in den verschiedensten Sprachen und verabredet sich für das nächste Training. Johanna ist nicht nur bei den Trainings dabei, sondern kümmert sich zusammen mit vielen anderen Ehrenamtlichen auch um die Begleitung und die anschließenden Mahlzeiten. Neben den regelmäßigen Trainings, an denen manchmal mehr als 20 Kinder und Jugendliche teilnehmen, unternimmt Johanna auch viel außersportliches mit den geflüchteten Kids. Bereits mehrmals ist man als Rugby-United-Gruppe in selbstgebastelten Kostümen auf dem Veedelszug in Köln-Sülz/Klettenberg mitgezogen. Und wenn beispielsweise das Wetter im Sommer zu heiß ist, sind auch mal "nur" Wasserspiele, auf der Seifenplane Sliden und Eisessen angesagt. Ein tolles Erlebnis für alle ist die gemeinsame Apfelernte auf einer Streuobstwiese mit anschließender Vermostung. Viele der Rugby United Kids sind mittlerweile in den "regulären" Kinder- und Jugendmannschaften des RSV angekommen. Aber auch da muss sich teilweise noch um die Begleitung der Kinder gekümmert werden. So ist Johanna oft auch an Spieltagen samstags und sonntags dabei. Für ihr außergewöhnliches Engagement bei Rugby United hat Johanna im vergangenen Jahr den Ehrwin des Jahres gewonnen, den Ehrenamtspreis der WDR-Lokalzeit. Johanna ist "nebenbei" übrigens auch noch Vorsitzende des Vorstands des RSV Köln.

Wie hat sich die Corona-Krise auf deinen Verein ausgewirkt?

Nach dem Lockdown konnte ja zunächst überhaupt nicht mehr trainiert werden. Das betraf natürlich alle Sportler*innen, aber viele der Kids aus dem Integrationsprojekt Rugby United umso mehr, weil sie oftmals auf sehr beengtem Raum in Unterkünften für Geflüchtete wohnen. Nach dem anfänglichen Schock und der darauffolgenden ratlosen Lähmung, haben wir eine Idee entwickelt, wie wir mit Abwechslung und Zeitvertreib wenigstens ein bisschen das Integrationsziel von Rugby United weiter verfolgen können. Wir haben vor Ostern für jede „unserer“ Familien ein Mitglied unseres Teams ausgewählt und vor allem die Kinder mit Briefen versorgt, die Rätsel, Geschichten, Sportübungen, Bastelanleiteungen und vieles mehr enthielten. So konnten wir den guten Kontakt aufrechthalten bzw. sogar intensivieren und die Situation der Familien vielleicht ein kleines bisschen verbessern. Passenderweise hat uns Mira zu Beginn unserer Brieffreundschaftsaktion „Vergissmeinnicht“ einen ganzen Schatz mit von ihr aussortierten Materialien gespendet: Bücher, Spiele, Bastelmaterialien, Rätselhefte, Malbücher und vieles, vieles mehr. So konnten sich die Teamer*innen mit Materialien für ihre Brieffreund*innen eindecken. Den Rest von Miras Schatz haben wir gegen kleine Spenden an Passant*innen verschenkt, so dass Lisa und Johanna dann einen Teil dieses Geldes in Muffins umsetzen konnten, mit denen sie den Kindern in den unterschiedlichen Unterkünften einen Besuch abgestattet haben. Bei diesem Wiedersehen war die Freude auf beiden Seiten der Zäune (ja leider - anders ging es nicht!) sehr groß. Am allerliebsten wären alle sofort in den Kölner Rugby Park gefahren, um sich mal wieder ordentlich auszutoben. Aber das musste leider noch ein bisschen verschoben werden. Mitte Juli, als gemeinsamer Sport endlich wieder möglich war, hat man das Rugby-United-Training dann kurzerhand vom Trainingsgelände des RSV in die Geflüchtetenunterkunft im Haferkamp in Köln-Stammheim verlegt, wo viele der teilnehmenden Kids leben. Anders als sonst, mit klarem Covid-19-Hygienekonzept und auf die Minimierung potenzieller Ansteckungsgefahr achtend, aber genauso bunt, lustig, anstrengend, sportlich, freundschaftlich und mit ganzem Herzen dabei! Unterstützung für das Rugby-United-Projekt vom RSV Köln ist selbstverständlich jederzeit willkommen. Freiwillige, die zum Beispiel Kinder begleiten möchten, werden herzlich aufgenommen. Der Verein freut sich aber auch über gespendete Sportklamotten - und natürlich auch über Geldspenden, mit denen beispielsweise Fahrtkosten und die Verpflegung bei der sogenannten 3. Halbzeit getragen werden können.

Welche Pläne hat dein Verein für nächstes Jahr?

Für 2021 wünscht sich der RSV Köln vor allem, dass irgendwann der Spielbetrieb wieder aufgenommen kann. Denn immer nur trainieren wird auf Dauer ein bisschen langweilig. Wir hoffen ganz stark, dass wir im nächsten Sommer ein großes Sommerfest im Rahmen eines Tages der offenen Tür veranstalten können. Für Kinder und Jugendliche soll in den Sommerferien wieder ein mehrtägiges Rugby Summer Camp stattfinden, das in diesem Jahr leider ausgefallen ist und an dem dann auch wieder die Kids von Rugby United teilnehmen werden. Hierfür anmelden dürfen sich alle, die jetzt neugierig geworden sind (Anmeldinfos gibt es ab dem nächsten Frühling auf unserer Website). Große Pläne hat man mit der Erweiterung des Kölner Rugby Parks in Köln-Klettenberg. Mittlerweile hat der RSV Köln über 300 Mitglieder, von denen über 100 im Kinder- und Jugendbereich aktiv sind. Da muss dringend ein zweites Spielfeld her. Dafür soll in einem ersten Bauabschnitt das derzeitige Spielfeld verlegt werden, so dass sich daran später ein zweites Feld anschließen kann.

Hier könnt ihr diesen Verein unterstützen:

Spendenkonto Rugby United

Volksbank Köln Bonn eG
DE88 3806 0186 4531 2440 15
GENODED1BRS

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