Familienleben

Ungewöhnliche Hobbys: Cheerleading

Golrokh Esmaili · 06.12.2021

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Cheerleading (Symbolbild) © Jenna/AdobeStock

Cheerleading (Symbolbild) © Jenna/AdobeStock

Wir haben uns gefragt, welche Hobbys können Kinder abseits von Fußball und Ballett haben und herausgefunden: Die Bandbreite an außergewöhnlichen Hobbys ist groß. Wir sprechen mit Kindern und ihren Eltern, die uns ein wenig über ihr Lieblingshobby erzählen. Vielleicht inspiriert es euch oder eure Kinder an der ein oder anderen Stelle.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Name: Mila

Alter: 11 Jahre

Wohnort: Köln-Südstadt

Hobby: Cheerleading


Cheerleading (Symbolbild) © pololia/AdobeStock

KÄNGURU: Mila, wie lange bist du schon im Cheerleading-Verein?

Ich mache Cheerleading seit 4,5 Jahren. Zwischendurch habe ich den Verein gewechselt. Im neuen Verein bin ich jetzt schon 2 Jahre lang.

Wie bist du darauf gekommen?

Ich habe ein paar mal gesehen, wie Cheerleader sich hochheben, und die Tochter von Freunden von uns war früher auch Cheerleader. Seitdem wollte ich Cheerleading machen.

Was lernt man genau beim Cheerleading?

Beim Cheerleading gibt es mehrere Kategorien: Stunten, Tumbling, Tanzen, Jumps und Cheer.

Beim Stunten gibt es die Positionen Back, eine Main Base, eine Side Base und einen Flyer. Manchmal gibt es auch noch eine Front. Main und Site Base stehen links und rechts vom Flyer und heben ihn hoch. Sie fangen die Beine und den Rücken des Flyers auf, nachdem zum Beispiel ein Twist (sich einmal in der Luft dreht) geworfen wurde. Der Flyer ist, wie der Name schon sagt, derjenige, der geworfen und hochgehoben wird. Die Back steht hinter dem Flyer und hilft ihm nach oben. Er stabilisiert zum Beispiel am Fußgelenk und fängt den Oberkörper des Flyers.

Beim Stunten kann man viele verschiedene Dinge lernen. Zu den Figuren, die ich als erstes gelernt habe, gehört zum Beispiel ein Teddy. Bei dieser Figur haben die Bases das Bein des Flyers, das bei ihnen auf der Seite steht, waagerecht auf Brusthöhe in den Händen und die Back stabilisiert an den Oberschenkeln. Der Flyer sitzt somit in der Grätsche. Eine andere Figur ist eine Liberty, das heißt, auf einem Bein stehen. Bei dieser etwas schwierigeren Position gibt es zwei Abwandlungen: Einmal, dass die Bases den Fuß des Flyers auf Brusthöhe haben und die Back an Fußgelenk und Oberschenkel packt, und einmal, dass die Bases die Arme nach oben gestreckt haben und der Flyer von der Back nur am Fußgelenk gehalten wird. Der Flyer steht auch hierbei auf einem Bein auf den Händen der Bases, nur dass diese halt weiter oben sind.

Es gibt noch viele andere Dinge, die beim Stunten Spaß machen, aber man sollte niemals denken, dass ein Flyer oben nichts tun muss. Er muss sich sehr stark anspannen und die Bodypositions (Figuren) immer wieder üben. Die Front geht manchmal (vor allem, wenn der Flyer unsicher steht) entweder an die Fußgelenke des Flyers oder an die Handgelenke der Bases. Manchmal gibt es noch einen Spoter, der den Flyer fängt, falls mal etwas noch nicht so gut klappt.

Es gibt noch einige andere Arten von Stunts. Das, was ich zuletzt beschrieben habe, war der Groupstunt. Es gibt noch eine Pyramide, die mit mehreren Groupstunts zusammen gemacht wird. Die Flyer sind hierbei immer mit ihren Armen aneinander, doch halten sich nicht wirklich fest. Es gibt die sogenannten Baskets, bei denen der Flyer so hoch wie möglich geworfen wird und in der Luft zum Beispiel einen Twist ausführt. Es gibt Two Base, bei dem der Flyer nur von zwei Leuten hochgehoben wird, und den Patnerstunt, bei dem es eine Base und einen Flyer gibt.

Tumbling ist übersetzt einfach das Bodenturnen. Beim Tanzen geht es halt einfach ums Tanzen. Jumps sind, wie der Name schon sagt, Sprünge in deren Flugphase Figuren ausgeführt werden. Der Cheer wird bei einer Meisterschaft vor dem Programm ausgeführt. Es ist eine Art Anfeuerung, die man laut ruft und währenddessen kleine Stunts oder andere Dinge gemacht werden.

Wie oft in der Woche trainierst du? Und wie weit ist der Trainingsort/Verein von deinem Zuhause weg?

Ich trainiere 3 mal die Woche. Von mir ist der Trainingsort mit dem Fahrrad ca. 20 min entfernt. Doch in Köln und Umgebung gibt es verschiedene Vereine. Es kann also von Verein zu Verein unterschiedlich sein kann.

Was macht das Cheerleading so besonders bzw. so außergewöhnlich für dich?

Cheerleading macht für mich aus, dass mehrere meiner Hobbys kombiniert werden, nämlich das Turnen und das Tanzen. Nachdem ich mit Cheerleading angefangen habe, kam das Stunten dazu. Das ist auch meine Lieblingsdisziplin beim Cheerleading. Außerdem ist es ein Teamsport, bei dem man auf die anderen angewiesen ist. Es bleibt einem nichts anderes übrig als seinem Team zu vertrauen. Das macht Cheerleading für mich aus.

Unterstützen deine Eltern dein Hobby?

Meine Eltern unterstützen mich in meinem Sport und fahren mich zum Training oder zu Meisterschaften.

Wie finden deine Freund:innen dein Hobby? Hattest Du anfangs Sorge, deinen Freund:innen von deinem Hobby zu erzählen?

Meine Freunde fanden mein Hobby natürlich erst seltsam, weil man sich unter Cheerleading erstmal irgendwelche Puschel und Anfeuerungsrufe auf irgendeinem Fußballspiel vorstellt und niemand daran denkt, dass es eine sehr anstrengende Sportart sein könnte. Aber ich habe ihnen ein paar Sachen gezeigt und sie finden das auch sehr cool.

Worauf bist du richtig stolz, was du beim Cheerleading gelernt hast?

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich ziemlich schnell einen Rückwärts Flick Flack gelernt habe und dass meine Stuntgruppe und ich momentan so viel Neues lernen.

Was ist dein Ziel beim Cheerleading? Worauf arbeitest du hin?

Mein Ziel ist die Deutsche Meisterschaft und irgendwann das Germany Team.

Cheerleading Sharks
Cheerleading – Akrobatik & Turnen © Sharks Cheerleading Köln

Und hier noch einige Fragen an Milas Eltern:

Wie steht ihr zu dem Hobby eures Kindes?

Wir haben das Interesse unser Tochter an diesem Sport von Anfang an unterstützt. Nach den ersten Trainingseinheiten war klar, dass sie ihr Hobby gefunden hat!
Auch nach einem Sturz, der einen Armbruch mit sich gebracht, hat wollte Mila weitermachen. Wir haben dabei mitbekommen, wie stark der Zusammenhalt in der Gruppe ist und haben gespürt, wie wichtig Mila ihr Sport ist.
 
Auch, wenn es immer noch mit drei wöchentlichen Trainingseinheiten viel „Bringen und Abholen" für uns Eltern bedeutet, sehen wir nicht nur die Freude, sondern auch den positiven körperlichen Ausgleich zum Schulalltag bietet. Ich (Papa) bewundere den Einsatz und den Ehrgeiz unserer Tochter. Dreimal wöchentlich zwei Stunden intensives Training und der Mut zum akrobatischen Werfen hat meinen vollen Respekt. Mit dem Klischee von „ein bisschen mit den Puscheln wedeln" hat dieser Sport überhaupt nichts zu tun!

Woher kommt die Begeisterung eures Kindes?

Wir vermuten, dass Mila gar nicht anders kann als zu tanzen. Es gibt Fotos und Videos im Alter von ca. 5 Jahren, in denen sie sich verkleidet hat und einfach nur tanzt und sich kleine Choreografien überlegt. Wir Eltern lieben den Karneval und tanzen. Unser Haushalt war schon immer voll mit Musik und Bewegung. Als wir dann von einer Karnevalsparty zurückkamen (da war Mila 6 Jahre), haben wir ihr ein Video von einem Cheerleaderauftritt gezeigt. Auch mit den privaten Kontakten zu einer Familie, deren Tochter damals Cheerleaderin gewesen ist, war die Begeisterung bei Mila entfacht und kurze Zeit später war sie angemeldet. Vier Jahre später ist die Leidenschaft zu diesem Sport ungebrochen.

Was muss fürs Cheerleading angeschafft werden, bzw. wie hoch sind die Anschaffungskosten? Und was habt ihr für monatliche Ausgaben?

Die Kinder ziehen zum Training Leggings oder kurze Hosen mit T-Shirt an. Es gibt Teamwear zu kaufen, die aber nicht erforderlich ist.  Zu den Meisterschaften haben sie natürlich etwas Einheitliches an. Das Kostüm liegt bei 160 Euro plus Schleife fürs Haar mit etwa 20 Euro und den Schuhen ab 50 Euro. Der monatlicher Vereinsbeitrag liegt bei 55 Euro. Bei Meisterschaften kommt noch die Startgebühr und gegebenenfalls Buskosten dazu. Auch gibt es ab und zu Teamevents, wie z.B. gemeinsam ins Jumphaus gehen, Weihnachtsfeiern und Übernachtungscamps.

Hier findet ihr einige Cheerleading-Vereine aus der Region Köln/Bonn:

Sharks
Cheer Squad Cologne
Rhöndorfer Str. 13
50939 Köln

Cheerleading ASV Köln
Olympiaweg 3
50933 Köln

Cologne Falcons
Abelbauten
Olympiaweg 7
50933 Köln

TKSV Allstars
Turn- und Kraftsportverein 1906 e.V. Duisdorf
Schmittstrasse 2a
53123 Bonn

Jaguars Cheerleader
ASV Sankt Augustin 1956 e.V.
Grantham-Allee 27
53757 Sankt Augustin

Saints Cheerleader
Siegburger Turnverein 1862/92 e.V.
Jahnstr. 25 / Im Haufeld 22
53721 Siegburg

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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