Bildung

Programmieren für Kinder

Anja Tischer · 01.03.2015

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©iStockPhoto.com/morganl

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Spiele oder Webseiten bauen – bei „CoderDojo“ in Köln vermitteln Computerexperten Kindern den Spaß am Programmieren. Die lockeren Zusammenkünfte schließen eine Lücke im Bildungsangebot.

Ein Mausklick genügt und schon erscheint eine Meldung: „Du musst eine Zahl von 0 bis 100 raten.“ Der Nutzer darf jetzt eine beliebige Ziffer eingeben. Probieren wir mal 15, denn ungefähr so viele Mitarbeiter sind für den Känguru Colonia Verlag tätig. „Das Geheimnis ist größer“, heißt es nun. Das gibt weiteren Stoff zum Grübeln. Dieses kniffelige Ratespiel hat der elfjährige Leo entwickelt. Unterstützung bekam er dabei von einem Mentoren-Team um den Softwareentwickler Lucas Dohmen. Einmal pro Monat veranstalten die Computerexperten ein CoderDojo in Köln. Bei diesen lockeren Zusammenkünften vermitteln sie Kindern und Jugendlichen den Spaß am Programmieren. Dass sich Entwickler untereinander in ihrer Freizeit bei sogenannten Meetups zum „Coden“ treffen, ist bekannt. Dass sich Computerbegeisterte ehrenamtlich ein Mal pro Monat mit Kindern zusammensetzen und ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen helfen, ist in Köln eine Seltenheit – noch. Denn die CoderDojos funktionieren nach dem Franchise-Prinzip. Jeder auf der Welt kann ein Treffen ausrichten.

In Großbritannien steht Programmieren auf dem Lehrplan

Sucht man auf der zentralen Website von CoderDojo nach dem nächsten Treffen in London, werden gleich 16 Veranstaltungen in verschiedenen Teilen der Stadt vorgeschlagen. Überhaupt führt Großbritannien Kinder anders an das Thema heran. Hier steht Programmieren seit diesem Schuljahr für Grundschüler verpflichtend auf dem Lehrplan. Anders in Deutschland. „Die Kinder, die uns besuchen, beschäftigen sich in der Schule eher mit Word und ähnlichen Programmen“, erzählt Dohmen. Anwenderschulung also. Doch was steckt hinter einer Software wie Word? Und wie funktioniert eigentlich eine Website? Um Letzteres zu verstehen, muss man zum Beispiel HTML beherrschen. Und das sollen bereits Schüler lernen, fordern die Befürworter in der Diskussion um Programmieren in der Schule. Dabei geht es ihnen nicht nur darum, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte mithält. Die Motivation scheint bei einigen Kindern intrinsisch, also von Innen heraus zu kommen.

Das Feedback: „Die Kinder sind begeistert“

So auch bei den CoderDojos. Viele Teilnehmer kommen schon mit eigenen Ideen zum ersten Treffen. „Manche wollen zum Beispiel ein 3D-Spiel entwickeln“, sagt Dohmen. „Das ist natürlich viel zu schwer, wir passen die Wünsche dann an die Kinder an.“ Die Altersspanne, die die Mentoren dabei zu bewältigen haben, erstreckt sich von fünf bis vierzehn Jahren. Die Kinder arbeiten in Gruppen als Erfinder zusammen und sind sich dabei der Unterstützung von Experten sicher. Das Feedback: „Die Kinder sind begeistert“, so Dohmen. Nach zwei Jahren musste er die Zahl auf zwanzig Teilnehmer pro Treffen beschränken. Die Botschaft dieser Kinder ist eindeutig: Sie möchten die Programmiersprachen verstehen, mit denen sie im digitalen Zeitalter täglich unbewusst in Kontakt kommen. Und dieser Lernprozess kann schon mit einem Button beginnen, der verkündet: „Du musst eine Zahl von 0 bis 100 raten.“

Info:

CoderDojo ist kostenfrei, Datum und Ort variieren monatlich und werden auf der Website bekannt gegeben.

Auch in Bonn findet seit März alle zwei Wochen dienstags ein CoderDojo statt.

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