Ausflug

Ritter und Burgen

Janina Mogendorf · 05.07.2019

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© Jürgen Vogel/LVR LandesMuseum Bonn

© Jürgen Vogel/LVR LandesMuseum Bonn

„Ritter und Burgen?“, fragt Malia zweifelnd, als ich ihr von unserem Plan für den Sonntagnachmittag erzähle. „Gibt es denn da auch was für Mädchen?“ Puh, denke ich, hier bewahrheiten sich gerade mal wieder alle Geschlechterrollenklischees. Dann sage ich: „Klar, Ritter sind ja auf Pferden unterwegs und da gibt es bestimmt auch was zu den Burgfräuleins und so.“ Ich sollte Recht behalten. Die Sonderausstellung „Ritter und Burgen. Zeitreise ins Mittelalter“ im LVR-LandesMuseum in Bonn sorgt für Kurzweil bei Jungs UND Mädchen.

„In der Ausstellung können die Besucher spielerisch die Geschichten von sieben Menschen aus dem Mittelalter entdecken: Der Ritter und die Burgherrin, aber auch die Händlerin, der Spielmann, der Handwerker, der Mönch und der Bauer“, lese ich in der Ausstellungsbeschreibung. An 32 Mitmachstationen werden wir Schwerter schmieden, eine Schleuder bauen, eine mittelalterliche Stadt entdecken, einen höfischen Tanz erlernen und vieles mehr. „Da kann man sich auch verkleiden“, sage ich zu Malia und mehr braucht es eigentlich nicht.

Wir sind mit Freunden unterwegs. Vier Erwachsene und drei Mädchen im Alter von 1, 5 und 7. Und tatsächlich kommen hier im dritten Stock des hellen, weiträumigen und lichtdurchfluteten Museums alle auf ihre Kosten. Der Aufzug bringt uns nach oben und das erste was wir sehen, als die Türen zur Seite gleiten, ist eine Art Torso, wie man ihn vom Bullriding auf Jahrmärkten kennt - nur in klein und nur in Pferd. Davor eine Leinwand mit der Szenerie eines Turnierplatzes. Gerade haut ein Mädchen im vollen Galopp auf dem Wackeltier mit einer Lanze den geharnischten Kontrahenten vom Ross.

Mittelalter zum Mitmachen


© Jürgen Vogel/LVR LandesMuseum Bonn

Malia und ihre Freundin sind begeistert, lassen sich aber mit Blick auf die versammelten wartenden Kinder mit einiger Überredungskunst auf später vertrösten. Zu viel anderes gibt es noch zu entdecken und in den großen Räumen verteilen sich die Besucher so gut, dass immer eine Station frei ist. „Wo kann man sich denn jetzt verkleiden?“, fällt Malia wieder ein, als sie einen kleinen Jungen mit Leinenhemd und Schwert sieht. „Da müssen wir jetzt mal schauen“, antworte ich und sehe mich suchend um.

Ein halbes Stockwerk tiefer stürzen wir uns zunächst auf eine Art vertikales Memory. In einem Regalschrank mit verspiegelter Front befinden sich Gegenstände aus mittelalterlicher und neuer Zeit. Wenn man ein Fach berührt, geht darin ein Licht an und wir erkennen Lampen, Spardosen, Schlittschuhe und verschiedenes mehr. Nun müssen wir diese ihrem mittelalterlichen Pendant zuordnen. Nur zwei Fächer auf einmal lassen sich auf diese Weise einsehen und weil wir zu siebt alle gleichzeitig auf den Spiegelscheiben herumdrücken, dauert es eine Weile. Aber dann ist es geschafft und den Kids fällt wieder ein, dass sie sich verkleiden wollten.

Von Station zu Station durch die Ritterzeit


© Janina Mogendorf

Im nächsten Raum gibt es zwar keine Kostüme, dafür mobile bedruckte Fotowände mit Guckloch. Wer sie vors Gesicht hält und hindurchschaut verwandelt sich in Ritter, Königin und Prinzessin. Einmal ums Eck erstreckt sich ein großer Teppich mit tonnenweise Ritterplaymobil und sogar unser Nesthäkchen erfreut sich an den Figuren. Die beiden Großen verbringen einige Zeit versunken auf dem Bauch liegend, bis ihnen einfällt, dass sie ja eigentlich Mädchen sind und sich außerdem verkleiden wollten.

Und so geht es auf der Suche nach Kostümen von Station zu Station. Wir lernen die Lebensweise und die verschiedenen Gestalten des Mittelalters kennen, feuern eine Kanone ab, legen das Muster eines farbenfrohen Bleiglasfensters zusammen und lassen uns per Computerspiel zum mittelalterlichen Schuster oder Bäckermeister ausbilden. Dazwischen bewundern wir Repliken oder originale Gegenstände aus dem dunklen Zeitalter, das uns langsam gar nicht mehr so dunkel vorkommt.

Digitale Kostüme und Burgen aus Schaumstoff


© Museon/The Hague

Und endlich finden wir auch die Verkleidungsstation. Etwas anders als gedacht, weil ebenfalls digital. Man steht vor einer hohen Leinwand, auf der sich ein weibliches Modell im Unterkleid hin- und herdreht. Mit einer Wischbewegung durch die Luft kann man für die Dame vom Ornat bis zur Herzoginnenrobe verschiedene Outfits auswählen und sie mit der richtigen Kopfbedeckung und dem passenden Accessoire kombinieren. Wir Großen finden es cool, die Kleinen hätten sich doch lieber analog verkleidet.

Während die Väter zur Ablenkung mit den Kids eine Burganlage aus Schaumstoff aufbauen, bleibe ich fasziniert vor einem großen Kasten hängen, in dem sich dreidimensionale Szenen aus dem Leben einer Burgherrin abspielen. In einem Kamin flackert ein täuschend echtes Feuer. Animierte kleine Burgbewohner, Händler und Tiere bewegen sich durch die Burgräume und gehen ihrem Tagwerk nach. Eine Puppenstube des 21. Jahrhunderts, an der ich mich nicht sattsehen kann.

Aber die Mädchen werden langsam müde und da gab es ja noch den versprochenen Turnierritt. Die Station ist mittlerweile verwaist und die Mädels reiten noch ein paar Runden, bevor es endgültig reicht und wir einvernehmlich den Heimweg antreten. Es war ein abwechslungsreicher multimedialer Nachmittag und eine spannende Zeitreise ins Mittelalter, die Besucher hier im LandesMuseum in Bonn noch bis zum 8. September 2019 antreten können.

Ritter und Burgen. Zeitreise ins Mittelalter
Eine Mitmachausstellung
Vom 27 September 2018 bis 8. September 2019

Ausstellungsort
LVR-LandesMuseum Bonn
Colmantstraße 14-16
53115 Bonn
Telefon: 0228 2070-351

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag + Sonntag: 11 bis 18 Uhr
Samstag: 13 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Eintrittspreise
Erwachsene: 8 € ermäßigt: 6 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: freier Eintritt
Schulklassen: freier Eintritt

Ticketvorverkauf
Tickets zum Download: www.bonnticket.de
Ticket-Hotline: 0228-502010
Erhältlich auch an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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