Ausflug

Mittelalter erleben

Sue Herrmann · 26.07.2019

zurück zur Übersicht
© Wolkenkratzer

© Wolkenkratzer

Schloss Bürresheim in der Eifel lädt ein zu spannenden Entdeckungstouren.

„Och nee, nich’ schon wieder ’ne Burgruine!“ Das ist mein erster Gedanke, als Bürresheim in der Eifel auf dem Familien-Ausflugsprogramm landet. Doch schon der erste Eindruck ist ungewohnt und weckt meine Neugierde: Völlig überraschend taucht das Bauwerk auf einmal auf, kurz außerhalb von Mayen, im Ortsteil St. Johann. Nicht etwa, wie bei Burgen sonst üblich, zur besseren Übersicht auf einem Hügel gelegen – nein, ganz im Gegenteil, einsam im Tal, inmitten von Bächen und bewaldeten Berghängen. Zudem tauchte keine Burgruine vor uns auf, sondern ein bestens erhaltenes Schloss, flankiert von einem schönen, nach französischem Vorbild angelegten Barockgarten.

Der Lebensstil des Adels

„Also, was nun? Burg oder Schloss?“ Beides stimmt. Im Mittelalter noch eine Wehranlage wurde die Burg über die Jahre zu einer barocken Wohnburg ausgebaut und firmiert heute unter „Schloss Bürresheim“. Die fast unveränderte Inneneinrichtung bringt uns sehr anschaulich den Lebensstil des Adels vom 15. bis ins 20. Jahrhundert nah. Bis 1938 wohnten mehrere Generationen der Adelsfamilie von Breitbach im Schloss – bis zuletzt, kaum vorstellbar, ohne fließend Wasser und Strom. Dafür aber mit kostbarstem Delfter Porzellan und vergoldeten Ledertapeten an den Wänden. Schloss Bürresheim wurde zudem – im Gegensatz zu fast allen Burgen im Rheinland – nie erobert oder verwüstet. Selbst Ludwig XIV. und Napoleon verschonten die Burg.

Von Toiletten und kurzen Betten

Die Innenräume können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Lediglich der Innenhof, reich an schönen Fachwerk, und die Sommerküche nebst 33 Meter tiefem Brunnen können Besucher kostenfrei bestaunen. Die Führung lohnt aber allemal, auch für Kinder. Sie ist interessant durch etliche kuriose Anekdoten rund um die Familie von Breitbach und das Leben auf einer Burg. So wird zum Beispiel die Frage erörtert, warum das Plumpsklo schon im Mittelalter eine Spülung besaß, warum der Stuhlgang Stuhlgang heißt, und – um beim Thema zu bleiben – was es mit dem „Geschäfte machen“ auf sich hat. Warum die Betten so kurz waren – obwohl die Menschen früher gar nicht so viel kleiner als wir waren. Und auch der Unterschied zwischen einer Ahnentafel und einem Stammbaum wird erklärt ... kurzum, es werden viele interessante Details rund um das höfische Leben verraten.

Schloss Bürresheim

56727 St. Johann