Ausflug

Klettern, Cachen, Kajakfahren

Christoph Schrahe · 11.04.2018

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Spannende Endeckungen bei Familienausflügen in Köln und Umgebung ©Imgorthand/iStock

Spannende Endeckungen bei Familienausflügen in Köln und Umgebung ©Imgorthand/iStock

Draußen warten echte Erlebnisse, die auch Teenager Whatsapp & Co. vergessen lassen. Tipps für Familienausflüge wie Klettern, Cachen und Kajakfahren.

Spazierengehen auf breiten Wegen durch forstwirtschaftlich optimierten Wald fand ich schon langweilig, als die Telefone noch Wählscheiben hatten. Was sollen unsere Kinder erst davon halten? Zu deren Glück geben wir Eltern ja heutzutage etwas mehr auf die Bedürfnisse des Nachwuchses, auch wenn es kaum weniger anspruchsvoll geworden ist, diesen zu entsprechen. Wenn man den pädagogisch hehren Grundsatz, das Pack an die frische Luft zu kriegen und ihm Bezug zur Natur zu vermitteln, in die Tat umsetzen möchte, ist guter Rat daher manchmal teuer. Aber wer die Möglichkeiten von Gadgets, Apps und Internet bei der Ausflugsplanung geschickt nutzt, hat schon fast gewonnen – Einbinden statt Ausgrenzen lautet die Devise!

Tiere einloggen in der Heide

Die Wahner Heide bietet Wildnisfeeling direkt vor den Toren Kölns. Hier kann man barfuß eiszeitliche Sanddünen hinablaufen, unverstellten Weitblick genießen, Wasserbüffel bewundern, Esel beim Sandbad beobachten und sich von der Gelassenheit der braunen Glanrinder anstecken lassen. Die Heide ist außerdem Heimat von rund 2.000 Käfer- und zahlreichen Vogelarten. Mittelspecht, Trauerschnäpper, Gebirgsstelze, Raubwürger oder Neuntöter sind nur einige der anderswo teils kaum noch anzutreffenden Vertreter der Avifauna. Bei einer Rundwanderung durch die Heide (besonders schön ist sie rund um den Telegraphenberg) kann man mit wachem Auge denn auch viele Vögel erspähen. Mit der Vogelführer-App des NABU lassen sich diese auch von Ornithologieunkundigen Forschern anhand von Merkmalen zu Lebensraum, Gefieder, Größe, Schnabel und Beinen leicht bestimmen. Es ist immer spannend zu sehen, ob die App dann auch das Bild des richtigen Vogels anzeigt. Vollkommen analog ist man mit dem Buch „Sticker-Wissen Natur“ aus dem Usborne Verlag unterwegs. Hier kann man eintragen, wann und wo man die Vögel gesehen hat, und die Aufkleber aus der Buchmitte an den detaillierten Vogelsteckbrief kleben.

Tipp: Einkehr in der Waldwirtschaft Heidekönig. Dort kann man bei schönem Wetter an einem der zahlreichen Tische auf der großen Wiese Platz nehmen. Während die Kinder den Spielplatz erkunden, kann man sich bei der Spezialität des Hauses, einem Flammkuchen, stärken.

Dreh auf der Sieg

Eine Kanutour ist per se ein kleines Abenteuer, denn man verlässt den gewohnt sicheren Grund und vertraut sich den schwankenden Fluten eines Flusses an – die Gefahr zu kentern, fährt immer mit. Weitgehend naturbelassen ist das von Köln und Siegburg aus bequem per S-Bahn erreichbare Kanurevier der Sieg. Als Tagestour besonders gut geeignet ist der 13 Kilometer lange Abschnitt zwischen Eitorf und Blankenberg. In vielen Schleifen zwängt sich der Fluss hier zwischen den Bergen von Nutscheid und Westerwald hindurch, Felsen ragen über dem Wasser auf, Stockenten und Nilgänse sonnen sich auf Steinen, die über die Wasserlinie ragen, und ergreifen mit ihrem Nachwuchs die Flucht, sobald man sich mit dem Kanadier nähert. Für Abwechslung und etwas Nervenkitzel sorgen auch die Stromschnellen, vor allem jene bei Happach haben es in sich, eine beliebte Kenterstelle. Gut, dass man Wechselklamotten und Telefon in wasserdichten Boxen mitführen kann. Die wasserdichte Kamera kann hingegen draußen bleiben und wer eine solche hat, kann mit ihr auf einer Kanutour weit spannendere Aufnahmen machen als im Freibad. Mit etwas Kreativität (am besten schon vorher Gedanken machen) und der richtigen App (z. B. iMovie) lässt sich ein Tag auf der Sieg zu einem spannenden Trailer oder Film verarbeiten – mit Aufnahmen über und unter Wasser.

Buchung und Kosten: Verleih und Touren bietet zum Beispiel der Veranstalter Aktive Elemente an. Kanu-Familienfahrt 79 Euro pro Familie (samstags 11–16 Uhr) inkl. Guide, Boot, Schwimmwesten, nur Kanumiete: 65 Euro für den 3-4er Kanadier (270 kg Zuladung).

GPS-Schatzsuche beim Spaziergang

Wenn es dann doch mal über ganz gewöhnliche Wege gehen soll, kann ein GPS-Gerät (oder eine Geocaching-App auf dem Smartphone) eine enorm antriebssteigernde Wirkung bei Kindern fast jeden Alters entwickeln. Beim Geocaching geht es darum, mittels geographischer Koordinaten und unter Verwendung eines GPS-Empfängers einen versteckten Cache (Schatz) aufzuspüren. Meist handelt es sich dabei um eine Plastikdose, in der sich allerhand Nippes und ein Logbuch befinden. Man tauscht einen mitgebrachten Gegenstand gegen einen im Cache, trägt sich ins Logbuch ein und teilt der Welt dann bei Bedarf auch noch via Internet mit, dass man den Schatz gehoben hat. Besonders reizvoll sind sogenannte Multicaches. Diese setzen sich aus verschiedenen Punkten, meist entlang eines Rundweges, zusammen. Die Koordinaten der Etappenziele gilt es häufig über das Lösen von Rätseln oder die Beobachtung der Umgebung herauszufinden. Die Geocaches sind auf Seiten wie www.geocaching.de, www.opencaching.de oder www.geocaching.com verzeichnet und aus den dort vorhandenen Beschreibungen und Bewertungen lässt sich auch die Länge und Attraktivität einer Multicache-Runde ablesen.

Tipp: Auf den genannten Seiten unbedingt prüfen, ob der Cache in jüngerer Zeit gefunden wurde. Kinder können ziemlich enttäuscht sein, wenn sich der Cache als Phantom herausstellt, und es gibt mittlerweile viele „Karteileichen“. Außerdem unterwegs den angegebenen Code für die zusätzlichen Hinweise mitnehmen.

Posten beim Klettern

Viele Menschen lernen zu klettern, bevor sie laufen können. Klettern liegt uns also im Blut. Ausleben lässt sich der Drang zum Kraxeln, Klettern und Hangeln in einem Waldseilgarten. Dabei überwindet man in luftiger Höhe einen von Baum zu Baum führenden Parcours aus unterschiedlichen Elementen. Das können wacklige Holzbohlen, schwingende Reifen oder schwankende Netze sein. Am Ende eines Parcours geht es dann meist an einer Kabelrutsche temporeich zurück auf den Waldboden. Dafür braucht es Geschicklichkeit und etwas Mut, je nach Schwierigkeitsgrad des Parcours mehr oder weniger. Mit Helm, Hüftgurt und zwei Karabinern gesichert, kann aber eigentlich nichts passieren. Der Helm eignet sich natürlich vorzüglich für das Anbringen einer Action-Camera und Action gibt’s bei einem Tag im Waldseilgarten reichlich zu dokumentieren. Die Kopplung mit dem Smartphone und das Posten von Fotos oder Videos müssen allerdings bis nach der Rückkehr aus dem Kronendach der Bäume warten, denn das Mitführen von Mobiltelefonen ist beim Klettern in den meisten Waldseilgärten nicht gestattet. Online sollte man nur in Bezug auf die Sicherungsseile sein, denn die Elemente zwischen den Bäumen fordern die volle Aufmerksamkeit. Nicht auszuschließen, dass man darüber vergisst, die Kamera auf dem Kopf einzuschalten.

Spots: Waldseilgärten gibt es im Rheinland in Bonn im Kletterwald Bonn, in Odenthal im Hochseilgarten K1 und in Brühl im Kletterwald Schwindelfrei. In Köln könnt ihr im Blackfoot und in Hennef im Kletterwald Hennef in die Seile steigen. Der Kletterpark Wald-Abenteuer in Bad Neuenahr-Ahrweiler bietet mit Deutschlands längster Seilbahn einen weiteren aufregenden Höhepunkt für die ganze Familie.

Tipp: Wer beabsichtigt, seine Action-Cam zu benutzen, sollte vorher klären, ob eigene Helme gestattet sind oder ob eine Kamera auf geliehene Helme montiert werden darf.

 

Weitere nicht alltägliche Erlebnisse in der Natur:

Fossilien suchen: Das Naturzentrum Eifel in Nettersheim bietet zu verschiedenen Terminen geführte Exkursionen zur Fossilien-
suche an. Anschließend kann man die Funde sägen, schleifen und polieren. In Lindlar im Bergischen Land hämmert man die Fossilien in einem alten Steinbruch aus dem Fels. Der liegt am Steinhauerweg, einem Rundwanderweg auf den Spuren der örtlichen Bergbaugeschichte.

Stand-up-Paddling: Den Trendwassersport kann man am Fühlinger See in Köln in der SUP Station Köln, am Bleibtreusee in Brühl im Surfclub oder am Zülpicher See im Wassersport-Eventcenter.nrw ausprobieren und am besten mit einem entspannten Strandtag kombinieren.

Klettersteiggehen: Diese eigentlich hochalpine Disziplin kann man am Mittelrhein-Klettersteig in Boppard auch im Rheinland erleben. Insgesamt elf Kletterpassagen an steilen Felswänden, 300 Höhenmeter, zehn Leitern, 130 Trittbügel und herrliche Tiefblicke sorgen für Via-Ferrata-Feeling

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