Ausflug

„Ich will die Menschen durch Musik zusammenführen!“

Karo Nowak · 03.09.2018

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Junges Publikum lauscht gebannt. Foto: Beate Skowron

Junges Publikum lauscht gebannt. Foto: Beate Skowron

Der Kölner Künstler Michi Hübner veranstaltet stimmungsvolle Konzerte für Kleinkinder, Eltern und Schwangere.

Ein beschaulicher, warmer Sommervormittag auf der Terrasse des Ehrenfelder Bürgerzentrums. Mütter wie Väter haben sich mit ihren Babys und Kleinkindern eingefunden und lauschen gemeinsamen den musikalischen Ausführungen eines Mannes mit Gitarre. Während des Konzerts wird wie selbstverständlich gewickelt, gestillt und gefüttert. Rasseln kommen zum Einsatz, kleine Knirpse laufen herum und brabbeln. Auch gegen einen Smalltalk der Eltern mittendrin hat niemand etwas einzuwenden. Die Atmosphäre ist entspannt, alles geschieht natürlich und spontan – der allgemeine Wohlfühlfaktor ist offensichtlich.

Wir befinden uns mitten beim „Ohrenschmausen“ – einem Projekt von Michi Hübner, das auf Eltern mit ihrem jüngsten sowie ungeborenen Nachwuchs abgestimmt ist. Am Ende der etwa einstündigen Session lässt der Kölner den Hut herumgehen und bittet um eine angemessene Spende. Große Sprünge kann er sich mit den eingenommenen Beträgen nicht erlauben, gerade zu Anfangszeiten von „Ohrenschmausen“ kamen oftmals nicht mehr als zehn Euro zusammen. Beinahe hätte der 57-jährige damals aufgehört, wenn da nicht der Vater von Jêrome gewesen wäre, der ihn stets ermutigte weiterzumachen und bei jedem Besuch 20 Euro in den Hut legte.

Auf Umwegen zum Glück

Michi Hübner gab nicht auf und kann heute stolze Zahlen von bis zu 200 Besuchern pro Konzert vorweisen. Der lebenslange Musiker und Werbekaufmann kam über Umwege zu seiner „Mission“, denn der ehemalige Geschäftsführer eines Unternehmens hat harte Zeiten hinter sich: Eine Privatinsolvenz und eine schwere private Krise zwangen ihn zum Umdenken. „Ich habe früher sehr drauf geachtet, dass es mir selber gut geht,“ gibt Michi Hübner offen zu, „eine Zeit lang geht das gut und irgendwann fährt man vor die Wand.“ Nun will er der Welt etwas zurückgeben: Er will die Menschen durch Musik zusammenführen.

Dafür hat das Kölner Urgestein den gemeinnützigen Verein Menschen für Gutes e. V. (MfG) gegründet und sich selbst zum Minister für musikalische Verbindung ernannt. Bei seiner Mission agiert das Multitalent auf vielen Ebenen: Michi Hübner gibt Konzerte für unterschiedliche Zielgruppen, gestaltet und bringt Liederhefte zum Mitsingen heraus und sammelt mit seinem Verein Geld, um Musikprojekte für weniger privilegierte Kinder und Jugendliche ins Leben zu rufen.

Entspannte Eltern, strahlende Kinder

© Beate Skowron
Die Kleinen sind begeistert. Foto: Beate Skowron

Mit seiner Reihe „Ohrenschmausen“ zieht der 57-jährige durch die Bürgerzentren seiner Heimatstadt Köln und lässt die Allerjüngsten an den Freuden der Musik teilhaben. Er beschreibt die Besucher als ein „sehr dankbares Publikum“, da die Eltern sich entspannen, „wenn sie merken, dass die Kinder gebannt lauschen oder anfangen zu zucken.“ Eins seiner schönsten Erlebnisse während seiner musikalischen Sessions war ein Baby, das zu ihm gekrochen kam, sich an seinem Knie hochzog und ihn voller Freude anstrahlte. „Die Mutter war verwundert, weil das Kind sonst eher schüchtern war.“ Dieses „totale Urvertrauen“, das die kleinen Knirpse ihm bei seinen Konzerten entgegenbringen, macht Michi Hübner glücklich.

Das Repertoire von „Ohrenschmausen“ ist ein bunter Mix: Es erklingen klassische Kinderlieder wie der „Bi-Ba-Butzemann“, „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ oder „Hey, Pippi Langstrumpf“ neben Cat Stevens „Father and Son“ oder „Superjeilezick“ von den Brings. Dabei wird viel vom Musik-Minister improvisiert: Er baut Elemente aus der Umgebung in seine Texte mit ein, fordert die Mütter und Väter zum Mitsingen auf und zeigt den Kleinen, wie man richtig zur Musik stampft. Auch in der kleinen Pause sucht der Kölner den Kontakt mit seinem Publikum: Er stimmt die Kindergitarre eines kleinen Jungen und zeigt ihm erste Handgriffe darauf, bevor er anschließend zwei interessierten Müttern Tipps zur musikalischen Früherziehung gibt.

Der Minister für musikalische Verbindung plant weitere Projekte

© Beate Skowron
Michael Hübner liebt die Musik und seinen Job. Foto: Beate Skowron

Michi Hübner ist augenscheinlich zufrieden, mit dem was er macht. Er hat seinen Platz im Leben gefunden. Eine Rückkehr in sein früheres Leben kann sich der 57-jährigen nicht vorstellen. „Das ist meine Berufung,“ erklärt er besonnen. Für die Zukunft wünscht er sich mit seinem Verein zu wachsen, um durch weitere gemeinnützige Projekte noch mehr Leute mit seiner musikalischen Botschaft erreichen zu können. Und natürlich weiter steigende Besucherzahlen bei seinen bunten Veranstaltungen. Wir wünschen dem Kölner alles Gute dafür!

Termine unter www.facebook.com/michaelmariahuebner (Ohrenschmausen)

Mehr zu Michi Hübner unter www.facebook.com/michael.hubner.311