Ausflug

Frühlingsfilzen mit Frau Kramer

Janina und Malia · 09.04.2018

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Frühlingsfilzen bei Frau Kramer © Janina Mogendorf

Frühlingsfilzen bei Frau Kramer © Janina Mogendorf

Unsere Bonner Stadtreporterinnen Janina und Malia besuchen einen Filzworkshop rund um den Frühling.

Wer die Tür zu Frau Kramers Reich in Bonn Poppelsdorf öffnet, betritt eine heile Welt. Zarter Glöckchenklang heißt Besucher willkommen. Draußen rauscht der Verkehr vorbei, aber drinnen ist es ruhig und sofort fällt der Stress von uns ab. Andrea Kramer begrüßt uns mit einem Lächeln, geht ganz ungezwungen auf Malia zu und wir kommen sofort ins Gespräch. Filzen ist ihre Leidenschaft und genau um dieses alte Handwerk geht es in ihrer Werkstatt.

In der Mitte steht ein riesiger selbstgezimmerter Tisch, an dem zwölf Kinder Platz finden. In den Regalen reihen sich kuschelig weiche Filzschätze aneinander. Hasen und Küken, Dosen und Täschchen, Schlüsselanhänger und Pantoffeln leuchten passend zur Saison in allen Frühlingsfarben... Wir sind begeistert, was man alles aus Wolle, Seife und Wasser formen kann.

Filzen ist eine uralte Technik, um Textilien herzustellen. Filz ist robust, schwer entflammbar und - man mag es kaum glauben - mit Wollfett behandelt sogar wasserfest. Nicht umsonst bestehen viele Hüte aus genau diesem besonderen Material. Heute soll es jedoch nicht um Hüte gehen, sondern um hübsche Frühlingsfilzereien.

Nach und nach füllt sich der lichtdurchflutete Raum. Während Frau Kramer die Kinder begrüßt, schauen Malia und ich uns in der kleinen Boutique am anderen Ende des Raumes um. Hier gibt es viele bezaubernde Kleinigkeiten, die Mutters und Tochters Herz höherschlagen lassen. Spängchen und Figürchen, Wimpel und Kissenhüllen, Geschirr, Stofftiere und Schmuck, alles liebevoll dekoriert und in angesagten Puderfarben.

Gedeckter Holztisch bei Frau Kramer © Janina Mogendorf
So gemütlich ist es bei Frau Kramer © Janina Mogendorf

Motiv wählen - und los geht´s!

Die letzte Teilnehmerin des Workshops ist angekommen. Fünf Mädchen zwischen sechs und neun Jahren versammeln sich um den großen Tisch. Frau Kramer erklärt ihnen die Grundzüge des Filzens. Drei Zutaten brauchen wir: warmes Wasser, Seife und Filzwolle. Alles natürliche Materialien. „Die Wolle stammt von einem kleinen Handwerksbetrieb, in dem die Schafe artgerecht gehalten und sanft geschoren werden“, erklärt Frau Kramer. Zum Filzen verwendet sie nur hautfreundliche Olivenseife.

Jedes Kind sucht sich nun eine Figur aus, die es filzen wird. Für Taschen oder Pantoffeln braucht man einige Tage. Wir haben nur eine Stunde, aber damit ausreichend Zeit, niedliche Tiere zum Leben zu erwecken. Malia entscheidet sich für ein knallgelbes Küken, ihre Freundin für ein Häschen. Nun gilt es, mit viel Wasser und Seife aus dem flusigen gelben Wollstoff einen festen eiförmigen Körper zu formen. Das dauert eine Weile.

Unterdessen arbeitet ein älteres Mädchen mit einer Filznadel an einem Pferdekopf. Sie verwendet kein Wasser, sondern sticht immer wieder mit der langen Nadel in die Filzwolle. Beim Rausziehen erwischen kleine Widerhaken an der Nadel einzelne Wollfasern und verfilzen sie auf diese Weise immer mehr. Das Trockenfilzen eignet sich vor allem für filigranere Filzarbeiten. Für die jüngeren Kinder ist es noch nichts, weil man doch ziemlich auf seine Finger achten muss.

Filzen als Ferienangebot

Aber die Kleineren haben sowieso mehr Freude an ihrer Wasser-Seifen-Wolle-Matscherei. Nach und nach entstehen rund um den Tisch Häschen, Eulen und Pinguine. Als sich bei einigen ein kleines Formtief ankündigt, lädt Frau Kramer in ihre schöne Landhausküche zu Äpfeln und Tee. Bei Ferienkursen kochen die Kinder hier mittags zusammen. Schreinermeister Olaf zeigt ihnen außerdem, wie sie mit Hammer und Säge kleine Projekte, Spielzeuge und Möbel aus Holz bauen können.

Ansonsten wird in den Ferienwochen gefilzt, gefilzt und nochmal gefilzt. „Deshalb macht es Sinn, dass die Kinder vorab einen Nachmittag bei mir verbringen, um zu sehen, ob ihnen das Filzen überhaupt Spaß macht“, empfiehlt Andrea Kramer. Heute hat das Filzfieber alle Teilnehmerinnen erfasst und nach der Pause geht es wieder hochmotiviert ans Werk. Frau Kramer läuft von Kind zu Kind, zeigt, unterstützt, ermutigt und lobt. Das alles mit unerschöpflicher Geduld.

Am Ende des Tages präsentieren die Mädchen stolz ihre selbstgeschaffenen Kunstwerke. „Ich hätte nicht geglaubt, dass man so schnell etwas filzen kann“, meint Malia und will das unbedingt wiederholen. „Dann filze ich einen Hasen“, beschließt sie mit Blick auf das niedliche Exemplar ihrer Freundin. Dabei drückt sie ihr quietschgelbes Küken ans Herz. „Dann mache ich für Tweety einen Freund.“

 

Info:

Frau Kramer
Clemens-August-Platz 2
53115 Bonn
Tel. 0228 - 391 97 43

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