Ausflug

Bauer Theo vom Krewelshof

Claudia Berlinger · 06.11.2018

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Familie Bieger vom Krewelshof I Foto: Krewelshof

Familie Bieger vom Krewelshof I Foto: Krewelshof

Theo Bieger ist verheiratet und hat drei Kinder ... aber eigentlich sind es fünf, wenn man seine beiden Bauernhöfe dazuzählt. Es gibt einen Krewelshof in der Eifel bei Obergartzem und einen in Lohmar.

Wie es in vielen Bauernfamilien Tradition ist, treten die Kinder in die Fußstapfen der Eltern. Als Bauer Theo den elterlichen Bauernhof übernahm, setzte der noch auf Viehwirtschaft und Weizen. Inzwischen nutzt der Bauer das sonnenreiche Gebiet in Enzen zum Gemüse- und Obstanbau. Neben Spargel, Erdbeeren, Äpfel, Pflaumen und Kürbissen kann man dort auch Weihnachtsbäume frisch vom Feld erstehen. Nutztiere halten die Biegers nur noch sehr begrenzt – wie zum Beispiel die Ziegen auf dem Krewelshof in Lohmar. „Sie machen halt viel Arbeit,“ erklärt Bauer Theo. „Nehmen wir zum Beispiel die Zeitumstellung. Jedes Jahr im Herbst wurden unsere Ziegen unruhig, weil die Fütterungszeit sich um eine Stunde nach hinten verschiebt. Inzwischen haben wir das so geregelt, dass wir die Zeit nach und nach umstellen: Zwei Wochen vor dem Tag X beginnen wir mit der sukzessiven Zeitumstellung, indem wir die Tiere alle paar Tage eine Viertelstunde später füttern. Eine Viertelstunde schaffen sie.“ Soviel zum Thema viertes und fünftes Kind ;-)

Die Ziegen sind ein echtes Highlight auf dem Krewelshof. Nicht nur Kinder freuen sich, beim Melken zuschauen zu können, Familie Bieger bietet zusätzlich Führungen, Käse-Workshops und Verkostungen an. Auch die Präsentation ihrer Produktionsstätte in einem verglasten Rundgang ist sehr ungewöhnlich. Für Ihre Käsereiprodukte haben sie sogar den „futur eins“-Preis für Nachhaltigkeit der Verbraucherzentrale NRW bekommen. „Jede unserer Ziegen liefert 2-3 Liter Milch pro Tag für unsere hauseigene Käserei, in der wir an den vielen Eigenkreationen arbeiten, die Käseliebhaber von nah und fern anlocken,“ berichtet Theo Bieger. „Die Käsesorten, die wir zum Verkauf anbieten, sind sehr ausgefallen. Uns war es aber auch wichtig, interessierten Menschen die einzelnen Stationen der Jahrtausende alten Handwerkstradition der Käseherstellung näher zu bringen. ‚Lernen durch Erleben‘ ist unser Programm.“

Arbeiten Ihre Kinder auch auf den Höfen?

„Meine älteste Tochter studiert BWL, Entrepreneurship und Nachhaltige Energie. Sie ist jetzt in die Käserei eingestiegen. Die Kunst ist ja nicht nur, den Käse zu machen, sondern auch, eine Struktur zu bauen. Man muss ein Unternehmen von unten nach oben verstehen. Nur, wenn man verstanden hat, wie alle einzelnen Schritte gehen, kann man Produkte auch erfolgreich vermarkten. Die anderen Kinder arbeiten auch auf den Höfen mit. Wie es aussieht, wird der Krewelshof ein Familienunternehmen bleiben.“

Woher stammt der Name Krewelshof?

„Ursprünglich kommen wir aus der Gegend um Zülpich. Mein Vater hatte zwei Höfe nebeneinander. Wir sind in das benachbarte Fachwerkhaus namens Krewelshof gezogen. Meine Frau sagte immer: Wenn man die Schwiegereltern besuchen will, soll man eine Jacke anziehen müssen. Für uns junge Leute war es schön, dass wir die Türe hinter uns zu machen konnten. Den Namen haben wir dann für den Hof in Lohmar einfach übernommen.“

Sie haben viele Veranstaltungen im Repertoire: vom Kindersachenflohmarkt über Kreativfrühstück, Saftpresse oder die Kür der Kürbis-Königin. Muss man, um einen bäuerlichen Betrieb erfolgreich führen zu können, auch Eventmanager sein?

„Man muss natürlich die Landwirtschaft im Herzen haben. Sonst kann man das Geschäft nicht mehr leisten. Dennoch kann man von der normalen Landwirtschaft seinen Lebensunterhalt heutzutage nicht mehr bestreiten. Wir leben ja im Speckgürtel von Köln. Die Anforderungen der Kunden werden immer vielfältiger. Meine Frau ist die Kreative von uns beiden, sie hat immer tolle Ideen. Ich bin am liebsten draußen und spreche mit den Gästen. Die merken ja, ob ein Unternehmen inhabergeführt ist. Der Gast, mit dem ich zehn Minuten spreche, der bleibt uns sicher auch ein weiteres Jahr erhalten. Mir ist wichtig, den Kontakt zu halten und mitzubekommen, was die Mitarbeiter brauchen und die Gäste wünschen.“

An den Wochenenden brummt der Krewelshof mit Familien und Kindern. Haben Sie mit den Angeboten für Familien einen Nerv getroffen?

„Ja, auf jeden Fall. Vor eineinhalb Jahren haben wir begonnen, den Kinderflohmarkt anzubieten. Nach dem tollen Erfolg beim ersten Flohmarkt dauerte es gerade einmal sechs Stunden, bis der nächste Flohmarkt ausgebucht war. Der letzte Flohmarkt hat keine drei Minuten gebraucht, da waren alle Standplätze verkauft.“

Und was kommen sonst noch für Gäste?

„Innerhalb der Woche haben wir hauptsächlich ältere Gäste. Schön finde ich den Donnerstag, denn da haben wir Reibekuchentag. Viele der älteren Menschen kennen die anderen Gäste mit der Zeit, weil sie hier miteinander ins Gespräch kommen. Das ist es doch, was wichtig ist, dass wir miteinander reden. Wir machen bewusst kein Bedienungsrestaurant und setzen auf große Tische, wo die Menschen zusammensitzen. Bei uns gibt es auch keinen Verzehrzwang. Wenn jemand den halben Tag mit einer Tasse Kaffee hier sitzen möchte, ist das auch in Ordnung. Auch die Angebote, auf den Höfen zu heiraten, werden sehr gut angenommen. Gestern hatten wir zwei Hochzeiten, auf jedem Hof eine. In der Eifel haben wir das Angebot Heiraten am Wasser. Man heiratet ja auch heute wieder. Vor zehn Jahren war das vielleicht noch uncool.“

Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen um?

„Seit zwei Jahren verwenden wir im Verkauf keine Plastiktüten mehr. Seit diesem Jahr ist Plastik auch aus dem Anbau für unsere Kürbisse verschwunden. Stattdessen setzen wir auf eine schwarze Folie aus Maismehl, die sich durch Wasser und Luft auflöst. Ein solches System suchen wir jetzt auch als Ersatz für unsere Apfeltüten. Die dürfen sich natürlich nicht zu früh auflösen. An derartigen Innovationen müsste die Industrie noch mehr arbeiten, um ganz vom Plastik wegzukommen. Und ich denke, wir schaffen das. Aber wir leben das Thema Nachhaltigkeit auf vielfältige Weise. Einige Mitarbeiter sind schon seit 18 Jahren bei uns und werden auch bis zur Rente bei uns bleiben. Bei uns sollen sich nicht nur die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter wohlfühlen.“

Wie sind Ihre Pläne für die nächsten Monate?

„Erst einmal steht ja noch Weihnachten vor der Tür. Das ist die Zeit, wo unser Online-Shop Hochkonjunktur hat. Hier kann man vom Dekoherz aus Holz über eingemachte Marmeladen bis zu Präsentkörben alles online bestellen. Brot und Milch lassen sich natürlich schlecht versenden. Aber ich sehe das generell eher positiv. Wenn Menschen ihre Einkäufe online tätigen, haben sie mehr Zeit für den Krewelshof.“

Was ist in der Adventszeit auf den Höfen los?

„Der Verkauf der Weihnachtsbäume läuft gerade an. Einen Weihnachtsmarkt haben wir auch im Programm. Aber das wird kein normaler Weihnachtsmarkt sein, denn das können die Kölner selbst richtig toll. Wir machen stattdessen einen Hundeweihnachtsmarkt, wo in weihnachtlicher Atmosphäre Produkte und Dienstleistungen rund um den Hund angeboten werden. Da ist von personalisierten Halsbändern bis zum Hundemasseur alles dabei.“

Und was haben Sie im neuen Jahr vor?

„Für das Jahr 2019 gibt es viele Ideen rund um das Thema Landwirtschaft. Es ist geplant, dass Kinder bei der Apfelernte helfen können. Ich freue mich schon, die Kinder hier mit Schubkarren voll Äpfeln herumlaufen zu sehen.

Ein Schwerpunkt im nächsten Jahr ist unser neuer Hof, Gut Stepprath. Das liegt in der Nähe von Düren Bubenheim, wo die Leute gern Kartoffeln essen. Die Kölner essen ja kaum noch Kartoffeln. Der moderne Mensch hat keine Zeit mehr, täglich Kartoffeln zu schälen. Da könnt ihr schon sehr gespannt sein, was wir uns überlegen.“

Das sind wir auf jeden Fall und sagen: Danke für das interessante Gespräch.

 

 

Kontakt

Krewelshof Lohmar
gegenüber von Burg Sülz
53797 Lohmar
Tel. 02256 – 89 77-03/-06

Krewelshof Eifel
Ecke B266 / L11 (Enzener Straße)
53894 Mechernich
Tel. 02256 – 71 56

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