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WIR KOMMEN IN DIE SCHULE

WIR KOMMEN IN DIE SCHULE © pixabay Hochspannung! Der erste Schultag naht! Wir stellen euch fünf Tipps für Erstklässler-Eltern vor – und fünf Dinge, die ihr besser lassen solltet.

Wie können Mama und Papa ihren Schulanfänger bestärken? Seine Freude am Lernen wecken? Was hemmt die Begeisterung eher? Unsere Autorin Thea Wittmann hat mit dem Diplom-Psychologen Alexander Elwert vom Schulpsychologischen Dienst des Rhein-Sieg-Kreises darüber gesprochen.

Schultueten,EInschulung

© pixabay

WIE IHR EURE KINDER FÜR DEN SCHULANFANG STARK MACHT:

Fördert ihre Unabhängigkeit.

Die meisten Kinder freuen sich auf die Schule, sie sind neugierig und gespannt. Das sollten Eltern unterstützen. Nutzt die letzten Ferien vor dem Schulstart nicht für einen Crashkurs in Schwungübungen, plagt euch nicht mit dem Zählen, übt keine Addition. Vorschulkinder sind durch die Zeit in der Kita bestens auf den Schulanfang vorbereitet. Sie bringen Sprachkompetenz, Aufmerksamkeit, die nötige Grob- und Feinmotorik mit – ansonsten hättet ihr das bei der Schuleingangsprüfung erfahren oder die Erzieherinnen hätten euch bereits auf mögliche Probleme hingewiesen. Viel wichtiger ist es jetzt, den Schulweg gut einzuüben und auf Gefahren im Straßenverkehr hinzuweisen, damit euer Erstklässler die Strecke bald alleine oder mit einem Freund aus der Nachbarschaft bewältigen kann. „Ohne die Begleitung von Mama oder Papa zur Schule gehen zu dürfen, das stärkt das Selbstbewusstsein und macht groß“, so der Psychologe.

Gebt den Lehrern einen Vertrauensvorschuss

Lesen lernen nach der Silbenmethode, Schreiben nach Gehör… Manchmal sind Eltern mit den Methoden der Grundschule so gar nicht einig. Oder sie stellen die Kompetenz der Lehrer infrage. Dabei dürfen sie sich ruhig auf das fachliche und pädagogische Know-how der Lehrkräfte verlassen. Die wissen schon, was sie tun. „Lehrer verdienen einen Vertrauensvorschuss. Die machen in der Regel ihre Arbeit gut“, sagt Alexander Elwert.

Übt, eine Schleife zu binden

Für alle, die es noch nicht können: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu lernen, wie man eine Schleife bindet. Klingt einfach, hat aber einen immensen Effekt: Damit kann sich dein Kind in jeder Lebenslage die Schuhe zumachen und ist unabhängig – ob nach dem Sportunterricht oder auf dem Schulhof beim Fußball oder beim Fangen.

Nehmt die Sorgen eurer Kids ernst

Bauchweh, Kopfschmerz, Unwohlsein: Manche Kinder reagieren körperlich auf das Ungewisse und die neue Situation. „Nehmen Sie die Sorgen des Kindes ernst, ohne sie zu dramatisieren“, rät Elwert. Manche Kinder sind mit fünf Jahren beim Schulstart einfach noch recht klein, und je nach Temperament, schüchtern oder draufgängerisch, fällt es schwer, den alten Rahmen zu verlassen und auf neuem Terrain Fuß zu fassen. Ermutigt euer Kind. Zeigt ihm: „Wir sind an deiner Seite. Wir unterstützen dich, du musst dir keine Sorgen machen.“

Unterstützt neue Verabredungen.

Es ist toll, wenn die beste Freundin in dieselbe Klasse kommt. Das klappt aber nicht immer. „Ein oder zwei bekannte Gesichter im Klassenzimmer sind wünschenswert, denn das erleichtert den Anfang“, erklärt Elwert. Aber selbst wenn euer Kind in der neuen Klasse gar keinen kennt: Neue Kontakte schließen Erstklässler ganz schnell. Verabredungen nach der Schule oder dem Offenen Ganztag sind wichtig, um sich besser kennenzulernen. Gebt eurem Kind die Möglichkeit dazu, sich mit den neuen Freunden auch außerhalb des Schulalltags zu treffen. „Wer feststellt, dass sein Kind nach der Anfangsphase keinen Anschluss findet und in der Klasse nicht zurechtkommt, sollte mit der Klassenlehrerin reden oder den Schulpsychologischen Dienst einschalten“, so Elwert.

 

lernen, Schule

© pixabay

DAS SOLLTET IHR BESSER VERMEIDEN:

Drohgebärden? Bloss nicht.

Jetzt soll also der Ernst des Lebens beginnen? Schluss mit lustig? Von wegen! Verkneift euch solche Bemerkungen. Sie irritieren Schulanfänger, denn sie klingen nach Unangenehmem. Streng und schlimm ist der Schulanfang aber gar nicht. „Der Schuleintritt ist zwar ein Meilenstein in der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes. Aber er ist keine schwierige oder kritische Zeit, sondern eine freudige Lebensphase“, so der Experte vom Schulpsychologischen Dienst. Schule kann ganz viel Spaß machen. Und das dürfen Eltern ihren Kindern ruhig zeigen und sie in ihrer Vorfreude unterstützen.

Macht nicht die Hausaufgaben eures Kindes

Natürlich weiß Mama, was bei der Aufgabe 2+2 herauskommt. Sie kann schließlich schon addieren. Selbstverständlich kriegt Papa beim B einen schöneren Bogen hin als sein Kind, das sich mit den Schreibübungen noch schwertut. Aber lasst euch nicht dazu verführen, die Hausaufgaben für eure Kinder zu machen. Malt nicht, rechnet nicht, denkt euch keine Sätze und Geschichten an Stelle eurer Kinder aus. Hausaufgaben sind Schülerpflicht. Die dürfen Mamas und Papas nicht abnehmen. Sie dürfen gern unterstützend dabei sein, hier und da was erklären, das Ergebnis kontrollieren. Sie müssen aber deutlich machen: Das ist deine Aufgabe, das liegt in deiner Verantwortung. Ermutigt den Nachwuchs, die Sache selbst anzugehen. „Das kriegst du alleine hin.“

Nur kein Stress morgens

Morgenstund hat Gold im Mund, aber ihr habt ein Morgenmuffelchen, einen Langfrühstücker oder Trödler, was das Anziehen betrifft? Dann plant morgens genügend Zeit ein, damit ihr nicht in Stress geratet. „Sich morgens ausreichend Zeit nehmen, um sich und das Kind nicht unnötig unter (Zeit-)Druck zu setzen, erleichtert den Start in den Tag für beide Seiten sehr“, so Alexander Elwert. Die frühe Anfangszeit ist erst mal ungewohnt und der Beginn nicht mehr so flexibel wie zu Kitazeiten. In der Schule ist Pünktlichkeit gefragt. Euren Kindern ist sicherlich nichts unangenehmer, als zu spät zum Unterricht zu kommen. Alexander Elwert rät: Den Schulranzen abends schon packen. Das Sportzeug bereitlegen, falls es nicht in der Schule bleibt. Am besten auch schon die Klamotten für den nächsten Tag heraussuchen.

Hütet eure Zunge

Euch wäre die Lehrerin der 1b viel lieber gewesen? Dann behaltet das bitte für euch und thematisiert nicht in Gegenwart eures Kindes euer Missbehagen. Ihr bringt euer I-Dötzchen sonst in einen Loyalitätskonflikt. Die Klassenlehrerin ist eine wichtige Bezugsperson für die nächsten zwei bis vier Jahre. Wie soll sich euer Kind ihr gegenüber verhalten, wenn es von Elternseite mitbekommt, dass ihr mit der Lehrerin unzufrieden seid? Falls es tatsächlich Probleme zwischen Kind und Klassenleitung gibt, hilft oft ein klärendes Gespräch. Als neutralen Vermittler könnt ihr auch den Schulpsychologischen Dienst einschalten.

Lobt euer Kind – aber nicht für Selbstverständlichkeiten

Ein Lob ist toll. Es lässt Kinder um Zentimeter wachsen. Für etwas, das richtig gut klappt. „Das Loben sollte aber in einem realistischen Verhältnis zum Verhalten stehen“, erklärt Elwert. Das heißt: Nicht für Selbstverständlichkeiten loben. Aber wenn ein I-Dötzchen zum ersten Mal den Schulweg allein gemeistert hat, ist ein Lob mehr als angebracht.

Thea Wittmann, Juni 2017

 

schulpsychologe elwert

Diplom-Psychologe Alexander Elwert ist kommissarischer Leiter
des Schulpsychologischen Dienstes für den Rhein-Sieg-Kreis.
Mit einem 15-köpfigen Team kümmert er sich um alle Fragen
und Sorgen von der Grundschule bis zum Berufskolleg. Er und
seine Mitarbeitenden sind Ansprechpartner für Schülerinnen
und Schüler, Eltern und Lehrer.

 

 

Schulpsychologischer Dienst des Rhein-Sieg-Kreises
Mühlenstr. 49
53721 Siegburg
Tel. 02241 – 13 23 66 (Sekretariat)
E-Mail: schulpsychologischerdienst@rhein-sieg-kreis.de

 

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