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Ein Weihnachtsmärchen im Kölner Künstler Theater

Ein Weihnachtsmärchen im Kölner Künstler Theater Ein Gruppenbild von Norea und den Puppen nach dem Stück © Claudia Berlinger Die Stadtreporter Norea und Claudia treffen den Geizkragen Scrooge aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte. Das Kölner Künstler Theater bringt das berühmte Märchen pünktlich zur festlichen Jahreszeit auf die Bühne.

Kaum eine Zeit des Jahres ist derartig von Ritualen geprägt wie Weihnachten. Für mich gehört es unbedingt dazu, die Muppets Weihnachtsgeschichte mit dem legendären Sir Michael Cane in der Rolle des Geizkragens Ebenezer Scrooge zu schauen — und schmachtend dem Duett zu lauschen, das er mit seiner Jugendliebe singt. Jedes Jahr freue ich mich aufs Neue, wenn die Geister der Weihnacht des Miesepeters kaltes Herz aufrütteln und Ebenezer gerade noch rechtzeitig den Geist der Weihnacht verstehen lernt und somit Tiny Tims Leben und seine eigene Seele rettet. (In weiteren Hauptrollen Kermit der Frosch als Bob Cratchit und Miss Piggy, die seine Frau Emily spielt, worüber sie sicher hocherfreut ist — aber das verstehen natürlich nur wir Eltern, die wir jahrelang die Muppet Show gesehen haben).

Tagsüber für Kinder ab fünf Jahren und abends für Ältere

Klar, dass ich diese wunderbare Geschichte gern an Norea weitergeben möchte. Aber muss es die Flimmerkiste sein? Wir gehen auch sehr gerne ins Theater. Das Kölner Künstler Theater, das seit 2013 in der GAG-Neubausiedlung Grüner Weg in Ehrenfeld residiert, führt „Ein Weihnachtsmärchen“ für Kinder ab fünf Jahren in den Tagstunden und abends die Fassung für Erwachsene auf. Ihr müsst euch schon beeilen, um noch Karten für die Dezember-Vorstellungen zu reservieren, denn die Termine sind bestimmt schnell ausgebucht. Das wäre dem Theater jedenfalls zu wünschen, denn das KKT macht eine tolle Arbeit.

Das Thema Tod humorvoll bearbeitet

Umringt von Kindergartengruppen folgen wir Georg zum Kley, der das Theater 1995 gegründet hat, in der Rolle des Ebenezer Scrooge. Er holt die Kinder von Anfang an ins Boot des Stücks und ich denke bei mir: „Er hat entweder selbst Kinder oder ist ein echt guter Pädagoge“. Norea und die anderen Kinder fiebern mit, als Scrooge vom ersten Geist heimgesucht wird und da die Gags genau auf das Alter abgestimmt sind, hat kein Kind Angst. Mein Favorit ist definitiv der zweite Geist mit seinen grünen Haaren und der dicken Knubbelnase, der wie Norea einen besonderen Zahn hat. Als der Tod mit schwarzer Burka und Sense die Bühne betritt, gibt es kein Halten mehr: Die Kinder lachen die ganze Szene durch, weil der Tod einfach lustig gespielt ist.

Faszinierendes Puppenspiel

Solodarsteller Georg zum Kley bezieht gerne Puppenspiel in seine Inszenierungen ein © KKT

Gespannt war ich, wie von Kley in dem Einmannstück die Rückschauen in Ebenezers Kinderzeit bewerkstelligen würde, die erklären, wie er ein so hartherziger Mensch werden konnte. Es zeigt sich, dass er auch ein toller Puppenspieler ist. Alle sind froh, dass Ebenezer Scrooge zum Schluss des Stücks versteht, Weihnachten zu feiern und einen Tannenbaum und eine Gans für Bob Cratchets Familie kauft, bei der er wie jedes Jahr zum Weihnachtsfest eingeladen war. Dieses Jahr wird auch Scrooge zum ersten Mal an Weihachten nicht allein sein. Und so endet die Geschichte. Doch halt, im Buch endet sie mit dem schönen Satz Tiny Tims: „Gott segne jeden von uns.“ Ein Wunsch, dem wir uns nur anschließen können.

Ein Blick hinter die Kulissen

Jede Puppe erhält am Ende ihren eigenen Applaus und die Kinder dürfen nach vorne kommen und dem Darsteller Fragen stellen und die Puppen aus nächster Nähe bestaunen. Doch da stehen wir schon neben dem Lichttechniker, weil Norea unbedingt wissen will, wo das rote Licht auf der Bühne herkam. Der nette Mitarbeiter zeigt uns die Schaltanlage für Licht und Ton und Norea darf auch einmal die Regler schieben. Da Norea gern wissen will, wie Filme entstehen, sind wir hier auf dem besten Weg, die Kniffe kennen zu lernen, mit denen Szenen dargestellt werden.

Claudia Berlinger, 2017

Info

KKT Kölner Künstler Theater
Grüner Weg 5
50825 Köln
Tel.: 0221 – 510 76 86

Das KKT ist ein „Theater der Vielfalt und Teilhabe“ und für alle Menschen offen: Im Ensemble, als Mitarbeiter, als Besucher oder Teilnehmer der Workshops. Die Räume sind barrierefrei, die Sanitäranlagen rollstuhl- und kindgerecht sowie mit Hilfsmitteln ausgestattet und auch Menschen, die aus ethischen, sozialen, kulturellen, physischen, geistigen oder emotionalen Gründen oft ausgeschlossen sind, werden hier wertschätzend eingeladen.

Spannend finde ich, dass das KKT ein Kinder-, Jugend- und Erwachsenentheater ist und das Ensemble nach den Stücken für Gespräche zur Verfügung steht. Auch Workshops für Gruppen aus allen Schultypen, für Schüler mit geringen Deutschkenntnissen und sogar Kommunikationstrainings für junge Erwachsene werden in Zusammenarbeit mit der AktionMensch angeboten.

Wir gratulieren!
Dieses Jahr hat das KKT den mit 12.500 Euro dotierten „Hidden Movers Award 2017 – weil alle gewinnen, wenn Bildung gewinnt“ für das Projekt „Respect Speech“ erhalten.
„Respect Speech“ richtet sich an Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren aus drei Schulen und möchte Jugendliche in erster Linie für Sprache sensibilisieren. Das Projekt möchte aber auch in Zeiten der Fake News und Hate Speech diskriminierende Sprache durch die „Respect Speech“ ersetzen und somit Wertschätzung und Respekt vermitteln.

 

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